BG Kritik:

The First Avenger - Civil War


von Michael Eßmann

Captain America - Civil War (USA, 2016)
Regisseur: Anthony und Joe Russo
Cast: Robert Downey jr, Chris Evans, Scarlett Johansson, Sebastian Stan

Story:
Ein Einsatz der Avengers läuft aus dem Ruder, und es gibt Todesopfer. Die Rufe nach einer übergeordneten Instanz zur Anordnung und Regulierung der Einsätze der Helden werden laut, womit allerdings nicht alle Rächer einverstanden sind. Schon bald kommt es zum Aufeinandertreffen der Helden-Teams, angeführt von Captain America und Iron Man, während im Hintergrund Zemo auf den Plan tritt.




Nach einem Einsatz der Avengers im nigerianischen Lagos bleiben nicht nur Sachschäden und Chaos zurück, sondern abermals sind auch etliche zivile Todesopfer zu beklagen. Wer trägt die Verantwortung? Wer oder was gab den Avengers gar das Recht, einfach in Afrika einzufliegen und einen Krieg auszuführen? Unter der Führung des ehemaligen Hulk-Jägers und nun US-Außenministers Thaddeus Ross (wie schon in Der unglaubliche Hulk aus 2008 von William Hurt dargestellt) wollen in Folge des jüngsten Avengers-Debakels, 117 Nationen ein Abkommen unterzeichnen, welches sämtliche Superhelden-Aktivitäten einem Gremium der Vereinten Nationen unterstellen soll. Kein selbsternannter Held soll mehr auf eigene Faust Grenzen überschreiten und versuchen Leben zu retten, und dabei womöglich weitere Leben gefährden. Der noch immer unter den Schuldgefühlen seiner Taten in Avengers: Age of Ultron leidende Tony Stark unterzeichnet und unterstützt den Vorschlag, während Steven Rogers seine Unterschrift nicht guten Gewissens leisten kann. Ein Attentat später, und mit der Sichtung des Winter Soldiers (Captain Americas alter Kumpel Bucky Barnes, der schon in Cap 2 sein Unwesen trieb) als offenkundigem Täter scheint das Team endgültig auseinander zu brechen, da Cap seinen alten Freund auf eigene Faust finden und retten will. Captain America und Iron Man stehen also plötzlich auf unterschiedlichen Seiten, und der amerikanischste aller amerikanischen Helden, stellt sich gar gegen seine Nation, und vor einen (ehemaligen) Freund.

Civil War ist eine der bekanntesten Marvel Comic-Handlungen


Außer Kontrolle geratene Einsätze von Superhelden und deren Konsequenzen gab es gerade erst in Batman v Superman zu sehen, und auch in Captain Americas drittem Solofilm sind es die Kollateralschäden der Superhelden, welche die Handlung einleiten. Wie in einem großen Universum wie dem von Marvel zu erwarten, bleibt der Captain selbstredend keine zwei Minuten alleine, und hat hier etliche seiner Avengers-Kollegen dabei. Eine Art Avengers 2.5 ist die Folge, auch wenn Captain America schon im Zentrum seines Films verbleibt. Ganz nah kommt ihm aber Iron Man. So werden eifrige Zuschauer der Filme aus dem Marvel Cinematic Universe (kurz: MCU) hier viele schon aus früheren Filmen bekannte Helden wiedersehen, denn sowohl Iron Man als auch der Captain bringen ihre Verbündeten mit. So ist u.a. Scarlett Johanssons Black Widow ebenso wieder dabei, wie ihr Kumpel Hawkeye (Jeremy Renner), und auch die Neu-Avengers Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) geben sich die Ehre. Aber auch komplette Neuzugänge sind zu verzeichnen, und so darf man sich auf das Leinwanddebüt vom Black Panther (Chadwick Boseman) und das MCU-Debüt von Spider-Man freuen. Ja, Spider-Man ist dabei. Und ist er ist amazing, auch wenn diese Version nichts mehr mit den zwei Filmen der The Amazing Spider-Man Reihe zu tun hat. Kurz gesagt haben sich die Verantwortlichen von Marvel-Studios und die Spider-Man Film-Rechteinhaber bei Sony hingesetzt, und einen Deal abgeschlossen, der es einem neuen Spider-Man erlaubt, im Hauptuniversum von Marvel herum zu schwingen. Folglich also neu besetzt.

