hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
GoldenEye


von Christian Mester

GOLDENEYE
(1995)
Regie: Martin Campbell
Cast: Pierce Brosnan, Sean Bean, Famke Janssen

Story: Bei einem Einsatz muss James Bond mit ansehen, wie sein Partner 006 von dem korrupten russischen General Arkady Ourumov hingerichtet wird. Nach Vergeltung dürstend, verfolgt er dessen Spur und kommt Jahre später einem Komplott auf die Schliche, bei dem es um mehr geht als den Diebstahl einer experimentellen Satellitenwaffe namens GoldenEye...

Bösewicht: 006 - Alec Trevelyan
Masterplan: Trevelyan erfuhr, dass seine Eltern früher durch britische Kräfte getötet worden sind - als Rache will er die englische Hauptbank überfallen und via GoldenEye alle Spuren verwischen...
Handlanger: Arkaday Ourumov, Xenia Onatop
Bondgirls: Xenia Onatop, Natalya
Bond Song: Tina Turner - GoldenEye
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-
"Kriegssimulation. Wir machen eine Testzündung mit GoldenEye"

Kritik:
Nach Veröffentlichung von Lizenz zum Töten geriet die Bond-Reihe in einen elenden Rechtekonflikt, da das Studio MGM den Besitzer wechselte und zahlreiche Veröffentlichungsrechte langwierige Klärung bedurften. Der aktuelle Bond Darsteller Timothy Dalton sah sich das fünf Jahre lang mit an, bevor er im April 1994 im Alter von 50 das Handtuch warf und aufgab, nicht mehr dran glaubend, dass ein 17. Film noch jemals zu Stande kommen würde. Hätte er noch etwas länger durch-gehalten, hätte er womöglich noch seinen dritten Einsatz bekommen, denn die Problematik ward bald geklärt - und so fiel im Januar 1995 die erste Kamera für den nächsten Teil - mit neuem Bond-Darsteller Pierce Brosnan. Wie Dalton zuvor war auch Brosnan bereits mehrfach in Frage gekommen und nun endlich am Drücker - und mit was für einem Debüt.

Schon die Einleitungsszene ist von vorn bis hinten grandios umgesetzt: Bond infiltriert eine Anlage via Bungee-Jumping, stealtht sich bis zu einer Patt-Situation, erlebt den schicksalhaften "Tod" seines Partners (mit Sean Bean erstklassig und bissig besetzt), kämpft sich dann mit Geschick und Können dynamisch bis zum Ausgang und flieht, in dem er in ein fallendes Flugzeug stürzt und dieses vorm Zerschellen wieder hochzieht - schier atemloses Spektakel, das dann auch noch in eine der besten aller Themes übergeht.

Nach dem Intro geht es dann auch fast ebenso gülden weiter, denn GoldenEye hat eins der besten, wenn nicht die beste Bösenriege aller Teile: als irreführende rechte Hand Ouromov hat Gottfried John bereits allein soviel Präsenz, dass er auch fraglos der Hauptbösewicht hätte sein dürfen. Eine junge Famke Janssen kostet ihre Rolle als vielseitig begabte Killer sichtlich aus, die Bond ausgerechnet mit seiner größten Schwäche konfrontiert und damit zu töten versucht: mit Sex. Xenia ist im Grunde eine überspitze Version Bonds selbst, da sie ebenfalls als überaus selbstbewusst, attraktiv und vielbegabt, kampfeserfahren und geschickt zugleich charakterisiert wird, nur dass sie Job und Belohnung auf recht perverse Art verknüpft und dabei zu keinerlei Empathie fähig ist. Als eigentlicher Drahtzieher ist Sean Bean dann als Landesverräter das i-Tüpfelchen, da er Bond ebenbürtig bleibt und ihn treffend in Frage stellt ("Was ist mit all denen, die du im Dienst erschossen hast? Was mit all den Frauen, die sich etwas von dir versprachen und die du am nächsten Tag vergessen hattest?"). Er fordert Bond vortrefflich und ist andererseits selbst nachvollziehbar, wobei es der Film geschickt überspielt, wie cartoonig sein eigentlicher Masterplan eigentlich ist. Während Q beibehalten bleibt (Gadgets aber überraschend kurz kommen), erhält Bond einen neuen M - Judi Dench - die Bond offenbar überhaupt nicht ausstehen kann und ihm mächtig Kontra gibt, während eine neue Moneypenny - Samantha Bond - angenehm niedlich ausfällt. Kurios: als hilfreicher CIA Agent taucht Joe Don Baker auf, der erst vor zwei Filmen selbst Hauptbösewicht Brad Withaker in Der Hauch des Todes war, während Robbie Coltrane als humpelnde Hilfe fraglos an John Rhys-Davis erinnern darf.

