BG Kritik:

Codename U.N.C.L.E.


von Michael Eßmann

The Man from U.N.C.L.E. (USA, 2015)
Regisseur: Guy Ritchie
Cast: Henry Cavill, Armie Hammer, Alicia Vikander

Story:
Der Amerikaner Napoleon Solo und der Sowjet Illya Kuryakin müssen mitten im Kalten Krieg zusammen arbeiten, um die Welt vor der Vernichtung zu retten.

"Mission: Impossible", "21 Jump Street", "Starsky & Hutch"… das Alles waren in früheren Zeiten TV-Serien, die in den letzten Jahren zu filmischen Neuvermarktungen im Kino wurden. Manchmal waren es einmalige Abstecher, und in anderen Fällen sind es mittlerweile gut laufende, etablierte Filmserien. Gemeinsam haben aber beinahe alle diese Neuauflagen eines: man katapultiert die Geschichten gnadenlos in die Jetztzeit. Und genau das macht die Neuauflage von "The Man from U.N.C.L.E.", - wie auch der Film im Original heißt - nun nicht. Stattdessen setzt Regisseur Guy Ritchie ("Snatch") ganz bewusst weiter auf das 60er Jahre und Kalter Kriegs-Setting der Serienvorlage, und bedient sich hierbei wie ein Kind mit freier Auswahl in einem Süßwarenladen, mit vollen Händen am ihm Dargebotenem. Gleichzeitig lässt er aber allen Ballast links liegen, und wählt scheinbar nur was ihm notwendig erschien. Mit der von Bond-Erfinder Ian Fleming miterdachten Serie hat der Film also kaum mehr gemeinsam als Namen und die Grundkonstellation.

Mit Superman Darsteller Cavill und Lone Ranger Hammer


Der amerikanische CIA-Spion Napoleon Solo (Cavill) wird in den 1960er Jahren nach Ost-Berlin geschickt, um die Tochter von "Hitlers Lieblingsraketenforscher" in den Westen zu holen, um über die junge Dame an den unlängst verschwundenen Vater heran zu kommen. Dicht hinter Solo, der KGB-Agent Illya Kuryakin, welcher selbstredend alles daran setzt, die Flucht zu vereiteln... Doch bald müssen die beiden Männer sich zusammen raufen, denn es gilt die Welt vor untergetauchten Nazis mit Atomwaffen zu retten. Super-Spion gegen Super-Spion, nur um Minuten später zusammen arbeiten zu müssen, um die Welt zu retten, und im Laufe der Handlung zu bemerken, wie gut man zusammen arbeitet und man trotz der Unterschiede, vieles gemeinsam hat. Ja, auf dem Papier gewinnt die Geschichte sicher keinen Originalitätspreis, aber Guy Ritchies Wiederbelebung einer alten TV-Serie kann man diese und weitere Plattitüden bereits nach wenigen Sekunden des bunten Treibens verzeihen, da durch die durchgehende Atmosphäre der Unbeschwertheit und Coolness, einfach jedwedes Hinterfragen, als geradezu unhöflich daher käme. "Codename U.N.C.L.E." ist ein Spaßfilm, in wunderschön fotografiert, und völlig selbstsicher inszeniert.

Nach zwei Mal „Sherlock Holmes“, mit dem Gespann aus Robert Downey Jr. und Jude Law, bringt Guy Ritchie nun ein neues Duo auf die Leinwand, welches bei genauer Betrachtung eigentlich ein Trio ist, denn die von Alicia Vikander ("Ex Machina") dargestellte Gaby steht hier (fast) ebenso in vorderster Reihe, wie ihre männlichen Kollegen Henry Cavill ("Man of Steel") und Armie Hammer ("The Social Network"). Deutlich mehr, als dies noch z.B. Rachel McAdams im ersten Holmes betraf. Vikanders Gaby steht zwar immer noch einen halben Schritt hinter den Männern, ist aber weit mehr als nur ein sexy Kleiderständer, zu welchem die Damenwelt allzu gerne im echten 60er Jahre Agentenfilm gemacht wurde. Sie hat Biss, Sexappeal und darf schön frech sein, und auch mal kräftig zupacken. Ihre männlichen Darsteller-Kollegen Henry Cavill und Armie Hammer wirken ebenso adrett, wie perfekt besetzt. Wobei Cavill einen sehr ordentlichen Job als klassischer 007 (hier aber als Amerikaner) macht, bei dem nahezu jeder Schuss und auch der Anzug perfekt sitzt, und dem die Damenwelt gerne und reihenweise zu Füßen liegt. Aber auch der sicherlich noch den Flop vom „Lone Ranger“ in den Knochen spürende Hammer macht einen guten Job als harter Mann vom KGB, wobei Ritchie keinem der beiden Männer offensichtlich deutlich den Vorzug gibt. So dürfen beide Herren ihre Momente auskosten, und sich gelegentlich auch harmonisch ergänzen. Was Ritchie hierbei glücklicherweise auch nicht vergisst, ist eine Entwicklung bei den Figuren vonstatten gehen zu lassen. Wenn auch überzeichnet, wirken die Helden so lebendig.

Vom Regisseur von Sherlock Holmes mit Robert Downey Jr.


Obwohl zu hundert Prozent digital gedreht, atmet der Look des Films geradezu den Duft und das Feeling der 60er Jahre Filmrollen. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail coloriert, was "Codename U.N.C.L.E." zu einem ebensolch gelungenem Retro Agenten-Look verhilft, wie ihn wohl bisher nur Jean Dujardin in "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte" verliehen wurde. Das erinnert sehr respektvoll an die Zeiten, als noch ein Sean Connery der berühmteste aller Geheimagenten war, und lädt einfach herrlich nostalgisch zum mitspionieren ein. Auch in puncto Setting und Ausstattung bleiben keine Wünsche offen. Das ist Alles so sehr 60er, mehr geht vermutlich überhaupt nicht in einen Film. Egal ob Blümchenmuster, weiß gerahmte Sonnenbrillen oder dicke Plastikohrringe, hier finden alle 60er Jahre "Sünden" ihren Platz. Ebenso einen festen Platz haben gewisse Agenten-typische Gadgets, welche dann und wann in Szene gezückt werden, und welche das Feeling eines klassischen Spionage-Abenteuers noch unterstreichen.

Tonal ist das Gebotene hierbei alles andere als ernst. So wird hier selbst eine eigentlich brutale Folterszene zu einer leicht verdaulichen Episode im Leben eines Spions, bei der dem Zuschauer wohl nicht für eine Sekunde eine Sorgenfalte übers Gesicht rutschen dürfte. Stattdessen sollte es im Kino in diesem Moment vor Lachfalten nur so wimmeln. Leider bleibt bei diesem lockeren Ton aber die Spannung etwas auf der Strecke, denn der erste gemeinsame Fall von Kuryakin und Solo im Kino, zieht sich doch an einigen Punkten mehr, als der explodierende Kaugummi aus der ersten unmöglichen Mission eines gewissen Ethan Hunt. Und zwar ab und an sogar recht deutlich. Hervorgehoben wird dies nochmals, durch die Inszenierung der Action, und deren Schnitt und Präsentation. Denn anstatt eine große Schießerei auch entsprechend groß zu vermarkten, macht Ritchie "lediglich" eine schicke Split Screen-Kollage daraus, und so dürfte sich der neue Ritchie für pure Action-Freunde an dieser Front deutlich zu weit zurück nehmen. Hierbei kann man es z.B. auf gar keinen Fall mit dem gerade gestartetem fünften Teil der "Mission: Impossible"-Reihe und auch nicht mit "Kingsman: The Secret Service" von Ritchies Freund und Weggefährte Matthew Vaughn aufnehmen. Dies will Guy Ritchie aber ganz offensichtlich auch gar nicht, denn er zelebriert die Action in seinem "Codename U.N.C.L.E." nicht nur nicht, nein, er reduziert die vorhandene Action offenkundig auch noch bewusst. Ritchie bricht hierbei geschickt mit gängigen Konventionen, - macht nicht schneller, lauter, näher dran und wackelig - indem er eine Actionszene nimmt, diese dem Zuschauer vorsetzt, nur um sie ihm direkt wieder "wegzunehmen", in dem er stattdessen den Fokus verschiebt. Die Action gibt es dann "nur" noch in der Reflexion einer Glasscheibe, hinter der sich Napoleon Solo das Treiben genüsslich - bei einem mitternächtlichen Snack und einem Gläschen Rotwein - bestaunt. Was sich nun vielleicht langweilig anhören mag, gehört zu den witzigsten und cleversten Szenen, in einem Film voller witziger und cleverer Szenen, und noch dazu herrlich untermalt. Was Komponist Daniel Pemberton ("The Counselor") hier insgesamt vermixt, liegt irgendwo zwischen den Klängen aus Steven Soderberghs "Ocean's Eleven" und Ennio Morricones Arbeiten bei Sergio Leones sogenannter "Dollar-Trilogie", angereichert mit Kastagnetten- und Gitarren-Klängen und einer guten Portion Swing, aus den Swinging Sixties. Ein ins Ohr gehender Mix, der ganz wunderbar den Ton von Guy Ritchies Inszenierung unterstützt, da der einfach Spaß, Pfiff und eine gute Zeit versprüht und verspricht.

Fazit:

Guy Ritchies "Codename U.N.C.L.E." macht aus dem Kalten Krieg einen (nicht ganz) heißen Action-Ritt und eine coole Zeit im Kino. Eine Agenten-Action-Komödie mit einem wunderbaren Retro-Flair, die nostalgisch werden lässt, und von der man gerne demnächst mehr hätte. Dann kann aber ruhig etwas mehr Action und Spannung zum perfekten Look, Coolness und Style geboten werden. Der Cast muss aber bleiben.

7 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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