hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Compliance


von Michael Herbst

COMPLIANCE
(2013)
Regisseur: Craig Zobel
Cast: Dreama Walker, Ann Dowd

Story:
Ein Polizist ruft in einem Fastfood-Restaurant an und erzählt der Geschäftsführerin Sandra, eine ihrer Mitarbeiterinnen sei soeben des Diebstahls angeklagt worden. Die unsichere Frau fühlt sich ausgeliefert und tut wie man ihr befiehlt: sie sperrt die junge Kollegin Becky ein und fängt an, sie auf Befehl zu bedrängen. Nicht ahnend, dass die Stimme am Apparat von keiner Polizeiwache kommt...

Kritik:
Die ungemütlichsten Geschichten schreibt das Leben manchmal selbst, ohne erfunden werden zu müssen. Was, wenn die Arbeitskollegin einen im Hinterzimmer einsperrt und befehlt, dass man sich vor ihr auszieht? Eine unfassbare Situation, die tatsächlich passierte und deren Hergang hier im Film verständlich nachgestellt ist.

Nach einem knappen Einstieg zur Vorstellung der Hauptfiguren beginnt das Psychospiel des Täters, der sich mühsam auf die Situation vorbereitet hat und eine einfallsreiche Mischung aus Zeitdruck, dominanter Drohgebärde und falscher Sympathie einsetzt. Er droht ihnen damit, dass die Kellnerin ins Gefängnis wandern und die Managerin ihren Job verlieren könnte, dass beide ihren Ruf verlieren könnten und mit möglicher Schließung des Lokals auch noch die Schicksale der anderen, unbeteiligten Kollegen mit betroffen sind. Fügen sie sich aber seinen Worten, werde alles zu ihrem Gunsten ablaufen. Er sei auf ihrer Seite. Besser, die Diebin entblöße sich vor einer bekannten Kollegin als vor mehreren Polizisten auf dem Revier. Stellen sie ihn in Frage, warnt er vor unliebsameren Kollegen, ist plötzlich im Meeting oder behauptet, bereits mit dem Bereichsleiter der Filialkette zu sprechen. Dazu sind beide Frauen ungebildet, ohne Rückhalt und mit stark eingeschränkter Perspektive versehen. Sie haben nicht viel, nicht viele Möglichkeiten und demnach viel zu verlieren. Gefundene Opfer für einen Irren, der sich weit entfernt nur an den Gedanken aufgeilt, was seine Worte anzurichten vermögen.

Bei dem unfassbaren falschen Ausziehen soll es nicht bleiben. Compliance ("Gehorsam") zieht viele Register von Erniedrigungen, ist als Portrait dieser aber kein Exploitationfilm geworden. Es gibt Nacktheit und sexuelle Übergriffe, aber diese sind knapp gehalten und stets d'accord mit den wahren Ereignissen. Nichts wurde für den Film übertrieben. Zobel zeigt Becky als Opfer, beutet sie visuell aber selbst nicht aus. Den größeren Fokus legt er auf das wortreiche Spiel der Drei, bei der Becky nach und nach ihren Widerstand aufgibt und willenlos alles mit sich machen lässt, Sandra zwischen Angst vor dem Gesetz und Loyalität zur Kollegin pendelt und der Täter vorsichtig immer noch weiter zu gehen versucht, ohne sein Spiel auffliegen zu lassen.

Ein Film, in dem Craig Zobel authentisch die mögliche wörtliche Grausamkeit unter Menschen aufzeigt und die Gefahr die darin besteht, zu hörig zu sein, zuviel Respekt vor scheinbaren Respektspersonen zu haben. Man will Sandra Vernunft entgegen schreien, Becky jederzeit aus dieser Gräuel retten und bleibt fassungslos, wie sich das Geschehen derart entfalten kann. Ein stark gespieltes kleines Drama, das wirkungsvoll auf eine wichtige Message hinweist. Da draußen gibt es schwache Menschen, die leicht Opfer werden können und Menschen, die dies ausnutzen versuchen. Zeit, Mut zum eigenen Schutz zu haben. Klaustrophobisch spielt sich das meiste in einem Hinterraum des Restaurants ab, Musik gibt es fast keine. Zobel vertraut auf den Effekt seiner Schauspieler und diese liefern es. In einem schwächeren Oscar Jahr wären beide Frauen nominiert gewesen, keine Frage.

Fazit:
Die eigenen Grenzen schützen, Fragwürdiges hinterfragen und sich mutig zu widersetzen trauen. Compliance ruft diese eigentlich essentiellen Verhaltensweisen anhand der Nachstellung eines ebenso unfassbaren wie ungemütlichen echten Falles eindrucksvoll in Erinnerung. Ein effektiv frustrierendes Drama, das nachdenklich stimmt. Kein leichter, aber ein wichtiger Film. 

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich