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Kritik:
Octopussy


von Christian Mester

OCTOPUSSY
(1983)
Regie: John Glen
Cast: Roger Moore, Julian Glover

Story: Ein kostümierter Agent stürzt ermordet in eine britische Botschaft - in seiner Hand: ein gefälschtes Farberge-Ei. Bond untersucht daraufhin Interessenten der seltenen Kostbarkeiten und kommt darüber zu Kamal Khan, einen afghanischen Prinzen mit niederträchtigen Plänen...

Bösewicht: Kamal Khan, General Orlov
Masterplan: Khan will für den russischen General Orlov eine vermeintlich amerikanische Atombombe in Ostdeutschland hochgehen lassen, damit es zu einer Abrüstung der Amerikaner kommt - im Anschluss dessen will Orlov seinen Befehlshabern vorschlagen, Europa zu erobern.
Handlanger: Grischka, Mischka, Gobinda
Bondgirls: Octopussy
Bond Song: Rita Coolidge - All time high
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Entschuldige meine Neugier, aber was ist das?" - "Das ist mein kleiner Octopussy!"

Kritik:
Der Bond mit dem wohl anzüglichsten Namen der Reihe (allerdings tatsächlich auf einer Ian Fleming Geschichte basierend, "Octopussy and The Living Daylights"), der zudem das ultimative Bond Duell einleiten sollte - im gleichen Jahr erschien der inoffizielle Connery Bond Sag niemals nie, das Remake des Klassikers Feuerball - stellt schwer auf die Probe. 007 im schwimmenden Krokodilboot ala Ace Ventura 2, im Gorillaanzug, ein Miniflugzeug als Pferd getarnt, eine kämpferische Zirkusbagage, Tuk-Tuk Trouble zwischen Schlangenbeschwörern und Slumdogs: nach dem eher bodenständigen, wenn auch farblosen In tödlicher Mission ist Octopussy ein lachender Sprung in den Irrsinn, gegen den eher konservativen Connery Titel konzeptionell Franchise-suizidgefährdet.

Es beginnt bereits damit, dass Messer werfende Zwillinge einen 00-Agenten im Clowns-Outfit in einem Wald jagen. Mit gehobener Augenbraue entfaltet sich sodann eine eher legere, viel zu gemütliche Mission ala Der Mann mit dem goldenen Colt. Dass die Handlungsentwicklung ein völliges Desaster ist, lässt sich nicht übersehen: kreuz und quer geht es wirr durch die Weltgeschichte, von London nach Indian nach Kuba, von Schmugglerei zu Kriegsplänen zu Verschwörungen zu Morden zu Juwelendieben und Fälscherei, einem seltsamen Plan hinterher hastend, der ausgerechnet in einem Zirkus in Deutschland enden soll, mit Bond als Bomben entschärfenden Clown. Als titelgebende Octopussy ist Maud Adams - die hier neben Der Mann mit dem goldenen Colt und Im Angesicht des Todes ihren zweiten von drei Auftritten in Bondfilmen hat - leider erneut kaum der Rede wert. Sie soll eine mächtige, unberechenbare Frau abgeben, die eine eigene Sireneninsel beherbergt, doch ihr Fels ist keiner der Entscheidung; das vermeintlich gefährliche Gefängnis entpuppt sich als maximal wonniges Erholungsbad, sie selbst als triste, alles andere als faszinierende oder verruchte Mata Hari. Weil Bond pflichtbewusst mehr als eine Frau pro Film benötigt, kommt Bondbettopfer Magda (Kristina Wayborn) hinzu, die aber lediglich Dekoration bleibt und nicht viel zu jonglieren weiß.

Was den kunterbunten 00-Quatsch mit vier Nummern Schuhgröße zu groß noch honkend über Wasser hält, ist seine quirlige Verspieltheit; sprich, extravagante, wenn auch ebenso schräge Actionszenen. Wenn Bonds Flugzeug Katz- und Maus mit Bodeneinheiten, besser noch, mit Boden-Luftraketen spielt, auf einem startenden Flugzeug gekämpft wird oder er sich bei einer amüsanten Tuk-Tuk Hetzjagd durch indische Straßen, bei einem an Indiana Jones erinnernden Kampf auf einem fahrenden Zug, sowie einer Flucht zusammen mit einem Tiger vor einer Kavallerie von Elefantenreitern - mächtig ins Zeug legt, will es zwar oft nicht wirklich nach Bond wirken, doch die gesunde Dynamik macht streckenweise ehrlichen, wenn auch nicht unbedingt gewollten Hirn-ausschalten-Spaß und lässt vergessen, dass Mr. Moore, der Bond hier wieder etwas lockerer und fröhlicher spielt als im verbissenen letzten, mittlerweile schon stark auf die 60 zuging (jedoch nahezu unverzeihbar, nahezu Grund, direkt auszuschalten bzw. zu gehen? In einer Szene schwingt sich Bond von Liane zu Liane, wobei Johnny Weissmüllers Tarzanschrei eingespielt wird...).

Dufte sind Teile der Bösewichte; obgleich die wahren Drahtzieher Khan (der so gar nicht afghanisch aussehende Franzose Louis Jourdan) und Orlov (der so gar nicht russisch aussehende Brite Steven Berkoff) nahezu miserabel, da nie charismatisch oder bedrohlich ausfallen, übernehmen es die beiden Messer werfenden Brüder Mischka und Grischka, sowie der schier unnachgiebige Grobklotz und Turbanträger Gobinda unterhaltsam, Bond ansprechend Zunder zu machen. Mit dem Assistenten Vijay trifft Bond einen indischen Felix Leiter, den er aber ähnlich ungenutzt im Regen stehen lässt wie Leiter so oft zuvor - gnädig wird die Reihe der Figur wohl niemals sein. Lois Maxwell scheint in Nostalgie den Zeiten hinterher zu träumen, und Desmond Llewelyn hat seinen Spaß in einer der wenigen Außenauftritte Q's. Gnade müsste hingegen dem Bond Song zu walten sein, da Rita Coolidges' All time high eher ein All time low ist.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)


Fazit:
Was Diamantenfieber für Connery war, ist Octopussy für Moore: ein leider miserabler Fall mit schwachen Bondgirls, aber gut aufgelegtem 007, vielen schrägen, aber unterhaltsamen Einfällen und soliden Handlangern
.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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