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Kritik:
The Cabin in the Woods


von Christian Westhus

THE CABIN IN THE WOODS
(2012)
Regie: Drew Goddard
Cast: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams, Richard Jenkins, Amy Acker

Story:
Fünf junge Erwachsene verbringen ein spaßiges Wochenende in einer Waldhütte und erleben den blanken Horror. Klingt bekannt und ist hier doch gänzlich anders, als man zuvor erwartet.

Kritik:
Als „The Cabin in the Woods“ 2009 vor die Kameras ging, war die Reise des Films noch nicht abzusehen. Durch Vermarktungsprobleme und eine geplante, letztendlich jedoch gestrichene 3D-Konvertierung kommt der Film nun mit fast drei Jahren Verspätung in die Kinos. Inzwischen ist aus Darsteller Chris Hemsworth durch „Thor“ und „Avengers“ ein Superstar geworden und Co-Autor und Produzent Joss Whedon liegt nach eben diesen Avengers aktuell eh die halbe Kinowelt zu Füßen. Die verzögerte Veröffentlichung des Films, dessen Inhalt so gut es ging geheim gehalten wurde, schürte das Interesse noch weiter. Und tatsächlich ist es von entscheidendem Vorteil, so wenig über den Film zu wissen, wie möglich. „The Cabin in the Woods“ ist ein Horrorfilm für Horrorfans, der sich zunächst sehr überzeugend als gewöhnlicher Backwoods-Horror verkauft. Alles, was zwischen „Tanz der Teufel“, „Wrong Turn“ und „Cabin Fever“ Platz hat, findet sich in der Anfangsviertelstunde hier wieder. Geschickt eingestreute Auffälligkeiten, mal subtil, mal deutlich, schüren zunehmend den Verdacht, dass hier mehr vor sich geht, als die alte Leier von Teens und Twens bei einer feucht-fröhlichen Campingtour ins Verderben. 

Dann wäre da ja auch noch die eigenartige Nebenhandlung mit Richard Jenkins und Amy Acker, die zunächst überhaupt nicht zum so bekannt erscheinenden Rest passen will. In „The Cabin in the Woods“ ist nichts wie es scheint. Dabei spielt der Film nicht unbedingt mit irgendwelchen plötzlich auftauchenden, absurden Twists, sondern entfaltet seine wahre, schräge Natur kontinuierlich, ohne große Geheimniskrämerei, dafür mit einer Übersicht und Erzählfreude, die auf eine große Genreliebe der Macher schließen lässt. „The Cabin in the Woods“ ist eine Liebeserklärung ans Gruselige, Unheimliche, Verstörende und Blutige, gleichermaßen aber auch ein Theorie-Horrorfilm, ein Blick auf die Gründe, warum wir es lieben, uns im Kino zu fürchten. Mit passenden Figuren, durchweg sympathisch besetzt, ist es ein Film, der sich wandelt, sich steigert und lange Zeit keine Grenzen kennt, womit er für den einen oder anderen Zuschauer wohl auch den Schritt zu weit ins zu Absurde, zu Abgedrehte wagt. Über den Hintergrund, das große ‚Warum‘ für das wilde Tohuwabohu, sollte man am Ende nicht allzu lange nachdenken, ist es doch bei genauerem Blick nur bedingt nachvollziehbar und nicht unbedingt logisch. Der Weg ist das Ziel und als solcher ist „The Cabin in the Woods“ ein absoluter Hochgenuss, der Spannung, Blut und ganz besonders Humor bietet, wie es das Genre so noch nicht gesehen hat.

Die folgenden Absätze befassen sich stärker mit dem konkreten Inhalt des Films. Obwohl direkte Spoiler vermieden wurden, sollte man Folgendes erst nach dem Filmgenuss lesen. 

„The Cabin in the Woods“ ist in gewissem Sinne die Gegenbewegung zu Wes Cravens „Scream“. Seit dieser 1996 das Slashergenre, aber eigentlich den Horrorfilm generell umgekrempelt hat, ist das Horrorkino von einer eigenartigen Meta-Aura umgeben. Ein ständig selbstreferenzielles Spiel mit Mechanismen und Motiven, mit dem filminternen Bewusstsein eines Horrorfilms. „Scream“ dekonstruierte das Genre, stellte es bloß, schaffte es aber dennoch, ein würdiger und hochkarätiger Vertreter eines erneuerten Genres zu sein. Auf Screams Dekonstruktion des Genres folgt nun die Rekonstruktion durch „The Cabin in the Woods“. Auch hier ist es zunächst ein Entblößen, Durchspielen und Abfeiern sämtlicher Klischees, Stereotypen, Plots und Grundmechanismen, die das Horror-Genre zu bieten hat. Wenn wir Richard Jenkins und seine Kollegen beobachten und ihnen zuhören, wie sie über Spannungsaufbau und Publikumserwartungen sprechen, ist es, als schaue man einem Horrorautor bei der Arbeit zu. Im wahrsten Sinne des Wortes sitzen hier Menschen an den Hebeln und beeinflussen das Geschehen im eigentlichen Horrorfilm, der sich in der Waldhütte abspielt. 

Wir sehen, wie der Puppenspieler Entscheidung trifft, Fanerwartungen abwägt, Spannungsszenen ausschmückt, Mordszenen inszeniert und auswählt, ob einer und, wenn ja, wer überlebt. Es geht nicht mehr darum zu zeigen, dass Teenagergruppen sich immer blöderweise aufteilen und dann nacheinander alleine ins Gras beißen, sondern darum zu sehen, warum es so sein muss, warum wir diese Klischees, diese logischen Ungereimtheiten brauchen, um einen spannenden und unterhaltsamen Film zu bekommen. Da ist es fast schon egal, dass ein paar andere, neue Klischees ohne Zutun der Mächtigen am Schaltpult geschehen. Kollege Zufall schaut vorbei und aus dramaturgischen Gründen dürfen manche Figuren nicht so schnell sterben, wie sie es durch ihre Verletzungen eigentlich müssten. Spätestens, wenn die Illusion gänzlich zerstört wird und wir mit den letzten Überlebenden sehen, was für ein Film „The Cabin in the Woods“ unter Umständen noch hätte sein können, ist es wirklich egal. Es ist egal (oder zumindest zu vernachlässigen), wie schwammig der etwas überdimensionierte, aus Logiksicht unnötig komplizierte Mythologie-Hintergrund dargestellt ist. Es ist egal, dass im Finale nichts mehr wirklich Relevanz hat. Die Welt steht Kopf. Die Möglichkeiten des Horrorfilms, des Fantastischen und Absonderlichen laufen Sturm und veranstalten ein wildes, blutiges, mitreißendes, schier unbeschreibliches Chaos, das wie der verzweifelte Aufruf für eine neue, kreative Horrorära wirkt. Das Genre, das in Selbstreferenzen und rauer Hypergewalt festgefahren ist, soll durch die Besinnung aufs Vergangene eine Erneuerung erfahren.

Fazit:
Spannendes und enorm unterhaltsames Spiel mit dem Horror-Genre, für Horror-Freunde, die sich für mehr interessieren als Blut und Erschrecker (beides dennoch reichlich vorhanden). Ein spaßiger, origineller Irrsinn von einem Film, über dessen interne Logik man am besten nicht nachdenken sollte.

8 / 10

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