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Kritik:
The Cabin in the Woods


von Christian Mester

THE CABIN IN THE WOODS
(2012)
Regie: Drew Goddard
Cast: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Anna Hutchison, Fran Kranz, Jesse Williams, Richard Jenkins, Amy Acker

Story:
Fünf junge Erwachsene verbringen ein spaßiges Wochenende in einer Waldhütte und erleben den blanken Horror. Klingt bekannt und ist hier doch gänzlich anders, als man zuvor erwartet.

Kritik:
"The Cabin in the Woods" drohte einst, in den Bermuda-Tiefen des Genres zu verschwinden - ein gehypter Titel, der jahrelang im Abseits schimmerte und verloren schien. Vereinzelte Ersteindrücke priesen ihn als das nächste große Ding, das jedoch auf Teufel komm raus nicht rauskommen wollte. Ein pleite gegangenes Hauptstudio, eine verfehlte 3D-Konvertierung und Platzierungsschwierigkeiten aufgrund der ungewöhnlichen Handlungsart sorgten für zahlreiche Verschiebungen der etwas ungewöhnlichne Waldhütte - über 3 lange Jahre. Jetzt öffnet sie ihre Pforten, doch ist sie überhaupt einladend?

Am ehesten zu vergleichen mit Wes Cravens Scream, erzählt der Film doppelbödig einerseits eine relativ gewöhnliche Horrorgeschichte (Teenager geraten in eine Hütte, diese wird ala Tanz der Teufel vom Bösen angegriffen), kommentiert jedoch zugleich, beschreibt Klischees und das hierbei nicht auf ein einziges Genre bezogen; kommentierte Scream nur den Slasherfilm, ist Cabin ein eher allgemein gehaltener Tribut an verschiedenste Genres geworden; Cabin ist ein Allround-Geek-Werk, das sich alle Kleider zugleich anzieht. In der ersten Filmhälfte wird dies noch nicht allzu deutlich, doch spätestens im letzten Drittel wird Horrors Pandorabox geöffnet, sodass man als Genrefan den Mund nicht mehr schließen mag und am liebsten immer wieder direkt zurückspulen würde, um das Visualisierte zu erfassen. Das heißt gewiss nicht, dass der Film allzu anspruchsvoll wäre - er ist und bleibt ein simpler Horrorfilm in einfacher Erzählweise, der auch einfach zu folgen ist, in dem nacheinander wie gewohnt gewohnte Figuren sterben, er ist aber vor allem inhaltlich ein Tritt in die eingeschlafenen Cojones des ganzen Genres, aufzeigend, dass Originalität mittlerweile stark vermisst wird.

Dafür seien die Autoren Drew Goddard und Joss Whedon fraglos gelobt, doch worin die Cabin nicht überzeugen mag, ist die eigentliche Horrormär an sich. Cravens Scream war ein ebenso faszinierender Meta-Titel mit Weckruf und Dekonstruktion seiner selbst, überzeugte aber davon ab auch eigens stärkstens als einer der besten Vertreter seiner Zunft - ein spannender, erstklassig inszenierter Slasher mit guten Darstellern, originellem maskierten Killer, toller Musik und einer effektiven Regie. Das lässt sich von der Hütte in den Wäldern leider nicht gänzlich sagen. Die Darsteller, darunter der mittlerweile bekannte Chris Hemsworth (Thor), sind maximal akzeptabel, leider in keinster Weise denkwürdig. Es sind Abziehbilder, mit denen sich nur schwerlich binden lässt und die charakterlich nicht über Final Destination Opfer hinauskommen (die Aufteilung gehört mit zum höheren Konzept, dennoch hilft es nicht). Das Böse? Lange Zeit reduziert auf an Deadites erinnernde Zombies, wird es später noch interessanter, doch abgesehen von einer recht... wilden Sequenz, die fraglos über Jahre gefeiert werden wird, bleibt es zu lang zu mau.

Ähnlich verhält es sich mit der Regie, die zwar talentiertes Händchen für kleine Späßchen und gut getimte Reaktionen beweist, doch wirklich packend wird hier nichts. Das liegt primär an einer soliden, aber relativ atmosphärenlosen, kurzweiligen Regie, aber auch an manchen Storyentscheiden, darunter, die tatsächlichen Hintergründe viel zu früh zu verraten bzw. anzudeuten. Eine relativ ungewohnte Perspektive lässt den relativ typischen Horror einmal angenehm auf ungewohnte Weise betrachten, doch letzten Endes macht Goddard zu wenig draus und bleibt zu oberflächlich, versucht sich an einer banalen Hintergrundmythologie, hält zudem die
(wenn auch sehr gelungenen) amüsanten Szenen zu knapp, um sich als wirksame Horrorkomödie vorzustellen. Der Versuch, mit gutem Schuss Scream vom Ton her zwischen Tanz der Teufel 1 und 2 zu landen, will nicht ganz fruchten. Da kann auch kein überraschend später, netter Star-Cameo mehr auftrumpfen.

Fazit:
Jeder zurecht deprimierte Horrorfan sollte sich The Cabin in the Woods ansehen, da er auf Bekanntes neuartige Perspektive wirft und starke Anreize schlägt, dass im Genre endlich mal wieder ungesehenes Vorrang bekommt. Ein wirklich denkwürdiger Genrebeitrag ist es abseits des Konzepts jedoch nicht geworden, was merklich schwammiger Unentschlossenheit zu verdanken ist - der Film weiß nie, ob er spannend, nachdenklich stimmend oder amüsant sein will; in einzelnen Körperteilen manchmal sensationell, ist der Mix all dessen nicht ganz gelungen.

6,5 / 10

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