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Kritik:
Buried - Lebend begraben


von Christian Mester

BURIED (2011)
Regie: Rodrigo Cortes
Darsteller: Ryan Reynolds

Story:
Paul (Ryan Reynolds) wacht eines Tages in beklemmender Enge auf. Wie er mit Schrecken feststellen muss - in einem vergrabenen Sarg. Der LW-Fahrer einer Hilfsorganisation im Irak findet ein Handy in seiner Kiste und schafft es, die US-Behörden zu erreichen. Den Parteien entrinnt jedoch die Zeit, denn Sauerstoff und Batterie des Handys drohen nicht allzu lange zu halten... und wieso wird Paul das komische Gefühl nicht los, dass sein Kontakt nicht die Wahrheit sagt?

Kritik:
Keine Frage - in einer Kiste unter tonnenschwerer Erde begraben zu werden, ist einer der schlimmsten Albträume, die man als Mensch erleben könnte. Ein klaustrophobisches Szenario, aus dem der minimalistische Film "Buried - Lebend begraben" viele spannende Momente zieht. Gekonnt spielt Regisseur Cortes lange mit den beiden drückenden, essentiellen Ausgangsfragen des Films, wie Paul in seine missliche Lage gelangen konnte und wie, bzw. ob er aus dieser wieder gerettet werden kann, und macht die Zeit im Holz zum fesselnden Überlebenskampf.

Cortes überlässt seiner verzweifelten Hauptrolle ein Telefon in seinem hölzernen Verlies, über das Paul zugleich Antworten und Rettung zu erreichen versucht. Obwohl Paul relativ früh offenbart, was ihm zustieß, bevor er sein Bewusstsein eingesperrt unter der Erde wieder erlangte, weiß Cortes um die Skepsis, die man als oftmals gelungen überraschter Filmfan nach Streifen wie "Cube" oder "Saw" an den Tag legt. Ist Paul wirklich begraben? Befindet er sich wirklich im Irak? Kann er den nicht allzu vertrauenswürdigen Stimmen am Telefon sein Leben anvertrauen? Obwohl der Film nur wenig Sets hat, bringt Cortes viele unterhaltsame Variationen, Ablenkungen und Möglichkeiten ins Geschehen, bei der eine urplötzlich auftauchende Schlange gerade einmal die kleinste Aufregung bietet. Obwohl ein Großteil des Films aus reinen Telefongesprächen besteht, schafft es "Buried" spielend leicht, niemals langweilig oder monoton zu werden, unter anderem, in dem Paul mit verschiedenen Anrufern verschiedene Spuren verfolgt und unterschiedlich behandelt wird. Diesbezüglich erinnert der Film ein wenig an den guten Thriller "Nicht auflegen" mit Colin Farrell und Kiefer Sutherland, wobei "Buried" mit seiner ständigen Platzangst noch eher Horror- als Thrillerelemente aufweist (und somit niemanden zu empfehlen ist, der tatsächlich unter besagter Phobie leidet). Fakt ist jedenfalls, dass der Film äußerst dialoglastig ist und es nur wenige Momente gibt, in denen Paul nicht telefoniert - Action oder andere größere Aktionen gibt es nicht, auch hat Paul im Gegensatz zu Ralston keine Erinnerungen, Träume oder Halluzinationen.

In seiner lang andauernden Ein-Mann-Rolle als Vergrabener gibt der zukünftige "Green Lantern" Ryan Reynolds eine gute Darbietung ab, doch in seiner Rolle findet sich die einzige markante Schwäche des Films: im Gegensatz zu James Francos' Aron Ralston in "127 Hours" ist sein Trucker weder besonders charismatisch, noch besonders sympathisch. Paul ist verängstigt und verzweifelt, und Reynolds spielt dies gut und überzeugend, doch in der Verzweiflung seiner Rolle neigt Paul vereinzelt dazu, unsympathisch zu werden. Ungeduldig beschimpft er Leute am Telefon und verbaut sich somit oftmals schnelleres Vorgehen, indem er sich nicht klar genug ausdrückt. Das mag im Ernst seiner Lage realistisch sein, läuft dem Film aber entgegen. Prinzipiell ist selbst der Versicherungsagent aus "Saw 6" eine interessantere Figur in auswegloser Lage, da auch diese unsympathisch ist, jedoch einen emotionalen Wandel durchmacht und gegen Ende ein gebrochener Tropf ist, den man nach anfänglicher Antipathie vollends bemitleiden kann. Bei Reynolds' Paul gibt es keine Änderung, denn von Filmbeginn bis -abspann bleibt dieser dieselbe Figur, die viel telefoniert, um Hilfe fleht, hin und wieder schreit, aber insgesamt unnahbar bleibt. Auch gibt es nur wenige Indizien über seine Herkunft, sein Zuhause, seine letzten Taten.

Den kleinen Makel lässt Regisseur Cortes jedoch nahezu vergessen, da er es völlig außer Acht kommen lässt, dass ein Großteil der Handlung - es sei noch nichts verraten - ausschließlich im Sarg spielt. Die nur begrenzten Kamerawinkel- und Einstellungsmöglichkeiten fallen nie störend auf und Cortes schafft es mühelos, die unangenehme Enge des Raumes bis zum Verlassen (?) des Sargs beizubehalten. Abgeschlossen wird die enge Horrorkiste, die übrigens niemals in übernatürliche Elemente abweicht, von einem großartigen Ende, dass ebenso gut sitzt wie die atemlose Eröffnung und Einfindung six feet under. Ein fieses Stück Film, das im Gegensatz zu vielen anderen Horrortiteln angenehm ohne Blutbad, Qual, Folter und ellenlanges Gezetere auskommt.

Fazit:
"Buried" hat einige Macken und es wäre gar ein Spaß, von einer Beerdigung, hölzernen Performances oder letzten Sargnägeln zu sprechen. lässt sich von den Schnitzern jedoch nicht einsargen. Trotz einiger Engen im Script ein außerordentlich wirkungsvoller und einfallsreicher Horrorfilm, der geringste Locations und Requisite wagt und einen 90 minütigen Albtraum beschert - und das ausnahmsweise einmal ohne Einsatz von Gewalt, Blut, Gezeter und nackter Haut. Starkes Regiedebüt und aufgrund des schwachen Horrorangebots der letzten 5 Jahre - absoluter Pflichtfilm für Genrefans.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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