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Kritik:
Sag niemals nie


von Christian Mester

NEVER SAY NEVER AGAIN
(1983)
Regie: Irvin Kirshner
Cast: Sean Connery, Kim Basinger, Klaus Maria Brandauer

Story: Quasi-Remake von "Feuerball": in einem Spa bekommt Bond Hinweise über zwei gestohlene Atombomben; daraufhin verfolgt er den Milliardär Maximilian Largo (Klaus Maria Brandauer), der sie im Geheimen verstecken will, während SPECTRE Lösegeld erpresst.

Bösewicht: Ernst Stavro Blofeld 
Masterplan: Largo stiehlt zwei Atomsprengköpfe und erpresst das Bündnis USA/UK: er verlangt 25 Milliarden Dollar pro Jahr, sonst werden sie gezündet
Handlanger: Lippe, Fatima Blush
Bondgirls: Fatima Blush, Domino Derval
Bond Song: Lani Hall - Never say never again
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
...

Kritik:
"Sag niemals nie zum Zaster" wird das Mantra des inoffiziellen Bonds gewesen sein, der 1983 zwischen den regulären Roger Moores Bond 13 (Octopussy) und 14 (Im Angesicht des Todes) erschien. Der Hintergrund: der Producer Ken McClory hatte am vierten Bond Feuerball mitgeschrieben und es clever geschafft, die Exklusivrechte an weiteren Verfilmungen ohne Einfluss der Bondfamilie EON zu bekommen. Da Moore mittlerweile der neue Bond war, sah man es auch als den Marketing-Coup, den echten Bond gegen den neuen einzusetzen: 1983 war es also das große Kinoduell, Bond vs. Bond, das für beide Seiten lukrativ ausfallen sollte... auch wenn Connery am Ende den kürzeren zog.

Mag unter anderem daran gelegen haben, dass das Sexsymbol damals schon ergraut und über 50 war, oder auch schlicht daran, dass dieser neue Feuerball deutlich schwächer als der fast 20 Jahre ältere mit dem gleichen Schauspieler ist - und das, obwohl "Das Imperium schlägt zurück" Regisseur Irvin Kershner hinter der Kamera steht und "Papillon" und "Batman" (1966, tädädädädä) Drehbuchautor Lorenzo Semple den Stift schwang. Von einem Remake kann man nichtmal sprechen, da Feuerball und Sag niemals nie bis auf die grobe Rahmenhandlung nichts gemeinsam haben. Viele Szenen entwickeln sich völlig anders, alle Figuren sind anders, heißen anders (so heißt der Böse statt Emilio Largo Maximilian Largo, seine Handlangerin Fatima statt Fiona, Q nun Algyn, die Bösenorganisation PHANTOM SPECTRE), der Showdown ist verändert (statt im Meer Miamis endet's in der Wüste Syriens), der Stil nicht übernommen. Anders heißt zwar erstmal per se interessant, da ein Remake für gewöhnlich immer neue Interpretation statt Imitation wagen sollte, doch der ReBond macht leider keine gute Figur. Da wäre Connery, der mit seinen schütteren Haaren und leichtem Bauchansatz nur noch segmentweit funktioniert. Oneliner bringt er besser als früher, nur spielt zu vieles auf sein Alter an; sein Mojo wirkt erzwungen, und gerade in den Actionszenen (für dessen Training übrigens ein junger Steven Seagal Connery die Hand brach) ist der Wechsel zum Stuntman zu oft zu auffällig. Ähnlich wie die Attitüde des ganzen Films scheint auch sein Bond keinen großen Elan zu haben, die Mission überhaupt zu bewältigen. Gegenüber mauen Kopien von Q, Moneypenny und M schwafelt er über Ausgedientheit, es herrscht eine gewisse Gleichgültigkeit, die sich unweigerlich überträgt.

Es gibt zwar einen überraschend auffälligen Kampf gegen Handlanger Lippe im Spa zu Anfang, der Hoffnung macht (wenn er auch durch einen Wurf von Bonds Urinprobe endet), doch dies soll die einzige interessantere dynamische Szene bleiben. Der ehemals große Unterwassershowdown ist auf ein Oasen-Brunnentauchen geschrumpft, Bond springt albernst mit einem Pferd von einer Klippe und der blasse neue Largo Klaus Maria Brandauer, hier nicht mehr schmieriger Mafiatyp, sondern vermeintlich, aber nicht sichtlich smarter Geschäftsmann, hat Bond auch sonst nicht viel zu bieten. Langweilig: ein Videospielduell, bei dem er und Bond Stromschläge abbekommen. Einziger Wehmutstropfen ist Bondgirl und -gegnerin Fatima (Barbara Carrera), die richtig Zunder gibt und als einzige mit größtem Spaß dabei ist.

Pre-Batman Kim Basinger als neue, tanzende Domino ist gelenkig, aber so langweilig, dass sie die alte Domino wie einen gut geformten Charakter erscheinen lässt. Da es an Rechten fehlte, gibt es keine Gun Barrel Sequenz und keine Bond Theme, dafür einen frühen Auftritt von Rowan "Mr. Bean / Johnny English" Atkinson als nerviger Zausel... den man sich auch hätte sparen können. Der Bond Song "Never say never again" von Lani Hall? Ein Grauen, und wenn Bond gegen Ende sagt, dass er wohl einpackt und nicht mehr will - wie auch, man hatte nur Rechte an immer neuen Remakes dieser einen Geschichte - kann man bloß traurig zustimmen. Dieses Connery Comeback war eins zu viel.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Connerys Rentenzuschuss zahlte sich finanziell für alle Beteiligten, qualitativ aber nicht aus: Ein lahmer Cashgrab
mit nur vereinzelten Momenten - zu Recht nicht im Bond Kanon, zu Recht eher unbekannt, zu meiden.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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