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Interview-Special:
The Bereitsgesehen Conversation


Ein Interview mit einem Mitglied der BG Community: 

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe von Bereitsgelesen. Heute widmen wir uns dem User Dr. Serizawa und werden uns ein wenig mit der asiatischen Filmszene auseinander setzen.

01) Stelle dich doch bitte erst einmal vor. Wie bist du Teil der BG Community geworden, wie hast du das Forum entdeckt, bist zum Moderator geworden und was sind deine aktuellen Aufgaben? 

Tja, dann fangen wir mal an. Ich heiße Gonçalves William, bin portugiesischer Abstammung und lebe momentan im Großherzogtum Luxemburg. Aktuell verfolge ich ein Studium als Historiker, und möchte späterhin Geschichtslehrer / Professor werden. 
Laut meinem Profil bin ich am 27. Oktober Teil der Community geworden. Wie es dazu kam? Nun ich bin davor bereits im deutschen Godzilla-Forum aktiv gewesen (das heute nicht mehr existiert) und noch in anderen Foren mit dem Thema Monsterfilme / Trashfilme. Diese Seiten genügten mir aber ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr um Infos zu neueren Produktionen zu finden. So fand ich zum ersten Mal Bereitsgesehen.de, blieb aber immer auf der Hauptseite und hatte keine Kenntnis über das Forum. Dies änderte sich dann 2006. Ich kam in eine neue Schule und machte auf dem Schulhof die Bekanntschaft von WingedDevil (der andere Luxemburger aus dem Forum). Ich kann mich noch erinnern dass ich ihn ansprach weil mir sein „Freitag der 13: Das letzte Kapitel“ sehr gefiel. So machte ich die Bekanntschaft eines anderen Filmliebhabers, der dazu noch die alten Godzilla-Filme mochte. Er erzählte mir dann über das bereitsgesehen.de Forum und ich sah es mir mal an. Es gefiel mir was ich sah, und so kam es dass ich mich unter dem Usernamen Megaguirus01 anmeldete (der Name eines Monsters aus dem Godzilla-Universum den ich auch in anderen Foren benutzte). Ich schloss das Forum sehr schnell ins Herz, und machte es zu meinem Hauptforum. Nach einigen Jahren entschied ich mich von meinem Namen Megaguirus01 zu trennen und Dr. Serizawa zu wählen. 

Ich glaube dass meine Wahl zum Moderator mit dem ersten Kölner BG-Treffen 2010 zusammenhängt. Generell war dieses Jahr eine große Wandlung für mich im Forum. In den ersten Jahren bin ich nie aufgefallen im Forum. Schrieb zwar immer meine Meinung zu Filmen, die ich gesehen hatte und meldete mich kurz in dem einen oder anderen Off-Topic Thread, aber ohne mich irgendwie von der Masse hervorzuheben. Die erste Änderung kam, als ich von Bereitsgetestet.de gefragt wurde Kritiken zu den Death Note Filmen zu verfassen. Irgendwie war denen aufgefallen, dass ich mich mit der Vorlage sehr gut auskannte. Etwas später fing ich dann an die Godzilla-Kritiken zu schreiben (eine Arbeit die ich momentan gestoppt habe, allerdings wieder aufnehmen werde für den Release des neuen Films), welche bei einige Usern wirklich gut ankamen. Dann kam eben das vorhin erwähnte Treffen, wo ich die Bekanntschaft von einigen Mitgliedern machte, darunter Jay und Joel. Scheine wohl einen guten Eindruck hinterlassen zu haben, da ich einige Wochen danach gefragt wurde ob ich Interesse daran hätte Moderator zu werden. Ich sagte zu und so kam es, dass Diego de la Vega, WingedDevil und ich zu neuen Moderatoren wurden. 

Meine Aufgaben bestehen darin News zu schreiben, und so wie die anderen Moderatoren im Forum, auf Recht und Ordnung zu achten. Beim News schreiben hab ich mich aber in letzter Zeit etwas rar gemacht. Liegt einerseits am Zeitmangel, und andererseits, dass es mir manchmal schwer fällt mich im Deutschen richtig auszudrücken. Aber mit Diego haben wir ja jemanden der das bestens kann.

02) Im Forum ist es weitläufig bekannt, dass du dich sehr gut mit Asia-Filmen auskennst. Wie ist es dazu gekommen? Wie sah deine erste Berührung mit asiatischen Filmen aus und woher kommt die Begeisterung? 

