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Kritik:
Im Angesicht des Todes


von Christian Mester

A VIEW TO A KILL
(1985)
Regie: John Glen
Cast: Roger Moore, Grace Jones, Christopher Walken

Story: Bond erhält die Aufgabe, einem seltsamen Computerchip nachzugehen, über den ein verstorbener Kollege zuletzt ermittelte. Es führt ihn zum arroganten Computerchiphersteller Max Zorin (Christopher Walken), der mit aller Gewalt expandieren will...

Bösewicht: Max Zorin
Masterplan: Ex-KGB Agent Zorin will Silicon Valley fluten und alleiniger Computerchiphersteller werden.
Handlanger: May Day
Bondgirls: May Day, Stacy
Bond Song: Duran Duran - A View to a Kill
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Wow, was für eine Aussicht" "Auf das große Geschäft" (... "Wow, what a view" "To a kill")

Kritik:
Im Angesicht des Todes sollte für zwei langjährige Bond Kollegen "Im Angesicht des Ruhestands" bedeuten: Roger Moore, mittlerweile 57 Jahre alt und erschrocken darüber, dass die Mutter seines Bondgirls Tanya Roberts jünger war als er selbst, sah ein, zu alt geworden zu sein und dankte nach dem Dreh ab. Doch nicht nur er packte die Koffer, es sollte auch der letzte Auftritt von Lois Maxwell als erste Miss Moneypenny sein, die nach 17 Filmen verdient in den Ruhestand gehen durfte. Ihr gemeinsamer Abgesang? Ein schlechter Bond, der sich qualitativ leider ins untere Viertel der Bondreihe begibt.

Angesicht sollte nach Diamantenfieber der zweite große US-Bond werden; nicht nur, dass man die Premiere statt traditionell in England in den USA feierte, sorgte die zu der Zeit in den USA groß gehypte (wenn auch britische) Popband Duran Duran kontrovers für den auf jüngere Leute zugeschnittenen Titelsong, galt die markante Grace Jones als US-Discoqueen und spielen zwei größere Actionszenen des Films, darunter der Showdown, in den Vereinigten Staaten; sogar das Poster ziert die Golden Gate Bridge. Also ein MTV-Ableger für die jüngere, amerikanisch orientierte Generation... mit einem Bond als Fast-Opa?

Zu den Pluspunkten: Grace Jones als überstarkes Mannweib May Day dürfte auf die meisten allgemein furchteinflößend wirken, doch durch ihre gewaltige Präsenz darf sie sich fraglos in den Saal der bekannteren Handlanger heben - und gleichzeitig ins Gemach der auffälligeren Bondgirls, da sie vermutlich die erste war, die beim Techtelmechtel mit Bond oben lag und die Führung übernahm (allerdings nicht die erste afroamerikanische Eroberung Bonds - das war Rosie Carver in Leben und Sterben lassen). Wen sie übrigens mit ans Set schleppte, und wer kurz in einer Szene zu sehen ist? Ihr damaliger Freund... Dolph Lundgren. Ein weiterer faszinierender Cameo findet sich darin, dass Bond in diesem Film mit Patrick McNee zusammenarbeitet (McNee spielt einen zweiten Agenten, der sich als Bonds Fahrer ausgibt und den Bond dafür unentwegt ärgert), dem Gentleman Detektiv John Steed aus Mit Schirm, Charme und Melone... insofern, als dass Steeds Partnerin Emma Peel von Diana Rigg gespielt wurde, zuvor das legendäre Bondgirl und kurz Mrs. Bond in Im Geheimdienst ihrer Majestät war. Über Duran Durans sensationellen Theme Song muss man nach den einschläfernden letzten (letzter Treffer: Live and let die von Paul McCartney, 12 Jahre zuvor) wohl nichts sagen.

Da hören die 00-Qualitäten dann aber beklagenswerter Weise auch schon auf, denn der ansonsten stets souveräne Christopher Walken beispielsweise schlafwalkt durch seine Rolle des arroganten Pinsels Zorin, der ständig kichert und grinst und dabei nicht den kleinsten Unzen Bedrohung ausstrahlt. Im Film wird angedeutet, dass er das Resultat von Genexperimenten mit illegalen Steroiden sei, weswegen er einen ungemütlichen alten Dr. Mengele-Arzt bei sich hat, nur zeigt Zorin selbst nichts besonderes - May Day dagegen kann ohne Mühe einen Mann über ihren Kopf heben, als sei er ein Kissen; Zorin sieht aus, als könnte ihn selbst der Waschlappen Hugo Drax im englischen Faustkampf bezwingen. Dass man Zorin in einer Szene brutal zahlreiche Mitarbeiter erschießen lässt, will so gar nicht zur Rolle, zum Film oder zur Reihe passen (was Roger Moore nachträglich auch schwer kritisierte), und sein Plan, Chiphersteller auszuradieren, erscheint wenig aufreibend. Was die Action betrifft, so fällt sie relativ lahm aus: die Eröffnungsszene (schon wieder eine Ski-Verfolgungsjagd) wirkt einfallslos, eine Klettertour am Pariser Eiffelturm lässt sehr zu Wünschen übrig, eine Autojagd mit einem halbierten Wagen lädt vereinzelt zum schmunzeln, eine Backdraft- und Feuerwehrwagennummer mit albernen auf Police Academy Niveau kollidierenden Cops, und wie Bond später an der Golden Gate Bridge herumklettert (mit nervend offensichtlicher Greenscreen) sehnt man sich danach, Moore hätte schon eher Goodbye gesagt. In Sachen Bondgirl ist Tanya Roberts nicht störend, aber ein belanglos leerer Charakter, der nichts relevantes zur Handlung beiträgt. Schlimm? Selbst mit Patrick McNee hat Moore mehr Chemie als mit ihr. Abdanken hätte an dieser Stelle auch Regisseur John Glen, der mit In tödlicher Mission, Octopussy und diesem eine Trilogie schwächelnder Filme geschaffen hatte (...leider sollte er noch zweimal zuschlagen).

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Mayday, Mayday: Moores Abschied kommt zu spät und ist seiner nicht würdig: mit Im Angesicht des Todes findet er sich im gleichen Abgrund wie Der Mann mit dem goldenen Colt wieder
; ein magerer, mittelmäßiger Actionfilm mit nur vereinzelten Stärken und einem Moore, der kaum Einsatz zeigt.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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