Der neue Mann im Spinnen-Dress ist Tom Holland (Im Herzen der See), welcher die wohl bisher jüngste Inkarnation des Wandkrabblers im Kino verkörpert. Sein Peter hat erst seit einigen Monaten seine Kräfte, und seitdem schwingt der Teenager im selbstgemachten Dress durch New York. Fans der klassischen 70er Spider-Man Comics oder auch der 90er Jahre Cartoon-Serie werden ihren Spidey sicherlich sofort in Hollands Interpretation der Figur wiedererkennen. Dieser labert sich während der Kämpfe um Kopf und Kragen, und schafft es dabei immer herrlich natürlich und grundsympathisch rüber zu kommen. Das schaffte bekanntermaßen nicht jeder im Kostüm. Wenn das im kommenden Solo-Film der Spinne weiterhin so gut ausgebaut wird, haben wir hier definitiv den bisher besten Spider-Man im Kino. Leider wirkt Spidey in seinem Debüt (wie schon nach dem Trailer zu befürchten) auch im fertigen Film noch sehr digital und plastikhaft, und im Gegensatz zu seinen Kollegen sieht man es ab und an wirklich zu deutlich, wie er im Kostüm realisiert wurde. Zudem merkt man seinem Auftritt im Film schon recht klar an, wie spät Marvel und Sony sich völlig einig wurden. Der Netzkopf hat also seinen Block im Film und an der Seite seiner Helden und verschwindet dann wieder, um Captain America und Iron Man wieder das Feld zu überlassen. Vorher unterhält dieser neue Spider-Man allerdings vortrefflich. Aber dazu später.

Alles andere als Vortrefflich ist dann mal wieder der Bösewicht. Einer der eklatantesten Schwachpunkte - der sich auch durch etliche Filme des Marvel-Universums zieht - sind ja bekanntlich die schwachen Bösewichte im Kino. Und so trifft es auch auf Daniel Brühls Zemo zu, welcher den wohl bisher menschlichsten Bösewicht im bisherigen MCU gibt. So menschlich wie er rüber kommt, so langweilig ist er allerdings auch. Ohne ins Detail zu gehen, ist dieser Zemo klar ein Bösewicht aus den Kategorien Strippen-Zieher und Hintergrund-Agierer. Aber trotz diverser Hintergrund-Illustrationen und absolut nachvollziehbarer Motive, gehört er aber zu den absoluten Schwachpunkten des Films. Er wirkt gar bis auf einige wenige Eckpunkte der Handlung unnötig. Dieser extrem menschliche Zemo ist zwar definitiv eine Abwechslung und was Anderes, aber richtig interessant sieht halt doch anders aus. Und da wohl ein starker Antagonist noch keinen Film schlechter gemacht hat, hätte er diesem Film sicherlich auch mindestens nicht geschadet. So verbleibt auf der verachtenswerten und bösen Seite der miesen Welten ins Chaos-Stürzer und Pläne-Schmieder, eine Luftpumpe namens Zemo. Allerdings eine, deren Lüftchen ausreichen, eine Kurskorrektur unter den mächtigsten Helden des Marvel-Universums vorzunehmen. Was wiederum ganz interessant ist, so im Kontext um mehr Kontrolle der Helden. Ganz dem Schmetterling nach, dessen Flügelschlag einen Orkan am anderen Ende der Welt auszulösen vermag.

Ende des Jahres folgt der nächste Film der Reihe: Dr Strange


Die Rolle funktioniert also, aber mehr auch nicht, und unterm Strich funktioniert auch der Film ganz gut ohne einen starken Antagonisten, da das eben diesmal die Helden mehrheitlich untereinander erledigen. Ebenso in die Kategorie funktionell aber mehr auch nicht fällt der Score des Films. Wie schon beim letzten Solo-Film des Captains besteht die musikalische Untermalung von Henry Jackman mehrheitlich aus antreibenden Klängen, ohne großen Wiedererkennungswert oder Highlights, und das Gehörte dürfte bereits vor dem Ende des Abspanns fast völlig vergessen sein. Bis der Abspann kommt, vergehen allerdings einige Minuten, denn mit einer Länge von 147 Minuten ist The First Avenger: Civil War der bisher längste Marvel-Film geworden, und trotz der Fülle an Helden und der gelungenen Action, hat sich auch die eine oder andere Länge in den zweiten Marvel-Film der Russos geschlichen. Glücklicherweise aber nicht zu viele. Merklich sind sie allerdings schon, worüber auch Humor und Action nicht hinwegtäuschen vermögen. Hierbei gefühlt etwas weniger Humor als Action, aber beides hat weiter einen guten Anteil am Film. So funktioniert die bekannte Marvel-Formel weiterhin gut.

