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Kritik:
Cars 2


von Christian Westhus

CARS 2 (2011)
Regie: John Lasseter (Co-Regie: Brad Lewis)
Englische Sprecher: Owen Wilson, Larry the Cable Guy, Michael Caine, Emily Mortimer
Deutsche Sprecher: Manou Lubowski, Reinhard Brock, Thomas Kretschmann, Martina Hill

Story:
Rund fünf Jahre sind vergangen, seit sich Lightning McQueen im beschaulichen Nest Radiator Springs verirrte, zu sich selbst fand und aufblühte. Inzwischen ist er mit Abschlepper Hook befreundet und gewinnt beim Piston Cup ein Rennen nach dem anderen. Als Lightning zu einem internationalen Rennen verschiedener Fahrzeugtypen eingeladen wird, macht er mit Hook und seinem Team erstmals einen Ausflug außerhalb der bekannten Gefilde von Radiator Springs. Und während Lightning sich bei den Rennen in Tokio, Italien und London gegen einen aufmüpfigen F1-Renner behaupten muss, stolpert Hook geradewegs in eine kriminelle Verschwörung und wird unfreiwillig zum Geheimagenten, der einem bösen Strippenzieher auf der Spur ist.

Kritik:
Pixar dreht sich (fährt) munter im Kreis. Man kann ja nicht andauernd einen Geniestreich wie „Toy Story 3“ erwarten, wenn das kreative und stets für seine Originalität gelobte Studio eine kritisch beäugte Fortsetzung veröffentlicht. „Cars 2“ ist ein Film, der enorm unter der schier übermenschlichen Last seiner Macher leidet, obwohl man mittlerweile doch kapiert haben sollte, dass Pixar aus Individuen besteht und keinen geschlossenen Kollektiv-Verstand besitzt. Immerhin kann man sich gewiss sein, dass selbst die Fortsetzungen kein unüberlegter Schnellschuss werden, auch wenn hier ausgerechnet der am wenigsten geschätzte Pixar-Film seinen zweiten Durchlauf erhält. Warum? Weil mit den kulleräugigen Autos außerhalb der Kinos Milliarden zu machen sind. Das ist natürlich wenig ehrenhaft und noch dazu offensichtlich, aber das Team um Regisseur John Lasseter war zumindest bemüht, der klassischen Underdog-Rennfahrer Story neue Facetten abzugewinnen. So macht „Cars 2“ einige Dinge besser als sein Vorgänger und kann doch nicht in die Nähe der so geliebten Pixar-Meisterwerke kommen, an die man sich permanent mit Wonne erinnert. 

Im Vergleich zum stupiden 200-mal-im-Kreis-Fahren des ersten Teils, sind die international angelegten Stadtkurse in Tokio, Italien und London wesentlich abwechslungsreicher und spannender, die Rennszenen mitreißender, schnittiger und rasanter. Auch wenn es irritiert, dass der vermeintlich globale Welt Grand-Prix nur drei Rennen auf zwei Kontinenten beinhaltet. Hinzu kommt die Agenten- und Spionage-Story, die mit der ursprünglichen Renn-Geschichte durch einen funktionierenden, aber wenig originellen Kniff, um alternative Kraftstoffe und dessen Gegner, verbunden wird. Das peppt den Film durchaus auf, bietet Abwechselung durch ein gelungenes Hin und Her zwischen verschiedenen Schau- und Handlungsplätzen. Super stimmig passen die beiden Welten aus Agentenfilm und Rennsport nicht zusammen, aber gut genug, um durchweg bei Laune gehalten zu werden. Was im ersten Teil noch eine flache und klassische Selbstfindungsstory eines egomanischen Rennfahrers war, ist nun… wieder eine Selbstfindungsstory. Durch die Chose mit den weltweit agierenden Auto-Agenten, durch rasante Action, explosive Laserstrahlen und der großen Treibstoffverschwörung, wird es immerhin nie langweilig, wenn nun der liebenswürdig-dämliche Hook zur Hauptfigur wird. Das Rennen und damit die eigentliche Hauptfigur Lightning McQueen verkommen zur Nebensache, weil dort nur die Machenschaften der Schurken aus der Haupthandlung sichtbar werden.

Dabei profitiert der Film von einer Schwäche des ersten Teils, denn die dort präsentierten Stereotypen wuchsen am Ende zusammen und so kann sich „Cars 2“ immerhin auf leicht greifbare und etablierte Figuren stützen, um das Freundschaftsgefüge von Hook und Lightning auf die Probe zu stellen. Tollpatsch Hook bringt sich und seinen Bro auf vier Rädern ständig in Schlammassel, bis dem roten Renner ein Mal der Kragen platzt. Das involviert durchaus, weil der arme und nun leidende Hook erstmalig seine Trotteligkeit selbst erkennen und eingestehen muss. Doch was in einem Film von der „Dreamworks“ Konkurrenz noch okay wäre, scheint bei einem Pixar irritierend. Der Streit der beiden Freunde kommt nämlich stark mit der Brechstange und hat eher was von Shrek und Esel, als von denselben Köpfen, die Woody und Buzz, oder Marlin und Dorie als ungleiche Partner wider Willen etablierten. Ähnlich konstruiert auch, wie Hook ungewollt ins Zentrum der kriminellen Verschwörung gerät und dabei von beiden Seiten ständig für einen Super-Spion mit perfekter Tarnung gehalten wird. „Cars 2“ nimmt seinen James Bond Part durchaus ernst, ist keine Parodie, auch wenn besonders dieses Tarn-Missverständnis zum klassischen Inventar von Agenten-Comedy Plots gehört. 

