BG Kritik:

Bridge of Spies - Der Unterhändler


Manuel Fühl ist seit 2004 aktives Mitglied bei Bereitsgesehen.

Bridge of Spies (US 2015)
Regisseur: Steven Spielberg
Cast: Tom Hanks, Mark Rylance, Alan Alda

Story: 1957 lebt Rudolf Abel (Mark Rylance), ein Spion der Sowjetunion, in Brooklyn. Er wird gefasst und soll so schnell wie möglich sein Urteil bekommen. Um der Welt einen guten Willen zu zeigen, engagiert man James B. Donovan (Tom Hanks) um ihm einen scheinbar ehrlichen Prozess zu ermöglichen. Donovan erringt eine Haftstrafe anstatt dem elektrischen Stuhl für ihn und wird aufgrund seiner Fähigkeit nach Ostberlin geschickt um einen möglichen Tausch von Agenten auszuhandeln.

Steven Spielberg lädt zu einer neuen Geschichtsstunde ein und hat diesmal Tom Hanks dabei. Dazu gibt sich Berlin und sein Darstellerensemble ein Stelldichein. Lohnt sich der Besuch?

Bridge of Spies gilt als starker Oscar-Favorit


Steven Spielberg begründete einst mit JAWS (USA, 1975) das Blockbuster-Kino und prägte es im Laufe der folgenden mehr als dreißig Jahren auch weiterhin deutlich. Doch immer mal wieder legte er dazwischen auch Wert auf „erwachsenere“, vornehmlich historische, Stoffe, die nicht nur seine Reputation als angesehenen Regisseur auch bei den Kritikern stärken sollten, sondern auch sein persönliches Interesse an Geschichte bekräftigten. Während ihm mit THE COLOUR PURPLE (USA, 1985) der große Erfolg noch verwehrt blieb – der Film heimste mehrere Oscarnominierungen ein, bekam aber keine einzige Statue! – musste er sich spätestens 1993 mit SCHINDLER’S LIST (USA, 1993) keine Sorgen mehr um seinen Ruf im Feuilleton machen. Da er auch gleichzeitig mit JURASSIC PARK (USA, 1993) einen erfolgreichen Film für die Massen produzierte, waren ihm die Sympathien aller Kinogänger gesichert. Was in seiner Hauptschaffenszeit immer wieder kleine Ausflüge waren, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einer scheinbar bevorzugten Filmform Spielbergs. Weg von den großen Blockbustern zu kleineren, kostengünstigeren Historienfilmen. Das Budget seiner letzten drei Filme ist zusammen so groß wie das Gesamtbudget von INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL (USA, 2008). BRIDGE OF SPIES bildet somit nun quasi den dritten Teil seiner derzeitigen Historien-Trilogie, nach WARHORSE (USA, 2011) und LINCOLN (USA, 2012). Altersmüdigkeit hat man aber keine zu befürchten, denn schon nächstes Jahr kehrt er mit der Roald Dahl-Verfilmung von THE BFG (USA, 2016) auch für das Blockbuster-Publikum wieder zurück und sollte spätestens mit seiner Romanverfilmung von READY PLAYER ONE (USA, 2017) wieder nach Megaerfolgen streben.

Wahre Begebenheiten sind immer wieder ein gern gesehenes Fundament für ein Drehbuch. Der Rahmen für eine Geschichte ist gespannt, die Figuren platziert und die historische Verankerung gibt das Setting vor. Somit kann man dem Film im Grunde keine inhaltlichen Vorwürfe machen, denn er erzählt nur eine reale Geschichte nach und richtet sich nach ihrer Struktur. Die Geschichte von Tom Hanks James B. Donovan mag deshalb schwer zu kritisieren sein, doch erfordert ein Film teilweise eine andere Dramaturgie als beispielsweise ein Zeitungsartikel oder eine einfache Nacherzählung. Das Drehbuch von Matt Charman wurde von Joel und Ethan Coen überarbeitet, welche dem Ganzen einen sichtlich humorvolleren Ton und Dialoge gaben. Doch wurde es im Zuge dessen verpasst der Geschichte ihre Ecken und Kanten zu verleihen. Hier ergibt sich die erklärte Krux von nachgestellten Fakten, die eben diesen vor der Kamera stattfindenden Verlauf genommen haben. Doch wenn einem beispielsweise Hanks Donovan im ersten Akt quasi den zweiten vorhersagt fragt man sich zurecht, ob es da nicht eine elegantere Lösung hätte geben können. Der Film ist nicht langweilig und fernab davon schlecht zu sein, aber er scheint etwas rar an wirklichen Einfällen zu sein um der (bekannten) Geschichte die nötige Würze zu geben.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten.


