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Kritik:
Celeste & Jesse


von Christian Westhus

CELESTE & JESSE FOREVER
(2013)
Regie: Lee Toland Krieger
Cast: Rashida Jones, Andy Samberg, Ari Graynor, Chris Messina, Elijah Wood, Emma Roberts 

Story:
Das einstige Traumpaar Celeste und Jesse lebt in Trennung; die Scheidung läuft. Dennoch verbringen beide jede fast jede freie Minute miteinander, leben quasi Tür an Tür, verabschieden sich mit eingespielten Gesten und einem „Ich liebe dich“. Man sieht sich als beste Freunde, was die übrigen Freunde schwer verwirrt. Beide sollen anfangen, wieder mit anderen Leuten auszugehen. Aber wollen sie das überhaupt?

Kritik:
Beziehungsdramödien gibt es viele. Manche überwiegend heiter, manche eher tragisch, manche irgendwo dazwischen. Letztendlich sind es wie auch immer entstandene Schilderungen von Autor und Regisseur, die ihre beispielhaften Weisheiten mitteilen, eine von vielen Varianten des amourösen Miteinanders durchspielen. „Celeste & Jesse“ reißt im Bezug auf Originalität sicherlich keine Bäume aus, erzählt nichts grundlegend Neues, ist aber dennoch ein überwiegend gelungener Vertreter seiner Art. Emotional irgendwo zwischen den Extremen, ist „Celeste & Jesse“ ungefähr so, als befreie man den letztjährigen „Ruby Sparks“ um seine übersinnlichen und entlarvenden Elemente. Es gibt zweifellos viel zu lachen, sind doch nicht ohne Grund die meisten Darsteller nicht erst einmal mit reiner Comedy in Berührung gekommen. Doch der Humor ist unaufdringlich, überwiegend leise, zumeist nur in einstudierten Vertrautheits-Albernheiten des Ex-Paares wirklich überdreht. Das Script, von Hauptdarstellerin Rashida Jones und Nebendarsteller Will McCormack verfasst, hat mehr Interesse an den Figuren, als an simplen Gags und leichtfüßigem Romantik-Slapstick. 

Ein klassischer Kuschelfilm sieht anders aus. Ohne jemals wirklich trist oder bedrückend zu werden, verweigert „Celeste & Jesse“ zumeist die einfachen Antworten auf die präsentierten Probleme. Entscheidungen werden getroffen, die Richtigkeit dieser steht noch in Frage, es zieht Folgen nach sich, und nicht immer hat das Script eine „Alles wird gut“ Ausweichlösung für den temporären „Verlierer“ der vorherigen Szene parat. Denn natürlich ist die ungewöhnlich starke Verbindung von Celeste und Jesse trotz laufender Scheidung ein Indiz, dass beide eigentlich nicht ohne einander können. Beste Freunde wollen sie sein, aber so wirklich überzeugt scheinen die beiden Protagonisten davon nicht immer zu sein. Und für ihre Freunde, die in der Regel mit beiden befreundet sind, ist der undurchsichtige Umstand auch nicht leicht. Während man am Abend zuvor also noch vergnügt mit deutschem Akzent herumalbert und gemeinsam einer Tube Salbe einen Handjob verpasst, soll man kurz darauf auf Abstand gehen und sich nach neuen Partnern umschauen.

Das alles macht Spaß und fasziniert, weil die Figuren funktionieren. Rashida Jones (auch Co-Produzentin) hat sich ein wenig mehr vom Kuchen verpasst, steht deutlicher im Vordergrund als ihr Kollege und Ex Saturday Night Live Star Andy Samberg. Beide sind trotz ihrer obligatorischen Macken sympathisch und überwiegend nachvollziehbar. Insbesondere Jones ist wunderbar in ihrer Rolle, aber auch Samberg kann beweisen, dass er mehr ist, als ein überdrehter TV-Comedian. Das Dilemma um die unklare Gefühlslage wird noch erschwert, als einer der beiden eine folgenschwere Entdeckung macht. Während Jesse noch ein wenig unentschlossen durchs Leben irrt und auf Impulse wartet, was er mit sich und seiner Zukunft anfangen soll, steht Celeste als Trend-Analystin mitten im Leben und wartete vor der Trennung nur darauf, dass Jesse ihr folgt. Im Büro diskutiert sie ihr kompliziertes Privatleben nicht nur mit ihrem schwulen Chef Elijah Wood, sondern muss sich auch mit oberflächlich-divenhaften Teen-Musikstars herumplagen, die aus einer anderen Generation und damit von einem anderen Planeten kommen. Dabei wird die ungewöhnliche Verbindung von Celeste zu einem jungen Pop-Sternchen für eine gewisse Zeit fast genauso interessant, wie die eigentliche Geschichte. Das ist nett, zeigt aber auch ein Problem des Films auf. 

Das Script ist nah an den Figuren, hat eine gute Mischung aus Humor, Drama und Ernsthaftigkeit, ist aber auch ein wenig ausgefranst. Nebenfiguren treten auf und tauchen plötzlich für eine ganze Weile wieder unter, sollen plötzlich ein finaler Katalysator sein oder werden auf den letzten Metern fast vergessen. Die Popstar-Episode ist genauso schnell vergessen, wie sie entstanden ist. Gerade zum Schluss hin findet der Film kein wirkliches Ende, obwohl es mehrere Szenen gibt, die sich zunächst wie das Ende anfühlen. Wieder kommt ein neuer Dreh, wieder eine neue Entscheidung einer der Hauptfiguren – all das ist nach wie vor interessant, aber eben auch ein wenig unfokussiert. Umso bedauerlicher, dass bei den ganzen angehängten Details ein nicht unwichtiges Detail fast vergessen wird. Die Regie ist solide, steht hier aber natürlich voll im Dienste von Script und Personal. „Celeste & Jesse“ ist erfreulich ernsthafter als viele Filme ähnlicher Art, forscht neugieriger nach dem Warum und dem Wie unserer Gefühle für einen anderen Menschen. Selbst wenn sich der Film am Ende ein wenig übernimmt, zeichnet ihn diese emotionale Neugierde im Gegenzug aus.

Fazit:
Keine Schenkelklopferparade, kein melodramatischer Herzschmerz, aber auch kein deprimierendes Drama. „Celeste & Jesse“ ist eine so amüsante wie verzwickte Tragikomödie, um zwei Personen, die nicht loslassen können, mit zwei tollen Hauptdarstellern, aber auch mit zwei, drei Enden zu viel.

7 / 10

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