Sagen wir es mal so: Ich kenne mich eher mit dem japanischen Kino aus, als dem gesamten asiatischen Raum. Diese Faszination fand seinen Ursprung bereits in meiner Kindheit, von wo an sie immer präsent war. Der erste Kontakt an dem ich mich erinnern kann, war im alter von 4 Jahren als ich zum ersten Mal den Film „Godzilla der Urgigant“ gesehen habe. Wie viele andere Kinder aus dieser Zeit war ich ungemein fasziniert von Dinosauriern, als ich dann Godzilla sah, war ich wie weggefegt. Zum heutigen Godzilla-Fan wurde ich aber erst viel Später. Zwar sah ich immer wieder Filme im TV (vor allem damals als das Us - Remake in den Kinos lief), ohne mich aber weiter damit auseinanderzusetzen. 
Was mich deutlich mehr geprägt hat war der Animé. Dazu muss man wissen, dass in Frankreich schon in den frühen 80er eine Japan-Mania ausbrach und allerhand Animés und Serien im Style der Power Rangers ihren Weg ins Fernsehen fand (In Luxemburg empfängt man Fernsehsender der angrenzenden Länder). Ich wuchs mit Dragonball, DBZ, Goldorak, Captain Harlock, Robotech, Bioman etc. auf. Als z.B. im Deutschen TV Dragonball Z startete, hatte ich die Serie bereits komplett auf französischen Sendern gesehen. 

Im Alter von 14 Jahren kam dann meine Begeisterung für Godzilla. Durch einen Freund konnte ich einige der 90er Jahre Filme nachholen und entdeckte eine neue Welt für mich. Von da an eroberte Godzilla mein Herz und ließ es nicht mehr los. Ich meldete mich in Foren an, versuchte so viele Filme/Bücher/CDs wie möglich in Geschäften zu kaufen (damals kannte ich Amazon und co noch nicht). Die Filme hatten für mich eine Art magische Ausstrahlung. Von den Handgemachten Effekten war ich begeistert und vor allem mit dem Original-Film entdeckte ich einen meiner Lieblings-Filme überhaupt. Ein Beispiel meines Godzilla-Wahns wäre z.B., dass ich mir 2004 den letzten Godzilla-Film für 70 € importieren ließ (DVDs sind in Japan höllisch teuer), obwohl ich wusste, dass der Film 4 Monate später in Deutschland in einer limitierten Auflage erscheinen würde (die ich dann auch gekauft habe). Nach den Godzilla-Filmen versuchte ich dann andere japanische Filme dieser Art zu finden. Doch meine eigentliche Liebe für das japanische Kino verdanke ich Hollywood. 

Nach meiner ersten Sichtung von The Last Samurai wollte ich mehr Samurai-Filme finden. So stolperte ich auf den Film, der meine Filmleidenschaft dem Reich der aufgehenden Sonne zuteilte: „Akira Kurosawas Die sieben Samurai“. Obwohl ich eigentlich Materialschlachten und Samurai Action (sowie das Cover es fälschlicherweise versprach) erwartete, berührte mich die gesamte Umsetzung des Films. Trotz seiner Länge kam mir der Film nicht langweilig vor. Ich mochte das Setting, die Schauspieler und die Psychologie des Films. Die Umgebung berührte dann auch den Historiker in mir, und ich setzte mich mit der japanischen Kultur auseinander. Von da an wand ich mich dem gesamten japanischen Kino zu und konnte richtige Perlen finden. Ich entdeckte nach und nach Schauspieler von denen ich immer mehr Filme sehen wollte (Sonny Chiba, Hiroyuki Sanada, Toshiro Mifune). 
Jetzt, seit ungefähr zwei Jahren, habe ich mich auch vermehrt an die Filmproduktionen von China und Hongkong gewandt. Mittlerweile ist bei mir der asiatische Film einfach nicht mehr wegzudenken. Von meinen ungefähr 500 DVDs sind die Hälfte davon asiatische Filme. Von denen wiederum machen die japanischen Filme ungefähr 80 % aus. Von Regisseur Akira Kurosawa besitze ich 23 Filme (mir fehlen noch 7), und auch sonst habe ich mich mit keinem anderen Regisseur so auseinandergesetzt wie mit ihm.

