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KRITIK:
CHLOE
von
Christian Mester
CHLOE (2010)
Regie: Atom Egoyan
Cast: Julianne Moore, Amanda Seyfried
Story:
Ärztin Catherine (Julianne Moore) hat ein
Problem - ihr Sohn spricht nicht mehr mit ihr, ihr
Mann David (Liam Neeson) beschäftigt sich nur mit
seiner Arbeit. Als sie eines Tages vermutet, dass
David Affären mit jungen Studentinnen hat, engagiert
sie eine Prostituierte namens Chloe (Amanda Seyfried)
um ihn zu testen. Doch Chloe verdreht nicht nur
ihrem Mann den Kopf…
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Während der Dreharbeiten verstarb Liam
Neesons Ehefrau.
Trotz der Situation erklärte sich Neeson bereit,
abschließende Szenen zu filmen. |
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Kritik:
"Chloe" sorgte im Vorfeld für Aufsehen, da es
angeblich ein Film mit gewagten Sexszenen werden
sollte. Die bis dato eher zurückhaltende Amanda
Seyfried ("Jennifer's
Body - Jungs nach ihrem Geschmack", "Das
Leuchten der Stille", "Mamma Mia") sollte sich im
Remake eines französischen Streifens erstmals
entblättern und zudem noch mit Schauspielgöttin
Julianne Moore zwischen den Laken landen.
Wer ausschließlich dafür aufläuft, wird enttäuscht.
Zwar gibt es einige kleinere Momente, doch Atom
Egoyan inszeniert diese relativ verhalten und lässt
sie nie bedeutend werden. Aufgrund der
Figuren-Konstellation und Handlung mag man vermuten,
dass die Dreiecksbeziehung später womöglich in
Konflikt, Krise oder gar Kampf enden mag, doch auch
diese Wege bestreitet Egoyans Werk nicht. Es kriselt
zwar im späteren Verlauf, doch "Chloe" ist kein
Thriller, keine "Verhängnisvolle Affäre", kein "Obsessed"
- es gibt keine Verfolgungsjagden, keine
handgreiflichen Auseinandersetzungen, keine Waffen,
keine lauten Dialoge, keine psychopathischen,
rachsüchtigen Problemfälle. Trotz marginalem Sex und
reduzierter Spannung ist das Ergebnis trotzdem
sehenswert, was gleichermaßen an den Rollen vor -
und hinter der Kamera liegt.
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CHLOE ist das Remake eines französischen
Films NATHALIE... (2003).
Im Original spielte Emmanuelle Beart die Hauptrolle. |
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Die
Besetzung von Julianne Moore, die derzeit eine der
besten Darstellerinnen ihrer Altersklasse ist,
erweist sich als hervorragende Wahl. Moore spielt
ihre Rolle als zerbrechliche, melancholische
ehemalige Schönheit, die sich der Attraktion ihres
Mannes entgleiten sieht; stilvoll, emotional und
durch und durch glaubhaft. Man fühlt mit ihr mit,
folgt ihr gerne 90 Minuten lang. Seyfried bekommt
weniger zu tun. Die hübsche Jungdarstellerin bleibt
eher starr, fasziniert mit ihren Anime-Kulleraugen
und optischen Reizen, bleibt spielerisch jedoch weit
zurück. Nachdem der Film mit einem Monolog ihrer
Figur beginnt, darf man enttäuscht sein, denn es ist
der einzige ihrer Rolle. Eine Schwäche des Films ist
es, Titelfigur Chloe nicht näher zu beleuchten. Ihre
Motive sind zwar klar und ihre Person verständlich,
doch die einseitige Charakterisierung von Moores
Rolle lässt zu wünschen übrig. Seyfried ist nicht
schlecht, bekommt aber zu wenige Momente sich ins
Spotlicht rücken zu können. Gerade in der zweiten
Hälfte des Films hätten weitere Szenen der
Geschichte gut getan; vor allem das Finale kommt
sehr abrupt, antiklimatisch und lässt das ganze
unvorteilhaft unspektakulär und unemotional enden.
Neeson, der ja aufgrund eines tragischen
Familienunglücks weniger zu sehen ist als anfangs
geplant, kommt nur kurz vor. Als charmanter
Professor erfüllt er seine Funktion, kommt jedoch
selbst nicht zum Zuge.
Stärken und Schwächen finden sich zudem hinter der
Kamera. Egoyan inszeniert seine Geschichte in einer
angenehmen Ruhe und mit einer gewissen Sinnlichkeit
(welche jedoch in ausgebauten Erotikszenen noch
besser zur Geltung gekommen wäre). Optisch bleibt
das ganze bedächtig, wird aber schön eingefangen.
Neben Moores Darbietung ist vor allem der Soundtrack
Highlight des Films. Mychael Danna, der schon "Die
Frau des Zeitreisenden" und
"Das Kabinett des Dr.
Parnassus" vertonte, unterstreicht
"Chloe" mit einem wogenden, erotischen Klanggerüst,
mit dem besagte Szenen manchmal nicht mithalten
können.
Insgesamt ein eher schüchterner Film der leisen
Töne, in dem Moore einmal mehr begeistert, der Rest
jedoch hinter Erwartungen zurückbleibt. Um
denkwürdiger zu sein, fehlt es an gewissem Etwas.
Fazit:
"Chloe" erweckt zwar den Eindruck eines packenden
Erotik-Thrillers, ist letzten Endes aber weder
sonderlich spannend, noch überaus erotisch. Als
Drama eine interessante, gut gespielte Geschichte
mit schönem Soundtrack, jedoch ohne wirkliche
Höhepunkte.
6 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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