BG Kritik:

The Cloverfield Paradox


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

The Cloverfield Paradox (USA 2018)
Regisseur: Julius Onah
Cast: Gugu Mbatha-Raw, Daniel Brühl, Zhang Ziyi, David Oyelowo, Chris O’Dowd

Story: Die Welt befindet sich in einer Energiekrise und damit kurz vor einer globalen kriegerischen Eskalation. An Bord einer Raumstation versucht die kleine internationale Crew einen gigantischen Teilchenbeschleuniger ans Laufen zu kriegen, um das Energieproblem der Erde zu lösen. Stattdessen schaffen sie durch das Spiel mit den Urkräften des Universums ganz eigene Probleme.

Der Anfang vom Ende des Cloverfield Franchises?

Der erste Trailer erschien wenige Stunden vor der offiziellen Veröffentlichung.


Die eigentliche Frage lautet: ist Cloverfield überhaupt ein Franchise? Der originale „Cloverfield“ war 2008 für das Paramount Studio und insbesondere für Produzent und Erfinder JJ Abrams ein Versuch, ein amerikanisches Godzilla Pendant zu schaffen. Wichtiger noch war „Cloverfield“ als erstes Kino-Anwendungsbeispiel für Abrams‘ so genannte Mystery Box; das Prinzip von Geheimhaltung und Geheimnissuggestion als effektive Art des Marketings. Die Medienreaktionen waren groß, der finanzielle Erfolg ordentlich, doch es dauerte bis 2016, ehe mit „10 Cloverfield Lane“ ein weiterer Film unter dem Cloverfield Deckmantel erschien. „10CL“ war allerdings nie als Cloverfield-Fortsetzung gedacht, entsprang einem Script namens „The Cellar“ bzw. „Valencia“ und wurde von Abrams‘ Firma Bad Robot gekauft. Abrams höchstpersönlich wird die Entscheidung zugeschrieben, diesen originalen kleinen Genrefilm um ein paar vage Details und einen neuen Titel zu erweitern und dadurch effektiver vermarkten zu können. Diese Verbindung, geschickt erst wenige Wochen vor Kinostart bekannt gemacht, ging auf. „10 Cloverfield Lane“ war bei Publikum und Kritik ein beachtlicher Erfolg, konnte die künstliche Franchise Erweiterung für sich nutzen.

Nun also „The Cloverfield Paradox“, lange Zeit „God Particle“ genannt, dessen Verschwisterung mit dem Cloverfield Franchise allerdings schon einige Zeit länger bekannt ist. Dennoch haben Abrams und Bad Robot hier erneut ein Originalscript genommen, dieses um ein paar Details und einen Cloverfield-Titel erweitert, ehe ein neuerlicher Marketing Coup für großes Aufsehen sorgte. Dieser Coup ist gleichzeitig eine kolossale Leistung und womöglich der Anfang vom Ende dieser eigentümlichen Filmreihe. Im Zuge des Super Bowls, vor einem globalen Milliardenpublikum, wurde der erste Trailer ins Netz gestellt und offenbarte eine kaum zu glaubende Ankündigung: Dieser Film, von dem wir jetzt gerade die allerersten Bewegtbilder sehen, wird im Anschluss des Super Bowls via Netflix veröffentlicht. Viel direkter kann man Aufmerksamkeitsgeneration und Verfügbarkeit kaum koppeln. Zu blöd nur, dass „The Cloverfield Paradox“ der mit Abstand schwächste der bisherigen Cloverfield Filme ist.

Ein vierter Cloverfield Film, "Overlord", soll noch dieses Jahr erscheinen.