03) Es gibt sicherlich einige User im Forum, wie mich, die bisher kaum Erfahrungen mit japanischen Filmen, oder allgemein asiatischen Filmen, gemacht haben. Kannst du mir erklären, was die entscheidenden Unterschiede zu den typischen Hollywood Produktionen sind? Was zeichnet japanische Filme im Besonderen aus? Und welche Filme würdest du jemandem empfehlen, der diese Welt für sich entdecken möchte? 

Wer sich gerne mit dem japanischen Film auseinandersetzen möchte, der muss sich im Klaren sein, dass er eine Portion Geduld mit sich bringen muss. In Japan ist es nämlich Tradition in Filmen den Fokus auf die einzelnen Figuren zu legen, verzichtet dafür aber auf Spektakel. Tradition ist hier ein wichtiges Wort, denn die Japaner sind sehr oft konservativ eingestellt und lassen nur ungerne Fremde Einflüsse in ihre Filme. 
Viele ausländische Filmproduktionen versuchen ja Hollywood nachzuahmen um ein größeres Publikum anzusprechen. Hong-Kong ist es ab den 90er Jahren nämlich damit gelungen aus seiner Filmkrise herauszukommen. Japan scheut sich davor und ihr Stolz macht die Filme auch schwerer zugänglich. Aber nicht alle Regisseure teilen diese Meinung. Es gibt nämlich welche die sich gegen diese Konvention wenden und ihr eigenes Ding durchziehen wollen. Als bestes Beispiel hat man Akira Kurosawa. Ja der legendäre Filmregisseur ist, anders als man es glauben könnte, in seinem Land richtig gehasst worden. Als Kurosawas „Rashomon“ für die Filmfestspiele von Venedig gewählt wurde, waren die Produzenten empört und versuchten die Jury zu überzeugen einen anderen Film zu wählen. Die Filmstudios und Kritiker fanden dass seine Filme zu viele Einflüsse aus dem Westen hätten. Für die Szene im Film, wo er die Kamera direkt auf die Sonne zuhielt wurde er heftig kritisiert und man wollte ihm fast das Kommando des Films entnehmen. Etwas Derartiges hatte es damals noch nicht gegeben und man befürchtete es würde das bereits gefilmte Material ruinieren. Kurosawa hatte bis Mitte der 1960er Jahre das Glück, dass seine Filme international erfolgreich liefen und so auch den Weg für andere japanischen Filme ebneten. So hatte er ständig freie Hand und konnte mit fast allem durchgehen. Auch dass er in seinen Samurai-Filmen oft Ronin (Herrenlose Samurais) darstellte erfasste man als Schmach. 

Als seine Filme aber anfingen weniger einzuspielen, wurde es für ihn zunehmend schwieriger Arbeit in seinem Land zu finden. Dies führte dann auch zu seinem Selbstmordversuch und kurzem Exil ins Ausland. Ähnliches erlitt auch Ryuhei Kitamura, dessen „Versus“ eine Reaktion darauf war, es einfach satt zu haben dass man in Japan fast nur Kunstfilme drehen will. Der Film löste dann diese Welle an Splatterfilmen aus, die international ziemlich beliebt sind. Wer sich z.B. einen Samuraifilm aus den 60er und einen modernen anschaut, wird bemerken dass oft keine Neuerungen zu sehen sind. Takashi Miikes 13 Assassins dagegen brachte einen frischen Wind, und ich hoffe dass viele seinem Beispiel folgen. Im direkten Vergleich zu Filmproduktionen aus anderen Ländern werden Actionszenen schnell abgehandelt. So wird man z.B. nur extrem selten in einem Samurai-Film einen Schwertkampf zu sehen bekommen der länger als einige Hiebe dauert. Man nennt es auch „(Schwert) ziehen und schlitzen“. 