Da diesmal das in Zwei gerissene Team der Avengers, den jeweiligen Bösewicht füreinander gibt, gibt es hier deutlich mehr von dem zu sehen, was bereits in früheren MCU-Filmen für höher schlagende Fan-Herzen sorgte: Kämpfe der Helden untereinander. Denn schon im ersten Avengers-Film gehören die körperlich ausgefochtenen Kabbeleien der Superhelden untereinander zu den Highlights, und dem was man in so einem Filmchen für seinen Eintritt sehen will. Als beispielsweise Hulk dort seinem Teamgefährten Thor noch einen unerwarteten Schwinger mitgab, dürften nicht wenige Zuschauer genau das mit am meisten gefeiert haben. Auch wenn von Hulk und Thor in Civil War nichts zu sehen ist - beide werden wir aber bereits im nächsten Jahr im dritten Thor-Film wieder sehen - so sind auch hier die Duelle der Helden untereinander das, wo der Film seine unangefochtenen Höchstleistungen platzieren kann. Ja, Glanzlicht des Films sind definitiv die Intermezzi der Superhelden untereinander, wie sie sich gegenseitig die Hucke voll hauen und mit ihren Kräften eins auf die Nase, den Schild und den Arc-Reaktor geben. Vor allem sind es viele und vielseitige Duelle. Ob das Duell der Insekten-Männer mit Spider-Man gegen Ant-Man, den Kampf der Sidekicks mit Falcon vs. War Machine oder auch dem Kampf der High Tech-Anzüge mit Iron Man gegen den Ant-Man, jeder Kampf hat Besonderheiten und nutzt sehr ansehnlich die jeweiligen Fähigkeiten und Eigenarten der Helden. Hierbei darf jeder der Helden und Heldinnen auch mehr als einmal glänzen und bekommt seine Momente; einer der Helden bekommt gar den wortwörtlich größten Auftritt im bisherigen MCU. Klar ist aber: Spider-Man stiehlt allen die Show, und Ant-Man tut es ihm direkt darauf gleich! Aber auch Black Panther gibt ein mehr als solides Debüt, wenn er sich furchtlos mit seinen Vibranium Klauen auf den Winter Soldier stürzt. So reihen sich hier wirklich großartige Action-Momente aneinander, in denen sich Avengers mit unterschiedlichen Ansichten gegenüberstehen, wobei beide Parteien ihre nachvollziehbaren Argumente in die Waagschalen werfen.

Hierdurch wechselt man als Zuschauer sicherlich ab und an und wankelmütig zwischen den Parteien, vor allem weil man die aufeinander einknüppelnden Helden ja mittlerweile kennen gelernt und lieb gewonnen hat. Der Film selbst bezieht hier keine definitive Stellung, und überlässt dem Zuschauer mehr oder weniger die Wahl der richtigen Seite. Sofern es denn wirklich so einfach ist, und es eine richtige Seite gibt. Nicht immer, aber ab und an und ein wenig wirkt das Bekämpfen der Helden untereinander allerdings eher wie ein Sparring. Man zeigt ein paar seiner Top-Moves, beeindruckt seinen vorübergehenden Gegner und danach geht’s ab zum nächsten Gegner. Das trifft allerdings glücklicherweise auch nicht auf alle Kämpfe zu, denn in denen wird dafür umso mehr drauf gehalten und zwar solange bis entweder der Repulsor oder der Vibranium-Schild nachgibt. Fans der Comicvorlage werden diesbezüglich gar einen sehr ikonischen Moment aus den Heften, im sehr persönlichen Finale wiederfinden. Und natürlich gibt es mindestens eine Szene im Abspann zu finden. Ob mehr kann leider nicht definitiv bestätigt werden, denn wie üblich bei Marvel wurde eine möglicherweise nach dem Abspann folgende Szene nicht in der Pressevorführung gezeigt. Auch zum 3D kann keine Angabe gemacht werden, da die Vorführung in 2D stattfand. Was aber definitiv beantwortet werden kann, ist die Frage ob der Film für Fans der Reihe im Kino lohnt. Und diese Antwort ist ja, aber erwartet nicht unbedingt den besten Teil der Reihe. Dafür einen mit etwas mehr Tiefgang und dafür etwas weniger Humor, als zumeist von Marvel gewohnt.

Fazit:

Der zivile Ungehorsam des Captains ist besser als Avengers 2: Ein Wochenende mit Ultron und nur etwas unter der Augenhöhe von Captain America 2 angesiedelt. Für Marvel-Fans ist das Werk vermutlich eh im Kino ein Muss, aber etwas mehr hätte es schon sein dürfen, als äußerst gelungenes Superhelden-Sparring und Gekloppe am Leipziger Flughafen, plus hartes und persönliches Finale.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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