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KRITIK:
PHANTOM COMMANDO
von
Christian Mester
Anmerk. d. R.: Aus jugendschutzrechtlichen Gründen
ist selbstverständlich die gekürzte Free-TV Fassung
gemeint.
COMMANDO (1988)
Regie: M Night Shyamalan
Cast: Arnold Schwarzenegger, Dan Hedaya, Bill Duke
Story:
Ex-Elitesoldat
John Matrix (Arnold Schwarzenegger) springt aus
einem Flugzeug, reißt Telefonzellen aus der Wand und
erschießt sehr zum Ärgernis eines fiesen Politikers (verschwitzt: Dan Hedaya) 5000 Leute. Warum? Warum denn nicht?
könnte man zur Abwechslung mal fragen, aber er hat
tatsächlich einen guten Grund. Weil man seine
niedliche Tochter entführt hat und törichterweise annimmt,
ihn damit erpressen zu können. Derber Fehler.
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Es gab Ideen für ein Sequel,
das jedoch nie kam |
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Kritik:
"Terminator", "Eraser", "True Lies" - das sind die
Filme des Governators, die alle kennen, selbst "Junior","Der
Kindergarten Cop" und "The 6th Day" sind
handlich. Sein "Phantom Commando" hingegen ist jedoch nur wenigen ein
Begriff, da er vor allem hierzulande denselben
lausigen Bekanntheitsgrad wie Arnies "Der
City Hai", "Red Sonja" und "Red Heat"
erleidet. Die drei sind
auch bloß mau bis okay und nicht länger der Rede
wert, aber dass man "Phantom Commando" noch immer
keine Staatsdenkmal gemeißelt hat, liegt irgendwo zwischen
unvorstellbar unverständlich und absolut überfällig.
Anstatt Barrack Obama den Friedensnobelpreis zu
geben hätte man diesem Film längst seine überfällige Ehre
erweisen sollen, denn
"Phantom Commando" ist schlichtweg B-Movie
Action in Perfektion. Gut, der Friedensnobelpreis
speziell wäre vielleicht etwas unglücklich gewählt,
aber trotzdem.
Um das zu erklären, muss man erst einmal die Muskeln
flexen und bei etwas Bodylotion überlegen, was
B-Movie überhaupt bedeutet. In den letzten 50 Jahren
gab es da verschiedene Definitionen und
selbst heut wird man auf vier verschiedenen
Enzyklopädien (ja, es gibt nicht nur Wikipedia) vier
verschiedene Beschreibungen finden, aber man könnte
möglicherweise generell sagen, dass es spezielle Genrefilme und
die Ansprüche an sie beschreibt. Das B in B-Movie steht nun
offensichtlich für zweitklassig, was aber nicht
automatisch heißt, dass ein B-Movie nicht
genau so gut oder gar besser als ein A Movie sein
kann.
In erster Linie bedeutet das zunächst, dass ein
solcher Film nicht versucht, die gewohnten
Qualitäten von guten Filmen - beeindruckendes Schauspiel,
aufwendiger Look, Dialoge die bewegen, mitreißende
Soundtracks etc. usw. - zu erzielen. Ein Lundgren "The Punisher" hat dafür nichts über, er
spuckt den Kautabak in die Tonne und lädt nach, zur
Not kaut er Patronen oder noch besser: lässt andere
Salven fressen. Es bedeutet, dass auf gewohnte
Konventionen und Erwartungen nichts gegeben wird,
man sich dafür auf gewisse andere Sachen stürzt und die
intensiviert. Man kann beispielsweise sagen, dass
Arnolds Mumm und Badassery in "Predator" von einem
Westernhelden abgeschaut ist - nur, dass sich die
Macher in dem Fall gesagt haben, wir nehmen uns die
Coolness des Helden, seine Shootouts und das reicht
uns dann. Daraus machen wir einen ganzen Film. Natürlich
neigt man dann dazu,
das ganze zu überzeichnen und es ist automatisch
lustig, wenn der Hero vor nichts Angst hat und
unrealistische Massen an Gegnern erledigt. Das ist
dann aber auch in Ordnung, denn Spaß ist bei den
meisten B-Movies das A und O. Wer sich bei einem Van
Damme darüber beschwert, dass seine Rolle
eindimensional ist, er nur kloppt und Frauen
imponiert und dann sagt, das sei platt, hat das Prinzip nicht
verstanden. Dennoch heißt es
nicht, dass alles gleich gut wäre. Mitnichten.