Auch bei den Schauspielern muss man etwas anderes erwarten als in westlichen Filmen. In Japan ist es nämlich seit der großen Kinokrise in den 1970er (Studios bilden nicht mehr ihre eigenen Fachkräfte auch, und auch Filme werden fast nicht mehr von den großen Studios gedreht) übernehmen große Konzerne die Entwicklung von Filmen und heuern oft Popsänger oder Models um ein junges Publikum anzuziehen. Obwohl Japan erstklassige Schauspieler besitzt, sieht man diese in großen Produktionen (wenn überhaupt) nur in kleinen Rollen. Eben diese jungen Schauspieler neigen aber sehr gerne zu Over-Acting, und besitzen oft keinerlei Kenntnisse in diesem Gebiet. Ich empfand es als richtige Schande im Remake zu Rashomon einen solchen „Schauspieler“ in der Hauptrolle (die im Original vom großartigen Toshiro Mifune verkörpert wurde) zu sehen. Wobei es ab und zu vorkommt, dass damit auch ein Talent entdeckt wird. Ken‘ichi Matsuyama (Death Note) z.B. fing so an, konnte aber bald auch in dramatischen Rollen überzeugen. 

Als letztes muss ich noch sagen, dass man sich auch darauf einstellen muss, dass die Japaner einen für uns komischen Humor haben. Komödien können so schwerer zu verdauen sein. Für Einsteiger würde ich neuere Filme wie „Death Note 1 &2“, „Azumi“, „13 Assassins“ (Remake), „Battle Royale“, „Godzilla, Mothra & King Ghidorah“ empfehlen. Wer auch mal ältere Filme sehen will, dem schlage ich „Rashomon“, „Godzilla“ und“ Lady Snowblood“ vor.

04) Im Gegensatz zu japanischen Filmen sind Animes mittlerweile seit vielen Jahren in die deutschen Wohnzimmer eingezogen. Es gibt regelmäßige Cosplay Treffen, Japantage, viele schauen sich Animes mit deutschen/englischen Untertiteln an. Nun gibt es innerhalb des Anime-Genres dutzende Unterkategorien. Im Prinzip eine eigene Subkultur, mir wäre nicht bekannt, dass es irgendwo auf der Welt etwas Ähnliches geben würde. Leider werden die meisten Animes im deutschen Fernsehen ziemlich verunstaltet. Serien, die eigentlich für Erwachsene oder zumindest ältere Jugendliche gedacht sind, werden Kindgerecht geschnitten. In den Fernsehanstalten gilt leider noch das Vorurteil, dass Trickserien für Kinder sind. 
Wie stehst du zu den Errungenschaften und Problemen des Animes im deutschsprachigen Raum? Du hast ja schon erwähnt, dass es in Frankreich viel früher losging. Hast du eine These, wieso? Liegt das an kulturellen Unterschieden?

Das Problem, dass Zeichentrick – Serien und Filme generell als für Kinder abgestempelt werden ist mir auch oft aufgefallen. Meine Freundin z.B. wusste überhaupt nicht, dass es durchaus ernste Filme / Serien gab, die sich an ein erwachsenes Publikum wenden. Für die heutige Generation würde ich sagen, dass Disney und die etlichen Nachahmer schuld daran sind. Die meisten nur solche Filme. Ich war schockiert, als ich gesehen habe, dass „Die letzten Glühwürmchen“ in Deutschland eine Freigabe ab 6 erhalten hat. Dabei hat der Film einige schockierende Momente. Generell finde ich das deutsche Freigabe System äußerst kurios. Vor allem im direkten Vergleich zu Frankreich passt euer System eher zu einem Land wie China. Wieso werden Filme ab 18 noch zusätzlich Geschnitten? Meine Horrorfilme sind alles Französischen DVDs. Filme wie Evil Dead, Hellraiser und Texas Chainsaw Massacre haben dort eine Freigabe ab 12, während sie in Deutschland indiziert waren (zumindest damals, heute wurde einige ja herabgestuft). Auch die Schnitte bei Animés konnte ich nicht immer nachvollziehen. Vor allem bei dem gesamten Dragonball Franchise fand ich es übertrieben. Als Z damals lieft fehlte ja manchmal fast die Hälfte einer Folge und einige Szenen ergaben einfach keinen Sinn. 