Wenn der eigentliche Haupt-Agent, Finn McMissile, zur Tat schreitet, wird deutlich, dass man sich keineswegs lustig machen wollte. Es fehlt nur noch die gun-barrel Sequenz und es könnte das perfekte Imitat sein. Der überraschend actionreiche und explosive Krawall bietet besonders in der pfiffigen Einstiegssequenz tip-top Agentenunterhaltung, die bisweilen an „The Incredibles“ erinnert. An dessen durchgängige Qualität kommt „Cars 2“ aber leider nie heran. Natürlich ist der Vergleich mal wieder unfair, wenn doch Regisseur Lasseter überhaupt nicht für „The Incredibles“ verantwortlich war, doch insbesondere in seinem zweiten „Toy Story“ Abenteuer bewies Lasseter, dass er eigentlich noch mehr als kurzweilige Schauwerte mit simplen Figuren drauf hat. Die drollig entworfenen Schurken, die mysteriöse McGuffin-Waffe, die Verbindung zum Rennen – alles da und nett gemacht. Aber „nett“ reicht dem verwöhnten Pixar-Fan ja meist nicht aus und bei all dem Radau, den Perspektivwechseln und dem nicht veränderten Ansturm aus eher geringdimensionalen Stereotypen, fehlt das große emotionale Moment. Die Hook/Lightning Freundschaft ist nicht stark, nicht emotional genug, um sich im Ansturm aus Nebenhandlungen und Figuren über Wasser zu halten. Lightnings Fehde mit F1-Renner Francesco lässt eher kalt, die Beziehung mit Porsche-Dame Sally wird beinahe gänzlich verschwiegen und Hooks Schwärmerei für Agentin Holley ist sowieso ein laues Lüftchen. Dass die Leute von Pixar dennoch visuelle Zauberer sind, daran besteht kein Zweifel. Die angesprochene Einstiegsszene ist wahrlich zum Niederknien, die Action und die Explosionen wirken wuchtig, die Rennen rasant und mitreißend. Die Ausweitung der Welt, das internationale Flair, regen die Landschafts- und Figurendesigner zu mehr Details und Ideen an, während Farben und Bewegungsdynamik wie eh und je annähernd perfekt sind. 

Dass die Cars-Welt dennoch unkohärent und schlecht durchdacht wirkt, kann auch Animationskunst deluxe nicht ändern. Ohne Auto-Insekten (die es in Teil 1 noch gab), dafür durch den neu gewonnenen Raum der Weltreise, kommen neue Details hinzu, die es schwierig machen, diese Welt zwischen unserer Welt und reiner Fantasy greifbar zu machen. Abgesehen von der – sehr beeindruckenden – italienischen Küstenstadt scheint unsere Welt dieselbe, inklusive Nationalitäten, bekannten Gebäuden und Persönlichkeiten, die hier autofiziert wurden. Die bis zum Exzess – inklusive schlechter Akzente – bemühten Nationalklischees in Italien und insbesondere in Japan (Sumo-Autos, Toiletten) amüsieren vielleicht noch, aber das Papst-Auto mit separatem Papa-Mobil, oder die englische Queen als Auto, das verwirrt dann doch und reißt aus der Handlung. Noch dazu wird nie wirklich klar, welche Fahr- und Flugzeuge jetzt einen Verstand haben und welche auf Tier-Niveau nur Nutzgegenstände sind. Eine stimmig erlebbare Welt sieht anders aus. Vielleicht ist das ja auch wieder zu streng, wenn doch der eigentliche Film mitunter durchaus spaßig sein kann, aber es ist doch nun mal Pixar. Ob Kollektiv oder nicht, aber beispielsweise „Monster AG“ hatte anschaulich demonstriert, wie man eine fantastische Welt nachvollziehbar und funktionierend etabliert. Dass das bei „Cars“ auch im zweiten Teil nicht funktioniert, ist ziemlich bedauerlich.

Fazit:
Technisch, wie gehabt, großartig und aufregend. Sogar inhaltlich verbessert man sich mit spannenderen Rennen und der abwechslungs- und actionreichen Spionage-Handlung gegenüber dem direkten Vorgänger. Doch mit unoriginellen Figuren und wenig Herz bleibt es dennoch eine kleine Enttäuschung im ansonsten so makellosen Oeuvre Pixars.

4,5 / 10

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