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Es gibt ein russisches Remake namens PHANTOM
COMMANDO: DIE RÜCKKEHR,
ein US Pendant ist in Planung |
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Es gibt
ganz gewaltige Unterschiede zwischen den Seagals,
Dudikoffs, Jai Whites und
Van Dammes der Branche, ihren alten und neuen
Filmen. "Phantom Commando" stellt hierbei das
absolute Maximum einer von zwei möglichen Spitzen
dar. Der eben schon genannte "Predator" ist die eine
- hier funktioniert das Konzept Muskeln, Machos,
Männerschweiß und Zoten zufälligerweise auf der
ernsten Schiene. Was ebenso völliger VHS-Trash hätte
werden können (bestes Beispiel: die schrottige
AVP-Nachmache "Alien vs Hunter"), funktioniert
hier als
ernstzunehmender Actionfilm mit tatsächlicher
Spannung und Qualitäten, die es sonst bloß bei
anderen Filmen gibt. Allein Alan Silvestris
Soundtrack ist Weltklasse, John McTiernans Regie
grandios. Andere thematisch-inhaltlich ähnliche Beispiele wären "Stirb Langsam", "The
Rock" und "Im Körper des Feindes".
Das gibt's in "Phantom Commando" nicht, dafür
reiht er sich Filmen wie "Con Air" oder "Die City Cobra" zu,
und dort ganz oben an die Spitze. Die Rede ist von B-Movie Actionfilmen, die dämlich, dusselig,
bescheuert und vollkommen überzogen sind, das
Bankdrücken aber trotzdem schaffen.
Weil sie die Kunst schaffen, blöde, aber nicht
nervig blöde zu sein, weil sie denkwürdige Oneliner
beinhalten und mit so einem Drive vorwärts jagen,
dass es nie langweilig wird. Und Spaß machen.
Dass Stahlheber und Slip-Poser Arnold Schwarzenegger
mit seinem Akzent überhaupt irgendjemals eine
Sprechrolle bekam, sollte ein Wunder sein, aber es
ist absolut verständlich, wieso ausgerechnet er
zwischen all den Bodybuildern mit
Schauspielaspiration wie Lou Ferrigno oder Franco
Columbu neben Sly Stallone zur weltgrößten
Actionikone wurde: weil er unheimliches Charisma
hat. Arnold hat die gottgegebene Gabe, selbst
konzentrierten Schwachsinn mit einer gewissen
Präsenz darzustellen, die einfach unheimlich
unterhaltsam und sehenswert ist. Am schlimmsten sind
Filmfiguren, die nichts sind, keine Persönlichkeit
haben, austauschbar sind. John Matrix ist, man kann
es nicht anders sagen, awesome. Das zeigt schon die
Introsequenz, in der Arnold einem Terroristen
gegenüber steht, der ihm sagt, er müsse einsehen,
dass er alles tun muss um seine Tochter zu retten -
er entgegnet "falsch!" und pustet ihn gegen jede
Konvention um. Das kann eigentlich nicht
funktionieren, das kann in elf von zwölf Fällen nur
lächerlich enden, aber Arnie schaffts, und das hat er
auch Regisseur Mark L. Lester zu verdanken. Man mag
sich vor die Stirn schlagen und mit dem Kopf
schütteln, allerdings aus Spaß, weils so herrlich
bescheuert ist - und man merkt einfach, dass DeSouza
sich immer wieder überlegt hat, wie man etwas
Bescheuertes noch mehr ausloten kann.