Es ist aber nicht so, dass in Frankreich überhaupt nicht geschnitten wurde. Dragonball Z war damals nämlich auch nicht Uncut, aber um Längen nicht so wie in Deutschland. Vor allem viele der Animés aus den 80er scheuten nicht davor einige gewaltigere Szenen zu zeigen (so lange es nicht zu übertrieben war). Es gab z.B. mal einen großen Skandal wegen des Animés „Fist of the North Star“. Wer den Animé kennt, weiß dass es sich um eine sehr brutale Serie handelt. In Folge des Booms wurde die Serie aufgekauft und ausgestrahlt ohne sich damit auseinanderzusetzen. Eltern waren schockiert als sie den Grad an Gewalt sahen. Die Serie wurde kurz angehalten, etwas geschnitten und wieder gestrahlt. Trotzdem war noch mehr Blut darin zu sehen als wenn es in Deutschland ausgestrahlt worden wäre. 
Wieso der Boom in Frankreich früher startete als in Deutschland, kann ich mir nicht erklären. Es ist nämlich nicht so, als ob man es in Deutschland nicht versucht hätte. Die Serien, die in Frankreich diesen Boom auslösten (Goldorak, Captain Harlock), wurden nämlich auch in Deutschland gezeigt, hatten aber nicht denselben Effekt. Vielleicht war das Publikum einfach noch nicht bereit. Es gab auch Fälle wo sich Organisationen dagegen gewendet haben. Speed Racer wurde damals schnell abgesetzt weil die katholische Kirche behauptete, irgendwelche faschistischen Grundzüge zu erkennen. 
Ich empfinde generell, dass Deutschland länger braucht um sich solchen Medien anzupassen. Wir haben dasselbe ja auch mit Videospielen. Für eine genaue Erklärung fehlt mir einfach das nötige Wissen an der deutschen Kultur. Ich gehe davon aus, dass es mit dem Nationalsozialismus und deren Propaganda zusammenhängt. Man fürchtet vielleicht, dass die Leute zu sehr vom Medium Film beeinflusst werden.

05) Ein großer Teil der Faszination von Filmen und Serien ist die emotionale Tiefe. Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich den dritten Teil der Herr der Ringe Trilogie im Kino gesehen habe und mir Freudentränen kamen, als sich alle Menschen vor den Hobbits verbeugt haben. Dann wieder gibt es Filme oder Serien, in denen man den Tod eines Charakters betrauert oder Gegenspieler richtig hassen lernt. Wenn du einmal zurück denkst, was sind für dich die emotionalsten Momente, die du bisher erlebt hast. Sowohl positiv als auch negativ? 

Hmm, bei der Masse an Filmen, die ich bereits gesehen, habe ist es gar nicht mal so einfach, sich daran zu erinnern. Es gab viele Momente wo ich mich richtig in den Film hineinversetzte. Zwei Momente die mich aber wirklich stark berührten waren Todesszenen. Zum einen wäre da „Das Boot“. Einer der Filme die mich wirklich geprägt haben und mich dazu führten mich mehr mit dem Medium Kino auseinanderzusetzen. Ich hatte den Film zum ersten Mal im Alter von 12 Jahren gesehen auf einer Schulreise nach Paris. Ich war der einzige gewesen, der den Film bis zum Ende konzentriert geschaut hatte. Ich liebte ihn einfach von Anfang an. Ich fieberte so richtig mit den Charakteren und spürte eine richtige Begeisterung in mir als sie gegen Ende des Films endlich das U-Boot wieder zum Auftauchen brachten. Dazu kommt noch, dass die Szene mit einem sehr tollen Soundtrack untermalt war. Der eigentliche Schock kam dann aber bei der letzten Szene. Man war eigentlich so erfreut, aber als die Bomber erschienen und so viele Figuren in den Tod rissen war ich zutiefst geschockt. So was Ähnliches hatte ich bis dahin noch in keinem Film gesehen. 

Was mich aber viel mehr berührte, und mich Tagelang wirklich nicht mehr losließ, war das Ende von „Die letzten Glühwürmchen“ Wie schon bei „Das Boot“ konnte ich mich gut in die Hauptdarsteller hineinversetzen. Den ganzen Film über sieht man die Geschwister wie sie versuchen den Krieg zu überstehen, und man wünscht es sich wirklich, dass ihnen genau das gelingt. Dann jedoch dieser eine Satz der mich wie ein Pfeil mitten ins Herz traf. Nachdem der große Bruder so lange vergebens versuchte seine kleine Schwester zu ernähren gelingt es ihm endlich an Nahrung zu kommen. Als er dem bereits sehr geschwächten Mädchen eine Wassermelone überreicht, hebt sich die Kamera ein wenig und man hört den Bruder sagen, dass seine kleine Schwester danach nie wieder aufgewacht ist. Ich wäre fast in Tränen. Man hoffte ja wirklich, dass es ihnen endlich wieder besser gehen würde, und doch musste sie sterben. Die Szene in der sie dann eingeäschert wurde, war dann auch wieder mit einem richtig emotionalen Musikstück untermalt. 
Das schlimmste an dem Ganzen war noch, dass ich genau wusste, dass die Kleine den Film nicht überleben würde. Ein Freund hatte mir nämlich leider bereits das Ende des Films verraten. Ich frage mich oft, ob meine Reaktion noch weit schlimmer ausgefallen wäre, wenn ich es nicht im Voraus gewusst hätte. Ich habe den Film bereits mehrere Male gesehen und bei jeder Sichtung bin ich von ihrem Tod betroffen.

