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Kritik:
Lizenz zum Töten


von Christian Mester

LICENCE TO KILL
(1989)
Regie: John Glen
Cast: Timothy Dalton, Robert Davi

Story: In einer atemlosen Verfolgungsjagd gelingt es Bond und Busenfreund Felix Leiter endlich, den gesuchten Drogenbaron Franz Sanchez (Robert Davi) dingfest zu machen. Doch Sanchez kann fliehen und sich an Leiter rächen... Bond nimmt sich der Sache ein für alle Mal an, losgelöst vom MI6.

Bösewicht: Franz Sanchez
Masterplan: Es gibt keinen. Sanchez will wie gehabt weitermachen und der MI6 sieht das anders.
Handlanger: Dario, Milton Krest, Agent Killifer
Bondgirls: Pam, Lupe
Bond Song: Gladys Night - Licence to Kill
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Hiermit entziehe ich ihnen die Lizenz zum Töten"

Kritik:
Da Daltons Debüt viele Fans fand, durfte er noch mal - wie es sich dann ergab, ein letztes Mal -
in einem Nachfolger, der dem Vorgänger immerhin die Schuhe auszieht. War Der Hauch des Todes ein verfehlter Versuch, die Magie von Liebesgrüße wieder zu erreichen, ist Lizenz zum Töten ein spürbar gegensätzlicher Beitrag. Schon die Eröffnungsszene zwiebelt den meisten letzten Bonds so deftig mit, dass man außer Atem bleibt. Während Felix' Hochzeit mal eben eine actionreiche Hast auf einen Erzfeind durchzuziehen, nur um dann per Fallschirm pünktlich zurück zum Altar zu gleiten... entfernt sich weit vom ernsten Ton des letzten Films, high-fived sich aber unterhaltsam dahin, wo sich Lizenz zum Töten wohlfühlt: im wohl amerikanischsten Actionfilm der Reihe. Zwar ist weiterhin Regisseur John Glen am Drücker und war Bond in Diamantenfieber und bei Im Angesicht des Todes schon zuvor mal länger in den Vereinigten Staaten unterwegs, doch Lizenz hat generell fast nichts Britisches mehr. Der Film wirkt hundertprozentig wie ein typischer US-Actionfilm seiner Zeit, von Lethal Weapon und Co. inspiriert, und auch wenn es Abkehr von den Wurzeln sein mag - es funktioniert blendend.

Nach der verquasten Nichtgeschichte des letzten ist Lizenz wieder sehr simpel gehalten: ein Drogenbaron macht was er will, der MI6 tritt ihm auf die Füße, er widersetzt sich, und so muss Bond ihm die Leviten lesen. Als Bösewicht ist Robert Davi eine vortreffliche Wahl. Er hat große, unnahbare Präsenz und kaut viele seiner Vorgänger zum Frühstück - sein Sanchez ist ein Gegner, der Bond wirklich fordert und der nicht nur schwatzt und mit Wahnsinn Fantasien über neue Zivilisationen und Unterwasserstädten erspinnt, sondern der erschreckend realistisch ist und mit gnadenloser Gewalt umsetzt, was er will (sein solider Handlanger, auch wenn er eigentlich keinen brauchen würde? Ein junger Benicio del Toro). Dies führt auch dazu, dass der insgesamt lockere Ton zum verklemmten Vorgänger (auch wenn Dalton amüsante Sprüche noch immer nicht liegen, kommt sein Zynismus zumindest besser) mit großem Dunkel kontrastiert wird, denn Lizenz zum Töten ist in Motiven der wohl düsterste und emotional aufreibendste für Bond seit Tracys Tod. Sein bester Freund wird von einem Hai angefressen (doch extra wieder gerettet, um ihn finster damit leben zu lassen), dessen Frau geschändet und ermordet. Dass Bond auf 180 ist und Davi famos fies bleibt, ergibt ein spannendes Duell, das dem Film in der ersten Hälfte großen Drive verleiht.

Schwächen finden sich in der zweiten Hälfte, in der es weniger interessante Szenen gibt, das Tempo nicht mehr länger beibehalten werden kann und auch die Action (bis auf den feurig tanklasterlastigen Showdown) etwas nachlässt. Sie ist abwechslungsreich, aber scheint echten Pepp nicht mehr zu haben; weitere Schwächen finden sich in den beiden Bondgirls Talisa Soto als Lupe und Carey Lowell als Pam. Während Soto (später Kitana im Mortal Kombat Film) nicht viel macht, außer blass in knappen Kleidern die Sets zu dekorieren, soll Lowell als CIA Agentin und Pilotin Powerfrau sein, die Bond mehrfach hilft. Sie hilft dem Film aber nicht, da der Funke nicht überspringen will und sie, wie auch D'abo im Vorgänger, auf keiner Wellenlänge mit Bond ist. Dalton hingegen, der sich sicher wünschte, dies wäre sein Debüt gewesen, ist nach wie vor kein galanter Womanizer, der im Anzug selbstgefällig Frauen bezirzt, doch was später in den Craigs stärker umgesetzt werden sollte - der eher raue, zynische Ton - liegt ihm hier besser. Es bleibt die Überzeugung, dass Dalton hier weit besser, aber noch immer nicht passend Bond wirkt.

John Glen, der hier zum fünften und letzten Mal Regie führen sollte, wirkt hingegen wie ausgetauscht. Vielleicht hat er einen Zwillingsbruder, der auch John heißt, aber zumindest die Regie in den ersten 50 Minuten des Films wirkt nicht, als hätte sie der Macher von Octopussy, Lizenz und Angesicht übernommen. Die späteren schon eher, aber auch sonst wirkt die Machart maßgeblich anders, amerikanischer.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)


Fazit:

Daltons Comeback... und Ausstieg.
Nach der unsagbar mauen Schlittenfahrt im Cellokasten Hauch des Todes meldet sich Timothy Dalton mit Bravour ab; ein zwar sehr amerikanischer Bond, der droht, von seinen Urzügen zu entweichen, aber rundum gute US-Action mit starkem Bösewicht, viel Action und brauchbarem Mischmasch aus Action und lockeren Szenen.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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