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Kritik:
Der Morgen stirbt nie


von Christian Mester

TOMORROW NEVER DIES
(1997)
Regie: Roger Spottiswoode
Cast: Pierce Brosnan, Michelle Yeoh, Götz Otto

Story: Eine neuartige Steuerungseinheit für Kriegsschiffe wird entwendet, wodurch ein Schiff in chinesische Gewässer gebracht und versenkt wird. Als ein chinesisches Flugzeug zur Nach-forschung herfliegt, wird dieses abgeschossen - beide Nationen denken fortan, die andere will
einen Krieg anzetteln...

Bösewicht: Elliot Carver
Masterplan: Der Medienmogul Carver hat ein Stealth-Schiff, mit dem er die jeweiligen Länder attackiert und im Glauben lässt, das jeweils andere sei Schuld. Sein Ziel: ein tatsächlicher Krieg, nach dem er die alleinigen TV- und Zeitungsrechte in China übernehmen will..
Handlanger: Mr. Stamper
Bondgirls: Paris, Wai Lin
Bond Song: Sheryl Crow - Tomorrow never dies
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
-

Kritik:
Connery's zweiter (Liebesgrüße) war ein Erfolg, Moores zweiter (Der Mann mit dem goldenen Colt) ein Fehlschlag, Daltons zweiter (Lizenz zum Töten) wiederum ein Treffer, also Brosnans? Leider auch ein verfehlter Beitrag, der vieles falsch macht und an den sensationellen Vorgänger nicht anschließen kann. Ein grundlegender Fehler des Films ist die Wahl des Bösewichts und seines Plans: hier ein mäusiger Medienzar, der absichtlich Krieg inszeniert, nur um mehr TV-Berichte und Zeitungen verkaufen zu können. Ein relativ nachvollziehbarer Weg eine Menge Geld zu verdienen, doch fällt es ungemein schwer, dies als Schrecken zu empfinden oder den wieseligen Carver je als imposante Autorität zu sehen; es erscheint nicht einmal, als sei ein Bond nötig, ihn aufzuhalten, und die relativ spannungslose Handlung vermag es auch sonst nicht, Bond genügend entgegen zu setzen. Davon ab ist sein Tun mit plattester Medienkritik versehen ("Schlechte Nachrichten sind die besten Nachrichten." / "Sind wir soweit, daß wir unsere neue Software auf den Markt werfen können?" - "Ja, Sir, und wir gewünscht ist sie voller Macken, so daß die Kunden noch jahrelang nachrüsten müssen." - "Ausgezeichnet.").

In Sachen Action gibt es nur zwei wirkliche Highlights: eine gemeinsame Motorradfahrt, bei der Bond und Bondgirl Wai Lin je eine Seite des Lenkers übernehmen und sie über einen Hubschrauber springen, sowie eine Flucht in Bonds BMW in einem Parkhaus; den er per Fernsteuerung vom Rücksitz aus lenkt. Der Rest ist relativ gewöhnlicher Einheitsbrei, wobei der Showdown auf Carver's futuristischem Stealth-Boot besonders arg zu wünschen übrig lässt. Als Bondgirl ist Michelle Yeoh indes prinzipiell eine Wucht: eigenständig, smart und Martial Arts mächtig, schlägt sie sich glatt so wacker und auffällig durch die Mission, dass es mit einigen wenigen Änderungen auch problemlos ihr Film sein könnte. Das Problem? Sie und Hauptfigur Bond haben keinerlei Chemie miteinander. Ihre Beziehung erscheint völlig platonisch, wird erst zum Ende hin zwanghaft, unglaubwürdig vertieft - was weitestgehend nicht schlimm wäre. Doch Brosnan und Yeoh spielen allgemein konsequent aneinander her, interagieren nur wenn es sei muss, geben kein harmonisches Team ab. Über das andere Bondgirl indes sei besser so wenig wie möglich gesagt, denn "Desperate Housewife" Teri Hatcher versucht sich an einer dramatischen, berührenden Vergangenheit mit Bond, an der sie und auch Spottiswoodes Regie gemeinsam versagen.

Mit Späßen und peppigen Sprüchen tat sich Brosnan im Vorgänger bereits relativ schwer; umso unangebrachter also, dass Spottiswoodes Film es noch mal deutlich erweitert und Bond somit dazu gebracht wird, ständig Sprüche zu bringen oder über sich ergehen zu lassen. Sprüche, die man einem Roger Moore durchgehen ließ, weil sie zu seinem Bond passten ("Sie waren schon immer sehr zungenfertig, James"), mit denen Brosnan aber schwer zu kämpfen hat. Sheryl Crow's Theme Song... darf sich hören lassen, doch der neue Komponist David Arnold hat so seine Schwierigkeiten, die Untermalung des Films mehr als brauchbar zu gestalten. Ähnliche Probleme gibt es bei Götz Otto als neuer blonder Handlanger aus dem Versatzkasten Necros, der zwar den Eindruck macht, Brosnan lachend zermalmen zu können, der aber keine wirkliche besondere Szene bekommt. Schade, denn im Script war seine Figur erst düsterer; er galt als Snuff-Freak, der Filme von seinen oder anderen Ermordungen machte (offensichtlich eine Antwort auf Finchers 1995er Hit Sie7en); darüber hinaus hatte er eine Hirnverletzung, die ihm Schmerzen schmerzlicherweise als Lust und Lust als Schmerzen empfinden ließ. Interessante Eigenschaften, die sie ihm für den Film strichen, wo er nur ein plumper Haudrauf mit Ivan Drago Haarfarbe ist.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Bedeutungslos gewöhnlich trifft es wahrscheinlich am besten. Der Morgen stirbt nie ist kein schlechter Bond und noch immer ein überdurchschnittlicher Actionfilm und stützt sich brav auf die x-malig genutzte Erfolgsformel, bietet aber nichts, um ihn in der Masse der vielen Bonds positiv auffallen zu lassen.

6,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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