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Kritik:
Der Spion, der mich liebte


von Christian Mester

THE SPY WHO LOVED ME
(1977)
Regie: Lewis Gilbert
Cast: Roger Moore, Richard Kiel

Story: Als ein U-Boot auf offener See entführt wird, schickt man Eliteagent Bond zur Spionage. Zusammen mit einer Agentin, die ihn bei der erstbesten Gelegenheit erledigen will, entdeckt er eine geheime Unterwasserbasis....

Bösewicht: Karl Stromberg
Masterplan: Stromberg will die beiden größten Nationen gegeneinander aufbringen, damit sie sich gegenseitig angreifen und die Welt in einem neuen Atomkrieg dem Erdboden gleichmachen.
Handlanger: Beißer
Bondgirls: Anya, Haremgirl, Namoi
Bond Song: Carly Simon - Nobody does it better
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-

Kritik:
Drei Jahre nachdem Eliteschütze Scaramanga Bond sowie auch dessen gesamte Filmreihe beinahe ins Grab befördert hatte, durfte Roger Moore noch einmal ran, sich noch einmal zu beweisen. Wie nach dem etwas sperrigen Im Geheimdienst ihrer Majestät stellte man erneut auf "gehen wir auf Nummer Sicher Automatikschaltung" und entwarf einen Nachfolger, wie er nicht klarer der "typischen" Bond Formel entsprechen könnte. Egomanischer Superbösewicht mit Geheimbasis, der der Welt möglichst Schlimmstes antun will, dazu heißere Bondgirls, mehr Pepp in den Witzen, sowie aufregendere Gadgets und aufsehenserregende Action.

Der Spion, der mich liebte präsentiert all dies - nicht allzu einfallsreich, aber inszenatorisch erstklassig umgesetzt. Bereits toll: die Eröffnungsszene, in der Bond dieses Mal nach kurzer Skiverfolgungsjagd - die zwar nicht an die lange aus Im Geheimdienst heranragt, aber dann folgendes bietet - lässig einen gewaltigen Satz von einer Klippe macht, cool minutenlang fällt und dann knapp vor Boden einen Fallschirm mit britischer Flagge als Logo zielt. Ein Wahnsinns-Stunt, mit einem Wirbel, den der goldene Colt vermissen lassen hatte.

Genauso stark geht es nach dem eher mäßigen Song "Nobody does it better" von Carly Simon weiter. Grandios ist der neue Handlanger Beißer (Richard Kiel), ein 2 Meter nochwas Schrank von Mann, scheinbar unzerstörbar und mit Stahlgebiss ausgestattet (man beachte, dass er ein Mix aus den berühmten klassischen Monstern ist: seine Statur erinnert an Frankensteins Monster, seinen ersten Auftritt hat er wankend in der Mumie's Ägypten, wo er sich aus einem Steingrab erhebt, er beißt wie Dracula und endet ala Schrecken des Amazonas schwimmend im Wasser), der Bond mehrfach ernste Probleme bereitet und trotz fehlender Worte richtig Charisma zu bieten hat. Mehr als Bösewicht Stromberg, der in seiner ein wenig gigerischen Unterwasserbasis hauptsächlich dinierend von einer Zukunft der Menschheit faselt und so ziemlich jeden hinterrücks tötet, den er trifft (und der übrigens der dritte Gegner ist, der in seinem Lager Wassertiere zur Gegnerbeseitigung züchtet (nach Largos Haien in Feuerball und Blofelds Piranhas in Man lebt nur zweimal)). Zum Glück taucht er nur kurz auf und überlässt es dem Beißer, mit Bond zu ringen. Interessant ist die Art, wie brutal sich Bond Stromberg entledigt - anstatt einmal zu schießen, richtet er ihn mit vier Schüssen regelrecht hin. Ein Zeichen dafür, dass es eigentlich Blofeld sein sollte, nachdem EON jenen an Feuerballautor Kevin McClory verloren hatte?

Der Spion hat aber auch noch zwei andere Stärken; so erinnert die Handhabung des politischen Zwists zwischen England und der Sowjetunion etwas an Liebesgrüße, und auch hier ist das Bondgirl lobenswert mehr als nur Dekoration: die hübsche Barbara Bach darf lange unberechenbar sein, da Bond womöglich ihren Liebsten auf den Gewissen hat und sie jenem Blutrache geschworen hatte. Moore selbst fühlt sich wieder sicherer, ist weniger auf Klamauk aus und konzentriert sich auf die Actionszenen, die wirklich Spaß machen. Geradezu ikonisch ist sein neues Auto, ein weißer Lotus, mit dem er gleich mal Baden geht, weiteres sehenswerte Bild ist  ein U-Boote verschlingender Supertanker, abgerundet von einem erneut brachial starken Setdesign vom mittlerweile zurückgekehrten Setgott Ken Adam.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)


Fazit:
Beißers erster ist ein nicht allzu innovativer, aber rundum sorgloser Bond
voller Spektakel, Action und Humor nach Schema F.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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