Ein großer Pluspunkt ist trotz dieser Kritik die Inszenierung von Spielberg, die sich Zeit nimmt ohne etwas in die Länge zu ziehen. Michael Kahn als Cutter scheint immer noch Gold wert zu sein und in Zeiten der großen CGI-lastigen Schnittgewitter, wo alles und jeder fliegen kann, ist es eine angenehme Abwechslung einfach auch mal Charaktere zu haben, die sitzen und reden. So plump das klingen mag. Nutznießer davon sind natürlich die Schauspieler. Grenzen werden ihnen wiederum nur durch das Drehbuch gesetzt. Wirklich facettenreiche Charaktere können sich so nicht kreieren lassen. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, aber mehr als einen Fuß weg von dieser sicheren Einteilung will man wiederum auch nicht nehmen. Die meisten Figuren sind funktional und dienen der Geschichte. Tom Hanks hat als Hauptdarsteller die meisten Szenen und Zeit mit seiner Figur zu arbeiten, aber ein Gutmensch, bleibt eben ein Gutmensch.

In Spielbergs ansonsten festen Team hinter der Kamera gab es einen kleinen, aus mancher Sicht womöglich größeren, Wechsel. John Williams musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten abgeben und wurde – nur minder talentiert – durch Thomas Newman (u.a. SKYFALL, AMERICAN BEAUTY) ersetzt. Steven Spielberg lässt den Film im ersten Akt dabei nahezu ohne Musik und gibt somit erst in der zweiten Hälfte die Möglichkeit Thomas Newman die großen Fußstapfen von John Williams füllen zu lassen. Die typischen Stilismen seines Klavierspiels lassen dabei keine Zweifel, dass er weniger Imitat sein möchte, als seine eigene Note zu setzen. Schlussendlich fügt sich das wunderbar ein und ersetzt selbstverständlich nicht in Gänze einen John Williams, aber ist eine mehr als zufriedenstellende Vertretung.

Janusz Kaminski und Steven Spielberg arbeiteten wie auch schon bei Lincoln wieder mit sehr dunklen und entsättigten Farbtönen und einer grau/braunen Palette. So mutet in diesem Zuge Donovans zu Hause mit seiner Familie – und den Farben! – im Vergleich fast wie eine andere Welt an. Besonders am Ende ist das wohl das Bild eines Amerikas, wofür die Figuren kämpfen. Einen Kampf der in grauen Anzügen in Räumen mit schwarz/grauen Wänden, mit meist einem großen, lichtdurchfluteten Fenster stattfinden. Spielberg lässt die Kamera immer wieder durch diese Räume fahren oder nähert sich seinen Figuren vorsichtig an. Dabei scheint er den Gefallen an vor allem untersichtigen Aufnahmen gefunden zu haben und bevorzugt bei Dialogen während Autofahrten weiterhin eine dynamische Kamera, die sich um das fahrende Auto bewegt, welche schon einst bei WAR OF THE WORLDS (USA, 2005) für Staunen sorgte. Abgesehen davon arbeitet er aber mehr zurückhaltend und bedächtig, wie die Figur des Donovans selbst.

Fazit:

Steven Spielbergs neuestes Werk BRIDGE OF SPIES ist wie ein Besuch im Zoo. Man bekommt alles gezeigt und erklärt, mittags gibt es Eis, aber als es später leicht zu regnen beginnt ist der Besuch auch schon vorbei. Wo waren die Löwen? Kamera und Ausstattung fügen sich dabei perfekt in eine unaufgeregte Inszenierung ein, die den Schauspielern genügend Raum zum Glänzen bietet, doch das Drehbuch zehrt nur vom Witz der Coen-Bruder, nicht aber der Raffinesse eines kreativen Schreiberlings.

6,5 / 10

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