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Kritik:
Der Hauch des Todes


von Christian Mester

THE LIVING DAYLIGHTS
(1987)
Regie: John Glen
Cast: Timothy Dalton, Maryam D'abo, John Rhys-Davis

Story: Bond erhält die Aufgabe, Koskov, einen ranghohen KGB-Agenten, der überlaufen will, sicher über die Grenze zu geleiten. Der vermeintliche Mitstreiter entpuppt sich allerdings als Doppelagent, der Pläne mit einem schmierigen Waffenhändler hegt...

Bösewicht: Brad Withaker, Georgi Koskov
Masterplan: Waffenhändler Whitaker und Koskov verkaufen Opium an afghanische Rebellen, um sich mit den Erlösen eine eigene Privatarmee aufstellen zu können.
Handlanger: Necros
Bondgirls: Kara
Bond Song: A-ha - The Living Daylights
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Wer auch immer sie war, sie hatte bestimmt den Hauch des Todes"

Kritik:
Nachdem Roger Moore seinen Zenit längst überschritten hatte, war es endgültig an der Zeit, einen neuen Bond einzuführen. Auftakt Timothy Dalton, der zuvor schon mehrfach für die Rolle in Frage gekommen war und nun endlich durfte. Sein Einstieg mit einer tödlichen Klettertour, die on top eines brennenden Jeeps mit Sprengstoff an Bord endet und dann schmucke in A-ha's Killertheme zum Film übergeht, ist dann auch noch solides Bewerbungsgespräch, doch fast alles was darauf folgt, lässt seinen Hauch des Todes leider um Mundwasser bitten.

Da wäre die allgemeine Handlung: offensichtlich wieder bodenständig und auf Ernsthaftigkeit bedacht, gehört der Hauch des Todes prinzipiell zu den wohl unspektakulärsten aller Bonds. Abgesehen von der Eröffnung, einer faden Verfolgungsjagd im Schnee (im neuen Aston Martin Modell) und einem mauen Finale auf einem Armeestützpunkt (bei dem Bond die meiste Zeit unbeteiligt ein Flugzeug startet, bevor er dann wohl kurz Uncharted 3 inspirierte, zu fürchterlich gemächlicher Fahrstuhlmusik) ist wenig Leben im Film, der sich stattdessen eher auf eine völlig verkorkst komplizierte, und langweilige Handlung lehnt, die so gerne Liebesgrüße aus Moskau mit einem Schuss Im Geheimdienst ihrer Majestät sein würde, dies aber instrumental vergeigt. Bösewicht Koskovs Plan ist unnötig sperrig und holt bloß tote Kaninchen aus dem Zylinder, Joe Don Baker als spielzeugbesessener Waffenhändler eine völlige Hanswurst, und dass da noch John Rhys-Davis mit eingepflegt ist, der eine Rolle ähnlich zu Indiana Jones' Sallah geben soll, ist vertan, da sein KGB Boss Pushkin niemals die frotzelnd unberechenbare Kooperation mit Bond gewinnt, die ihre Beziehung interessant machen würde. Über die neue Moneypenny - anscheinend Kim Basingers Vorlage für ihre Vicki Vale - sei besser der Hauch des Schweigens gelegt, da pseudomodern und gänzlich deplatziert.

Einschläfernd ist Maryam D'abo als Bondgirl Kara, die als Scharfschützengewehr schießende Cellospielerin zwar interessante Grundlagen für ein Figur bietet, ihre Rolle allerdings aufgekratzt wie ein aufgeschrecktes Huhn spielt. Ständig emotionslosen Blick eines absoluten Erstaunens im Gesicht, ist sie Bond eher Last als Lustobjekt; dass D'abo sichtlich null Draht zu ihrem Kollegen Dalton hat und ihre Beziehung kalt wie Eis bleibt, macht es zudem nicht besser, erscheint sogar verständlich. Dalton wirkt demzufolge oftmals verloren und mag sich brauchbar in die Rolle eines Agenten, oder Diplomaten versetzen, leider aber nicht recht an die spezielle Figur Bond; flapsige Oneliner liegen ihm so gar nicht, als Frauencharmeur von Welt ist er unglaubwürdig (zum Augen rollen: eine Bruchlandung auf einer Jacht, bei der Bond eine Frau erspäht und zur Basis funkt, es werde wohl eine Stunde später) und auch wenn er in den Kampfszenen besser wegkommt als Roger Moore (dem seine allerdings oft ideal auf den Leib geschrieben waren), will die Bezeichnung "Actionheld Timothy Dalton" nicht so wirklich Boden fassen.

Einziger Wehmutstropfen ist Handlanger Necros (gespielt vom deutschen Andreas Wisniewski, optisch auf Lundgren's Ivan Drago getrimmt), der nicht nur eine formidable, Hitman-esque Soloszene bekommt, sondern auch als einer der wenigen Beteiligten mit Saft bei der Sache ist. Fraglos hätte er einen besseren Bond verdient. John Glens Regie ist per se solide, aber auch er kann nicht viel aus der Tatsache machen, dass die Handlung keine wirklichen Highlights bietet, dass das Spektakel bewusst reduziert wurde, der Soundtrack maximal okay ist und und die meisten der Darsteller ihre Phrasen gelangweilt runterdreschen. Beim Hauch des Todes schien der Atemhauch raus; dem neuen Bond wird nicht souverän entgegengespielt, im Vergleich zu den vorherigen 14 Bond Filmen schien dieser in keinster Weise mitziehen zu wollen, es verbleibt der Eindruck eines "hm" sagenden Pflichtwerks, das irgendwie gemacht werden musste, den aber eigentlich keiner wollte.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Der Hauch der Schmach einer Niederlage:
dass Dalton nach diesem miserablen Einstieg noch eine zweite Chance bekam grenzt an ein Wunder, ist es doch einer der schwächsten der gesamten Reihe - meilenweit von der Vorstellung entfernt, dieser hätte als erster der Reihe 14 Fortsetzungen schaffen können. Was ihm an Spaß, Spektakel und amüsanten Einfällen fehlt, wiegt er nicht - was er zwingend müsste - in Handlung, interessanteren Charakteren oder Atmosphäre wieder auf.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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