Sehr gelungen ist innerhalb der Handlung, wie Bond und Trevelyan immer wieder abwechselnd in Führung gehen: Bond wird festgenommen, kann aber fliehen - steigt in einen Panzer und jagt wiederum seine Gegner (in einer imposanten actionreichen Verfolgungsjagd durch St. Petersburg), nur um deren Zug daraufhin kaputt zu schießen; Trevelyan aber fängt ihn erneut und aktiviert GoldenEye, auf sie zu schießen. So ergibt sich ein sehr ruheloser Actionthriller, der immer wieder mit neuen Überraschungen und exzellenten Actionszenen aufwartet. Sein Finale findet es auf einer großen Satellitenschüssel, die nicht von ungefähr an die Anlage aus Man lebt nur zweimal erinnern darf und einen der brutalsten, packendsten Faustkämpfe der Reihe bietet - vorbei die Zeit der Clowns, Freaks und Hai-Becken, so schien es. Abgesehen von einigen Verweisen surft dieser Film keineswegs auf dem Brett vorheriger Erfolge: die Optik ist eigen, dunkler, körniger, Bond fährt erstmals BMW, der Soundtrack von Eric Serra klingt amerikanischer und Brosnan selbst ist ein Bond, der Connerys und Daltons Ansätze zu vereinen scheint: er hat Connerys Playboy-Charme, sieht aber tatsächlich so aus, als könnte er jemanden verprügeln. Überhaupt wirkt Brosnan in fast allem harmonisch: egal ob es geschniegelt im Casino sitzen ist, Panzer fahrend, sich ala Call of Duty durch Gegnermassen zu schießen, sichtlich vom neuen M genervt zu sei oder nachdenklich am Strand sitzend, er ist ein nahezu rundum gelungenes Paket, dem man dem Agenten perfekt abkauft, der erstmals Sorge hat und nicht hundertprozentige Gewissheit ausstrahlt, dass schon alles gutausgehen wird - nur eines will ugn nicht so wirklich liegen: Humor. Brosnan tut sich zwar besser mit Onelinern als sein Vorgänger, doch so recht passen wollen sie zu seinem Bond nicht. Überraschend gut ist Izabella Scorupco als fragiles Bondgirl, die mit ihrer glaubhaften Aufgeregtheit andere ähnliche Bondgirls locker an die Wand spielt und keinesfalls nervt. Sie ist keine tumbe Gespielin, sondern eine glaubhafte Frauenfigur, die ihre Stärken ausspielen kann und trotz ihrer Sympathien zu Bond nicht bloß wie dessen Spielzeug wirkt. Martin Campbells Regie hingegen ist klasse und bis auf einige kleinere Macken (insbesondere hinsichtlich mancher unguter Effektarbeiten) hervorragend gelungen, da abwechslungsreich, spannend, spektakulär und immer bemüht, unterhaltsam zu sein.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Brosnan sprengt Bond mit Bravour in die
90er: ein absolut spektakulärer, atemloser Thriller im Großformat, mit fabelhaften Gegnern, einem gelungenen Bondgirl und einem fast makellosen Bond-Darsteller: ein Action-Klassiker.

9 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich