hauptseite  |  vorschauen  |  kritiken |  impressum |  forum



 

 

Kritik:
Chernobyl Diaries


von Christian Mester

CHERNOBYL DIARIES (2012)
Regie: Brad Parker
Cast: Iko Uwais, Yayan Ruhian

Story:
Auf einem Urlaubstrip nach Pripyat, Tschernobyl bleiben drei junge Paare und ihr ukrainischer Tourguide plötzlich mit dem Auto liegen. Etwas scheint sich während ihrer Besichtigungstour an den Kabeln zu schaffen gemacht haben - die Nacht bricht an und seltsame Geräusche nähern sich...

Kritik:
Man nehme Blair Witch Project... und übertrage das ganze auf die verstrahlten Ruinen der gottesverlorenen Geisterstadt des Tschernobyl-Reaktorvorfalls. Wer die Games Call of Duty 4: Modern Warfare oder STALKER: Shadow of Chernobyl kennt, der weiß längst, dass Pripyat eine höchstschaurige Gegend ist, in der schon der Aufenthalt bei Tag ein schummriges Gefühl hinterlässt. Man füge Nacht und ein ungeahntes Übel dazu und es schreit nach bestem Schockfest, doch was Paranormal Activity Regisseur Oren Peli hier produziert hat, lässt leider alles andere als strahlen und ist qualitativ weit, weit ab von seiner eigenen Found-Footage-Poltergeistreihe.

Wie im Klassiker Blair Witch Project tapsen auch hier naive, neugierige junge Leute durch eine von der Außenwelt abgeschnittenen Pampa, nur um spätestens bei Nachtanbruch ganz andere Seiten zu erleben. So weit, so gut, doch obgleich die größtenteils in Serbien gedrehten Szenen wie erwartet großartige Gruselszenerie abgeben, schlägt der Gruselgeigerzähler kaum aus. Manchmal ist weniger bekanntlich mehr, doch hier ist es schlichtweg zu wenig, nämlich fast gar nichts, da man bis zur letzten Szene immer bloß Schemen, Schatten, vielleicht vorbeihuschende Arme sieht, vor denen die auf Dauer langsam weniger werden Helden kreischend davon laufen. Eine fürchterliche Dauer-Wackelkamera (die übrigens von keinem der Figuren gehalten wird) schüttelt und würfelt das Bild ständig bis zum Exzess, sodass man auch von den Helden, somit von beiden Seiten oft nur wenig sieht. Das Gros der Handlung liegt auf ihren Rollen, interessant genug sein zu müssen um A) ihren Schrecken glaubhaft herüberzubringen, dass man sie als Zuschauer als Avatare fühlen kann (wie würde man selbst reagieren?), und B) dass sie interessant oder charismatisch genug sind, dass man sich überhaupt um ihr Überleben schert.

Leider ist gerade das nicht der Fall, denn die jungen Erwachsenen, gespielt von Nathan Phillips, Jonathan Sadowski, Ingrid Bolsø Berdal, Olivia Dudley, Devin Kelley und dem in den USA bekannten Popsänger Jesse McCartney sind einsilbige persönlichkeitslose Opfer, die auf ihrer Flucht recht früh von der einzigen interessanten Person im Stich gelassen werden - dem Fremdenführer Yuri (Dimitri Diatchenko), der von allen noch am authentischsten wirkt. Was übrig bleibt, sind konstant kreischende und keifende Slasheropfer-Abziehbilder, wie sie in einem der schlechteren Freitag der 13ten maximal gegen Filmmitte aufkämen, deren Jason nie zu sehen ist und der wenn, dann auch bloß offscreen zupackt. Richtig: ganz davon abgesehen, dass man die Bösen fast nie zu Gesicht bekommt, bleibt auch ihr Böses relativ familienfreundlich ungesehen, womit die Tschernobyl Tagebücher eigentlich auch ab 12 Jahren, als Sonntagmittag-Fernsehgrusler durchgehen könnten.

Gegen Ende zeigen sich die scheuen Untäter dann schließlich doch mal kurz und es gibt eine relativ klare Auflösung, die allerdings zum einen die bis dato minimal aufgekommene Mystery im Keim erstickt, zum anderen offenbart es sich plötzlich als einfallslose Übernahme eines anderen Horrorfilmkonzepts (Spoiler: ein passenderer Filmtitel wäre demnach The Hills have Eyes 3: Chernobyl Diaries), die fraglos daran erinnert, wieviel besser man das Konzept umsetzen kann (das The Hills have Eyes Remake war grandios, selbst The Hills have Eyes 2 hatte noch gute Kontrahenten, spannende Momente und jede Menge Gefinster - selbst die alten beiden The Hills sind bessere Filme; und selbst der inoffizielle dritte Teil Mindripper darf besser genannt werden, hat die für einen Bruchteil von CD gefilmte Videoproduktion, die aussieht wie im ungebauten Wohnzimmer gefilmt, schließlich noch Lance Henriksen und Giovanni Ribisi in petto). Regisseur Bradley Parker hatte offensichtlich nur ein kleines Budget zur Verfügung, doch selbst mit mehr Budget und besseren Darstellern ginge das Konzept so noch nicht auf, da es an zu vielem, an schlichtweg allem fehlt. Der einzige, der zu loben bleibt, ist der Location Scout, der großartige Schauerplätze gefunden hat - in denen dann aber leider außer viel Gefuchtel und Epilepsie schaffendem Kameratechno nichts bemerkenswertes los ist.

Fazit:
Das einzige was in Blair Witchernobyl nicht enttäuscht, ist die bemerkenswert umgesetzte Gruselgegend Pripyats, die selbst in nachgestellten Sets herrlich unheimlich wirkt. Hektischer Kameraunfug, maue Rollen, kamerascheue Gegner, Offscreenkills und ein fades Finale lassen selbst hartgesottene Horrorfans mürrisch werden. Spannendere 90 Minuten: diesen Foto-Blog durchblättern.

1,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich