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Kritik:
Colombiana


von Christian Mester

COLOMBIANA (2011)
Regie: Olivier Megaton
Cast: Zoe Saldana, Michael Vartan, Cliff Curtis

Story:
Mit neun Jahren erlebt die Tochter eines Geschäftsmannes in Bogota, wie dieser von einem Gangsterboss (Beto Benites) ausgeschaltet wird. Von ihrem Vater bereits früh auf jenen Tag X vorbereitet, flieht die junge Cataleya und entkommt in die Vereinigte Staaten, in denen sie Zuflucht bei ihrem ausgewanderten Onkel Emilio (Cliff Curtis), einem bekannten Mafiosi sucht. 15 Jahre später ist sie eine ausgebildete Elite-Attentäterin (Zoe Saldana) mit hohem Bodycount, die nach wie vor daraufhin arbeitet, den untergetauchten Killer ihrer Eltern zu finden. Konflikte kommen alsbald in Form ihres naiven Liebhabers (Michael Vartan) auf, der ihre Geheimniskrämerei nicht länger erdulden will und ohne ihr Wissen ein Foto von ihr macht, um sie einem seiner Freunde zu zeigen. Plötzlich kommen ihr hartnäckige Bundesagenten auf die Schliche, die ihren groß angelegten Rachefeldzug maßgeblich erschweren.

Kritik:
In einer Liste von Schauspielerinnen, die regelmäßig in Actionstoffen überzeugen, ist sie fraglos die unangefochtene Nummer 1: das Ex-Model Milla Jovovich – aktuell mit den tollkühnen 3D Musketieren im Kino zu sehen. Keine andere Darstellerin fühlt sich bei Schießereien, Stunts und choreographierten Auseinandersetzungen wohler als die geborene Ukrainerin, die nach besagten Musketieren, den beiden Science-Fiction-Actiontiteln Ultraviolet und Das fünfte Element, sowie nach gleich fünf Teilen Resident Evil heute keinem mehr etwas beweisen muss. 

Jenen Rang will ihr nun aber eine junge Amerikanerin streitig machen, denn die Ex-Ballerina Zoe Saldana scheint Action geradezu zu lieben. Saldana spielte die blaue Alien-Kriegerin Neytiri in Avatar: Aufbruch nach Pandora, trotzte Jack Sparrow im ersten Pirates of the Caribbean, tauchte dann selbstbewusst als neue Uhura im Star Trek Reboot auf und lud ihre Maschinengewehre in der Comic-Verfilmung The Losers. Verantwortlich für ihren neuesten Beitrag ist Frankreichs Action-Papst Luc Besson, der 1997 Jovovich entdeckte und mit seinem Attentäter-Epos Leon – Der Profi einen Genreklassiker schuf. Ursprünglich war das Script Colombianas die Vorlage für einen zweiten Teil, in dem Leons erwachsene Ziehtochter Mathilda Jagd auf Gangster gemacht hätte. Da Natalie Portman jedoch keine Zeit fand, schrieb man die Geschichte kurzerhand zu einer neuen um, hoffend, sie laufe genau so gut wie Bessons andere französischen Produktionen Nikita, From Paris with Love, 96 Hours, Taxi, The Transporter, Kiss of the Dragon und Ghettogangz - Die Hölle vor Paris.

Mit ihren rund 1,70m und 50kg Kampfgewicht mag Zoe Saldana zunächst nicht allzu gefährlich wirken, doch schon nach ihrer ersten größeren Sequenz im Film wird glaubhaft gemacht, wie ein einflussreicher Drogenbaron tatsächlich dazu kommen kann, dank dieser Frau nachts nicht mehr ruhig schlafen zu können. Cataleya erweist sich als erstklassige Assassinin, die durch Verkleidungen und Akrobatik Gebäude nahezu unsichtbar infiltriert, ausgebildete Gegner überwältigt und die ihre körperlichen Schwächen mit Bomben, High-Tech, gepanzerten Vans und groß-kalibrigen Schusswaffen wieder wettmacht. Im Umgang mit diesen, in akrobatischen Mission-Impossible-Manövern und in vereinzelten Martial-Arts-Einlagen wirkt Saldana in ihrer Rolle immerzu souverän. So nimmt man es ihr ab, schon jahrelang erfolgreich Attentate verübt zu haben und dabei gerissen sowohl der Polizei, als auch dem organisierten Verbrechen entgangen zu sein. Ähnlicher Routinencharakter lässt sich auch Regisseur Olivier Megaton (The Transporter 3) zusprechen, der seinen Film mit stattlichen Verfolgungsjagden, Schießereien und einem kurzen Kampf in einem Badezimmer spickt, als drehe seit jeher nichts anderes. 

Das gemeinsame Problem beider Beteiligten besteht darin, dass beiden etwas fehlt. So ist Saldana die meiste Zeit über ein unnahbar kühler, ausdrucksloser Eisblock, der nur für kurzes, dann aber gefühlsloses Techtelmechtel mit Michael Vartan auftaut. Visuell passt Saldana perfekt zur Rolle, vermag aber es nicht ihren eigentlichen Charakter interessant zu gestalten. Dass unter der obsessiven Killer-Fassade ein verzweifeltes, fragiles Mädchen steckt, die durch den Mord am Elternmörder endlich mit traumatischen Rachegelüsten abschließen will, müsste ebenso faszinieren wie Leons Geschichte mit Mathilda und den Blumentöpfen, schimmert hier aber zu selten durch, wird nicht ausreichend verarbeitet. Reduziert wird es auf eine stumpfe Präsenz, bei der es scheinbar wichtiger wird, sie oft in ihrer Unterwäsche, als in aufgewühlten Emotionen zu zeigen. Auch Olivier Megaton darf sich Colombiana als Enttäuschung auf die Kappe schreiben, denn so wie seine Hauptfigur Cataleya unnahbar kalt bleibt, weiß auch der Verlauf ihrer Geschichte nicht näher zu fesseln. So erzählt sie beispielsweise mehrfach, dass sie ihr ganzes Leben lang auf diese eine Vergeltungsjagd ausgerichtet habe, doch als sie ihrem Peiniger dann endlich nahe kommt, ändert sich nichts an der Grundspannung. Das vermeintlich hochdramatische Finale, in der sie dann auch erstmals kurzzeitig einstecken muss, wirkt ebenso wie alle anderen Aufträge im Film: generisch, klischeehaft, abgedroschen; ebenso generisch wie die mittlerweile ausgediente Farbwahl, alle südamerikanischen Gefilde in Gelbstich zeigen zu müssen. 

Bei näherer Betrachtung ist Cataleyas Vorgehen relativ suboptimal. So wird gesagt, dass sie seit Jahren Bekannte ihres Elternmörders töte, um diesen dadurch aus seinem Versteck zu locken. Das funktioniert allerdings nicht, da sich dieser davon verschreckt nur immer ängstlicher verschanzt. Nachvollziehbar wäre es, gezielt einen vermeintlichen Fehler zu begehen und sich somit als Lockvogel zu zeigen, doch auch das macht sie nicht. Stattdessen jagt sie eisern den unauffindbar Versteckten, indem sie sich selbst unauffindbar versteckt. Dann unterzeichnet sie jedes ihrer Opfer mit einem auffälligen Blütensymbol – dem einer Orchidee, die ausgerechnet ihren seltenen Namen trägt. Erst nach 22 Morden fällt einem der Cops durch Zufall auf, das besagter Blumennamen als Personenname im Bekanntenkreis aller bisheriger Opfer registriert ist. 

Hinuntergezogen wird der Film letzten Endes noch von seiner Schar an Nebendarstellern, die alle entweder zu kurz kommen und somit belanglos bleiben, oder auch einfach nur langweilig erscheinen. Mentor Cliff Curtis versucht sich an einer Al-Pacino-in-Scarface-Imitation und Michael Vartan lässt völlig vergessen, dass er in fünf Staffeln Alias – Die Agentin bereits schon mal eine Attentäterin zur Freundin hatte. Bad Boys 2 Bösewicht Jordi Molla gibt den Handlanger des gesichtslosen Anführers, kommt aber zu kurz, und auch der verantwortliche Ermittler könnte kaum austauschbarer sein. Auffällig im Vergleich zu anderen Besson Produktionen ist, dass Colombiana überraschend blutarm ausfällt: dafür, dass Cataleya unentwegt mordet, Leute von Haien und Kampfhunden zerfleischt werden und sie auch mal mit Zahnbürsten zusticht, wird jede noch so kleine Wunde gezielt versteckt.

Fazit:
Colombiana ist ein zwar routiniert inszenierter, aber auch enttäuschend klischeehafter Actionfilm geworden, der nichts Neues aufbringt und nie merklich spannend, spektakulär oder gar spaßig ausfällt. Ein nur durchschnittlicher Genrebeitrag, der hoffen lässt, dass der vom selben Studio geplante 96 Hours 2 rasch folgt.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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