Eine Energiekrise bringt die Erde an den Rand einer kriegerischen Katastrophe. Die letzte Hoffnung ist die Besatzung an Bord der Raumstation, die einen gigantischen Teilchenbeschleuniger im All zu starten versucht. Wir kennen dieses Szenario. Das internationale Personal unter der Leitung der Amerikaner hat mit technischen Rückschlägen und persönlichen Konkurrenzkämpfen zu tun, bis plötzlich eine sonderbare Katastrophe die eigentliche Handlung einleitet. Die Ähnlichkeiten zu anderen (und ausnahmslos besseren) Filmen sind derart frappierend, dass man in jeder Kritik, in jedem Blogpost, in jedem Privatgespräch dieselben Titel lesen bzw. hören wird: „Event Horizon“, „Sunshine“, „Gravity“, „Interstellar“ oder der letztjährige „Life“. Die von Gugu Mbatha-Raw gespielte Ava, Britin, ist so etwas wie die Hauptfigur, ist sie doch auch die einzige Figur mit einer irgendwie nachvollziehbaren Motivation und so etwas wie emotionaler Glaubwürdigkeit. Neben ihr Amerikaner, ein Ire, ein Deutscher, ein Russe, ein Brasilianer und eine Chinesin. Letztere ist die einzige Person auf der Station, die ausschließlich in ihrer Landessprache kommuniziert, was zunehmend künstlich und auffällig ist, aber noch zu den kleinsten Problemen der Handlung gehört.

Eigentlich mit einem soliden Budget ausgestattet (angeblich gut 30 Millionen US-Dollar), besitzt „The Cloverfield Paradox“ den inszenatorischen Charme einer zweitklassigen Sci-Fi Serie aus den späten 1990er Jahren. Regisseur Julius Onah, nach zahlreichen Kurzfilmen und einem kleinstbudgetierten Spielfilm erstmalig auf einer größeren Bühne, ist wahlweise überfordert oder vom einfallslosen Script alleingelassen. Lahme Dialoge, gehemmte Darsteller und fehlende Emotionalisierung machen den klischeehaften Plot zu einem narkotisierenden Erlebnis, immer nur dann aufregend, wenn deplatzierter Humor oder eine unnötige Nebenhandlung auf der Erde auftauchen. Das zentrale Paradoxon ist so langweilig wie vorhersehbar, im Zeitalter von „Black Mirror“, „Rick & Morty“ oder „Star Trek: Discovery“ kaum der Rede wert. Und dann ist da ja noch das Versprechen, dass wir es irgendwie doch mit einer Cloverfield Fortsetzung zu tun haben. Das Marketingspiel haben wir inzwischen durchschaut, was die späte Offenbarung noch frustrierender macht.

Ist es also nachvollziehbar, so die böse, aber unvermeidbare Frage danach, dass Paramount Studios auf eine kostspielige Kinoauswertung verzichtete und in Netflix einen dankbaren Abnehmer für diesen sicheren Kinoflop fand? Nach der Eigenproduktion „Bright“ ist „The Cloverfield Paradox“ ein weiterer Netflix Titel, den der VOD Anbieter werbewirksam vorstellt und – da die Firma keine verifizierten Klickzahlen vorlegen muss – als Erfolg verkauft. Und tatsächlich werden wohl mehr Leute diesen Film in den ersten zwei Tagen nach dem Super Bowl gesehen haben, als jemals Kinotickets verkauft worden wären. Ob der Film damit ein Erfolg ist und dem entspricht, was eine Zuschauermenge X sehen will, steht auf einem anderen Papier. Noch haben wir nicht gelernt, unsere eigene Zeit als echte Währung wahrzunehmen und einzusetzen. Wer ohnehin ein VOD-Abo besitzt kann seine Neugierde mit einem einfachen Klick befriedigen und ist maximal um zwei Stunden ärmer. Aber vielleicht ist es in dieser Zeit des Konsumwandels angebracht, an diesem Verhalten etwas zu ändern.

Fazit:

Nicht nur der mit Abstand schwächste der bisherigen drei Cloverfield Filme, auch ein langweiliger und flacher Science-Fiction Film generell.

4 / 10

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