Steven E. DeSouza macht hier mehr aus der
Story, als er machen dürfte. Obwohl die Handlung
vollkommen berechenbar sein sollte - Matrix killt alle
und kriegt sein Kind zurück - führt die Story so
abwechslungsreich durch Los Angeles, dass man stets
überrascht wird. Dazu kommt, dass an jeder Location
irgendein Highlight aufkommt. Ganz egal, ob Arnie
sich mit "Predator" Co-Star Bill Duke vor einem
nackten Pärchen rauft, in Kaufhausmalls herumtarzant oder seine unfreiwillige
Begleitung spontan mit einem Vierfach-Raketenwerfer
um sich schießt, gebannt darf man das Popcorn
schaufeln und eine tolle Szene nach der anderen
erwarten, man kriegt sie. Die Story hat sogar einen Hauch von
Spannung. Arnie kämpft gegen die Zeit (er inszeniert
seinen Abtransport und muss jeden erledigen, der ihn
dann
identifiziert). Im
Gegensatz zu vielen anderen Genrekollegen gibt es
somit keine Verschnaufpausen, keine Liebesszenen
oder sonstigen Lückenfüller. Einmal geladen geht's
mit Schmackes bergab und Arnie gibt immer mehr und
mehr Gas, was dann im ikonischen
Bombast-Genozid-FreeforAll-Ende mündet: Arnie
mäht gefühlt Hunderte um. Ungepanzert, er geht nicht
mal in Deckung und lässt eine ganze Legion
abschmauchen. Im Gegensatz zu "Rambo IV" ist es
jedoch wesentlich comic-hafter; es ist unblutig und
komplett ohne politische Note. Man kann den
Bodycount gar nicht anschwärzen, da jeder
Erschossene banale Schießbudenfigur ist, deswegen
darf und soll man auch gewissenhaft mitlachen.
Toll ist
auch, dass es neben Arnie noch andere sehenswerte
Figuren gibt. Ein großes Manko fast aller dieser
Filme ist es, dass es immer einbricht, geht's vom
Helden weg. Hier nicht, denn Dan Hedaya ("Alien:
Resurrection") und sein drahtiges Brusthaar sind ein herrlich schmieriger Bastard,
der eiskalte Bill Duke ("X-Men 3") ein Brocken, mit dem man sich
nicht anlegen will, David Patrick Kelly die
Manifestation einer aalglatten Ratte, Rae Dawn Chong
wirkt anfangs noch nervend überdreht, doch
spätestens beim 28sten Schauen wird deutlich, dass
sie wichtig ist. Sie gibt dem Ganzen Esprit und
bleibt die normale Mitte, lässt das Stumpfe nicht zu
stumpf werden, ist aber dennoch nicht bloß Klotz am
Bein. Im Gegenteil, hier rettet sie Schwarzeneggers
Rolle sogar, und das auf eine Art, die Charme hat.
Bennett. Was wäre der Film ohne Bennett. Bennett ist
der Hauptgegenspieler Arnies, da er den direkten
Gegenpol mimt: Bennett, gespielt von Vernon Wells
(der Iro-Träger aus "Mad Max 2"), ist ehrenlos,
feige und sagt, er stehe darauf, anderen Schmerzen
zu bereiten. Als weiterer Gegensatz ist er aber auch
vollkommen inkompetent und ein Witz im Rampenlicht.
Schon sein Kostüm (das eigentlich für einen
kleineren Darsteller gedacht war und nicht mehr
geänderte wurde und ihn deswegen wie eine Presswurst
aussehen lässt) sagt alles, mit dem überflüssigen
Kettenhemd, dem YMCA-Schnurrbart, den kindisch
naiven Blicken; er ist der lächerlichste
Pseudo-Elitesoldat, den es je in einem größeren Film
zu sehen gab. Das unterstreicht er auch noch mit
erbärmlich dämlichen Sprüchen, die er herrlich
überbretzelt spielt und fantastisch mit Arnolds "Was
bist du denn für einer? Ich ess Green Berets wie
dich zum Frühstück" Blicken wirkt.
Über den
geloopten Plimplimplim Score darf man streiten. Der
Sound soll offensichtlich das südamerikanische
Temperament der Gegend darstellen, in der Matrix
seinen Auftrag bestreiten soll... er ist aber bis
aufs Finale nur in LA unterwegs und da wirkt's etwas
seltsam, dennoch hat der Score seinen ganz eigenen
Klang, der über die Jahre nicht ohne Grund zum
kleinen Kultcharakter beigetragen hat. "Phantom
Commando" ist großartige, Großkaliberunterhaltung.
Fazit:
Arnold
Schwarzenegger fährt in einer Szene mit 100 unangeschnallt gegen
einen Strommast, steigt aus, hält einen Mann an
einer Hand über eine Klippe und lässt ihn los, hält
dieses Niveau aber von Anfang bis Ende. Ein
Meisterwerk.
10 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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