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Kritik:
Die Welt ist nicht genug


von Christian Mester

THE WORLD IS NOT ENOUGH
(1999)
Regie: Michael Apted
Cast: Pierce Brosnan, Sophie Marceau, Denise Richards

Story: Bei der Suche nach verlorenem Geld stößt Bond auf Renard (Robert Carlyle), einen Terroristen, der zuvor einmal die berühmte Ölmagnatin Elektra King (Sophie Marceau) entführt hatte und selbiges erneut andeutet. Befürchtend, dass er einen neuen Anschlag auf sie plant, beschützt Bond sie... was sich als großer Fehler entpuppt.

Bösewicht: Elektra King
Masterplan: Elektra plant, ein nuklear betriebenes U-Boot vor Istanbul hochgehen zu lassen, um die bestehende Öl-Pipeline zu zerstören und ihre eigene zur Notlösung zu machen.
Handlanger: Cigar Girl, Renard, Bullion, Gabor
Bondgirls: Elektra King, Christmas Jones
Bond Song: Garbage - The World is not Enough
Nennung des (Original-)Filmtitels im Dialog oder Text:
- "Ich hätte dir die Welt schenken können" - "Die Welt ist nicht genug"

Kritik:
"Die Welt ist nicht genug" ist den meisten mit zweierlei im Gedächtnis geblieben: mit Denise Richards als fragwürdige, aber vollbusige Nuklearphysikerin Dr. Christmas Jones, und wegen des finalen Oneliners "Ich dachte Christmas kommt nur einmal im Jahr". Extremer Roger Moore Käse, der aber vergessen lässt, welche Stärken der ansonsten hervorragende Film sonst zu bieten hat.

Mit Marceau als Elektra King gibt es einen der besten Bond Bösewichte der gesamten Reihe. Als verruchte Intrigantin verdreht sie Bond so gekonnt den Kopf, dass es ihm (in der Tat) beinahe das Genick bricht. Dabei beeinflusst sie Bond (wie auch Henchman Renard) emotional, hinter einer Maske, hinter der kältester Zorn und einsamer Egoismus bestechen. Der seltene Fall einer in der Tat gut gespielten Rolle im Bondversum. Die Welt ist nicht genug bietet zudem eine recht spannend erzählte Geschichte, bei der man wie Bond an der Nase herumgeführt wird. Es ist auch der erste Film der Reihe, der einen größeren Fokus auf M legt: Bond mittlerweile akzeptierend, werden sie näher zusammengebracht, da Bond im Mordfall eines ermordeten Freundes ihrerseits ermittelt... und sie dann später auch entführt wird.

Dass Michael Apted in erster Linie Dramen wie Gorillas im Nebel und Nell gedreht hat, sieht man seinem Bond Ableger nicht an: fast durchweg mit treibender, aufregender Action ausgestattet, braucht sich dieser Bond nicht vor anderen verstecken (Hubschrauber mit riesigen Kreissägen, Paraglider-Verfolgungsjagd am Schneehang inklusive Lawine). Erstmals in der Brosnan-Ära gelungen ist der Einsatz von Gadgets, die nun zu ihm passen, darunter ein Mini-Powerboat, mit dem Bond über die Themse rasen darf. Dieser Film markiert den Abschied von Desmond Llewelyn als Q, der kurz nach den Dreharbeiten verstarb. Wie es der Zufall aber wollte, übergibt sein Q im Film noch an einen Nachfolger, R, den quirligen Monty Python John Cleese, der zwar nur ein weiteres Mal vorkommen sollte, Llewelyns Erbe aber stattlich angeht.

Schade ist, dass der Film ein Potential verschenkt: Renard, Elektras rechte Hand, wird nicht völlig ausgenutzt. Mit dem drahtigen Robert Carlyle top besetzt, soll Renard aufgrund einer (un)glücklichen Schussverletzung keine Schmerzen mehr verspüren. Ein Fakt, der ihn zu einem ebenso schwierigen Freak-Gegner wie Beißer machen soll, was Apted aber nicht vernünftig nutzt, kommt es zum Kampf. Auch gelingt es ihm nicht ganz, Renards Gefühle zu Elektra passend zu nutzen, wobei es nur einseitig misslingt; wie Elektra wiederum mit ihm spielt, ist faszinierend. Was Renards finalen Kampf betrifft, fällt der Film in seinen letzten Minuten leider etwas flach; ein Duell in einer Kernkammer eines U-Boots fällt nicht so packend aus wie er müsste, und dass Bond und Dr. Jones (in weißer Bluse) am Ende aus gefühlten 300m Tiefe auftauchen... darf besser übersehen werden. Ein unerwarteter Glücksgriff? David Arnolds neuer Score ist besser, und Garbage als Interpreten der Titelthem erweisen sich als ungeahnt superb.

Alle James Bond Filme in der BG Kritik:
James Bond jagt Dr. No (1962) Liebesgrüße aus Moskau (1963) Goldfinger (1964) Feuerball (1965) Man lebt nur zweimal (1967) Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) Diamantenfieber (1971) Leben und sterben lassen (1973) Der Mann mit dem goldenen Colt (1974) Der Spion, der mich liebte (1977) Moonraker – Streng geheim (1979) In tödlicher Mission (1981) Octopussy (1983) Sag niemals nie (1983) Im Angesicht des Todes (1985) Der Hauch des Todes (1987) Lizenz zum Töten (1989) GoldenEye (1995) Der Morgen stirbt nie (1997) Die Welt ist nicht genug (1999) Stirb an einem anderen Tag (2002) Casino Royale (2006) Ein Quantum Trost (2008) Skyfall (2012)

Fazit:
Die Welt mag nicht genug sein, dieser Film aber schon. Bis auf einen ungenutzt gebliebenen Henchman und Richards' Inklusion als Atomphysikerin ein beachtlicher Bondbeitrag.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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