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Kritik:
Brüno


von Christian Mester

Brüno
(2009)
Regie: Larry Charles
Darsteller: Sacha Baron Cohen

Story:
Nachdem das österreichische Modemagazin Funkyzeit ihren Star-Moderator Brüno feuert, macht dieser sich auf, ein berühmter Hollywood-Star zu werden. Dass das aufgrund seiner extrem extrovertierten Art jedoch schwierig wird, verspricht sich von selbst....

Kritik:
In der Rolle des tumben Vorstadt-Hoppers Ali G konnte Sacha Baron Cohen anfangs nur im kleinen Rahmen begeistern, spätestens aber seit dem Kinoabenteuer seiner zweiten Kunstfigur ist der Brite überall in aller Munde.

Borat war damals Zweierlei: zum einen eine herrlich karikaturhafte Cartoonfigur, deren reine Anwesenheit zum Schmunzeln anregte, darüber hinaus aber noch weit mehr, wodurch er sich auch maßgeblich von den Sandlers, Carreys und Ferrells unterschied. Mit seiner halb-dokumentarischen Art überraschte der Film und schockte, denn die Reaktionen auf seine fiktiv naiv-antisemitische Rolle waren größtenteils tatsächlich echt und so erschreckend, dass man es nicht fassen konnte.

Borat fungierte als Spiegel der Gesellschaft, deren indiskutable Intoleranz sich oftmals ungeniert gegen Minderheiten richtet, und genau da geht es hier auch weiter. Das, was Borat für das Thema Ausländer war - eine laufende Karikatur einer bestimmten Gruppierung, mit der er zum Nachdenken (und Lachen) anregen konnte - ist Brüno nun für jeden vom anderen Ufer. Ob sein neues Experiment aber ähnliche erstaunliche Eindrücke hinterlassen mag?

Ja... und nein.

Im Großen und Ganzen ist Brüno schlicht und einfach das selbe wie Projekt Borat, nur dass Cohen sich in seiner neuen Rolle anders gibt und ein anderes Thema behandelt. Es fängt schon beim Aufbau an. Ähnlich wie bei Borat geht es wieder um einen merkwürdigen Ausländer mit eigenartigen Weltvorstellungen, der sich eines Tages aus seiner Heimat aufmacht, die USA zu erobern. Wieder gibt es eine grobe (und idiotische) Rahmenhandlung einer unechten Love-Story (die wieder nicht funktioniert), wieder trifft Cohen in seiner Rolle nacheinander auf verschiedene "Opfer", um ihnen peinliche Reaktionen zu entlocken, und wieder gibt es ein seltsames Aufeinandertreffen mit einem US B-Promi (damals Pamela Anderson, nun Paula Abdul). Selbst der berühmte Stadionmoment des letzten Films wird dreist ähnlich nachgestellt. Der Look ist ebenfalls der selbe - wieder will man den Eindruck einer typischen Dokumentation erwecken.

Die Gemeinsamkeiten fallen leider schon auf, und man fragt sich, wieso Cohen hier in gleiche Spuren tritt. Zumindest sind einige Stärken des Vorgängers geblieben, denn die grundlegenden Aspekte treffen auch hier wieder ins Schwarze: Brüno ist lustig, charismatisch und sofern man das sagen mag, scheint sich Cohen (der übrigens heterosexuell und verheiratet ist) in dessen Haut sogar noch viel wohler zu fühlen als in vorheriger Figuren. Das führt dazu, dass er hier noch weitaus mutiger ist und in seinem provokanten Verhalten so offensive Schritte wagt, dass man sich wirklich wundern kann, dass er lebendig mit allem davon kam. Beispielsweise legt er sich als Brüno mit der Army an, belästigt knallharte Hillbillies und stolpert in S&M Kleidung und mitsamt Sklaven in eine Horde Schwulenhasser.

Vollkommen scham- und angstfrei gerät Brüno also von einer bizarren Szenerie in die nächste, immerzu enorme Toleranz fordernd: Männliche Geschlechtsteile, simulierter Sex, zahlreiche bestimmte Ausdrücke und durchweg überzogen schwules Auftreten nagen am Hemd eines jeden stolzen Männer-Egos, doch wer sich nicht zu ernst ist, wird damit wirklich großen Spaß haben. Allein schon weil alles oft derart absurd wird, dass man es mehr noch als bei Borat oftmals nicht glauben kann - man sollte nur wirklich offenherzig sein, da Brüno vor nichts zurückschreckt und meilenweit davon entfernt ist, ein Familienfilm zu sein. Gags gibt es viele und meist auch gute, doch es stört ein wenig, das alles eher sketchartig aufgebaut ist und dass alles was nicht konkret Aufeinandertreffen von Brüno mit jenen Homophoben ist, eher schwach ausfällt. Auch fehlt die leichte Melancholie der Reaktion auf die intoleranten Reaktionen, die die Angriffe auf Borat verstärkten.

Das Hauptproblem? Natürlich hat der Film seinen Humor und seine erschreckenden Offenbahrungen, doch bei aller flamboyant greller Gayness will die eigentliche Sozialkritik am Ende nicht gänzlich greifen. Auch funktioniert Brüno nicht ganz als übertrieben stilisierte Cartoonfigur, da er als Figur nicht wirklich weit von deutschen bekannten Branchenfiguren wie Lorenzo oder Daniel Küblböck entfernt ist. Vieles wirkt auch gezwungen krass, und man merkt, dass Cohen und seine Mitarbeiter sich hauptsächlich überlegt haben, wie man einfach noch Krasseres mit der Kamera einfangen kann. Dabei verschwimmen auch die Grenzen der Realität, und mehr noch als Borat hat man das Gefühl, dass viele Szenen so nicht wirklich der Realität entsprachen. Im Gegensatz zur gewollten Message kann es also durchaus passieren, dass so manch einer seine Vorurteile durch den Film bestätigt sieht und ihn eben nicht als Aufruf, der er ist, sondern bloß als Komödie sieht. Was schade ist, da es ihm schlußendlich viel raubt.

Was bleibt, ist eine leicht überdurchschnittlich gute Komödie, deren Hauptfigur und Sketche gut sind, der es jedoch an Effekt (und Story) mangelt. Ungemein spannend wird es jedoch, was Cohen wohl als Nächstes machen wird. Alle seine alten Figuren hat er nun durch, und das was er in diesem Film macht, kann man wohl kaum überboten werden. Oder doch?

Fazit:
Wer Borat gut fand und generell Offenheit zu allerlei Bezügen des Themas hat, wird sich definitiv gut unterhalten fühlen - auf der anderen Seite enttäuscht die plumpie Forciertheit des ganzen aber, so wie das Gefühl, das alles schon mal gehabt zu haben. Lustig, provokant, aber kein Meilenstein.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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