06) Wie stehst du zum Thema 3D, 48 FPs, neuer Technik im Allgemeinen, sprich, den gegenwärtigen Boom der Industrie, der bei vielen allerdings eher weniger gut ankommt? Und wie sieht es im asiatischen Raum zu diesem Thema aus? Wurden dort die Kinos genau wie hier und in Amerika aufgerüstet? Wenn ja, wie reagierte das Publikum dort? Und glaubst du, dass sich die Filmemacher auch dort der neuen Technik nähern werden? 

Ein sehr aktuelles Thema. 3D empfinde ich als ein sehr schwieriges Kind. Mein erster Kontakt mit dem Medium war „My Bloody Valentine“. Es gefiel mir damals recht gut und ich fand diese auf einen zurasenden Objekte ganz amüsant. Mit Avatar bekamen wir im Allgemeinen gezeigt wie 3D eingesetzt werden kann, um die Welt dem Zuschauer näher zu bringen. So als wären wir direkte Beobachter. Avatar war in meinen Augen eine richtige Wucht und ich finde auch, dass er den besten Einsatz von 3D bot, den das Kino bisher ermöglicht hat. Der Erfolg von Avatar brachte aber leider einen richtigen Missbrauch mit sich. Bei Alice fand ich den Effekt richtig grottig, da er teilweise verwischt wirkte. Auch in den folgenden Filmen, die ich mit nachkonvertiertem 3D sah, fand ich den Effekt entweder schlecht, oder empfand ihn als überhaupt nicht existent. John Carter war allerdings eine Ausnahme. Für einen Nachkonvertierten 3D Film, gefiel mir der Effekt richtig gut. Für mich bleibt also Avatar unangefochten an erster Stelle mit dem besten Einsatz von 3D und Tiefenwirkung. 
Filme die den Effekt vornehmlich dafür einsetzen um Objekte auf den Zuschauer zu werfen gefallen mir zwar auch ziemlich gut, allerdings finde ich, dass es sich da um ein zweischneidiges Schwert handelt. Im Kino kann der Effekt nämlich ziemlich gut rüberkommen (wie in My Bloody Valentine), wenn man den Film dann allerdings zu Hause in normalen 2D schaut, kommen die Effekte richtig störend rüber. So erging es mir mit Resident Evil 4, den ich erst auf DVD gesehen habe. Das ständige „auf den Bildschirm zufliegen“ fand ich dort störend. 

Wie in vielen anderen Regionen wurden auch die Märkte in Asien dem 3D angepasst, und es kommt doch ziemlich gut an. In China aber bei weitem mehr als in Japan. Dort gibt es nämlich bereits mehrere einheimische 3D Produktionen. Man hat in Japan aber auch nicht lange gewartet eigene 3D Produktionen zu bringen. Die erste davon war z.B. Shock Labyrinth. Der kam aber qualitativ und finanziell sehr schlecht an. Auch mit Konvertierungen von älteren Filmen haben die Japaner nicht lange gewartet. Battle Royale z.B. wurde dem Verfahren unterzogen. Wer den Film kennt, fragt sich bestimmt was genau der Film denn mit 3D will. Für den Film hat man dafür eigens noch mehr CGI-Blut eingefügt, das dann auf den Zuschauer zufliegt. Der Effekt kam aber wie bei so vielen anderen konvertierten 3D Filmen nicht gut an und der Film lief nicht sonderlich erfolgreich. 

Was die 48 fps angeht bin ich komplett dagegen. Wusste zuerst nicht um was es sich handelt, als dann aber die Beschreibungen zum gezeigten Material von der Hobbit kam, erinnerte ich mich bereits was ähnliches bei Elektrofachhändlern gesehen zu haben. Dieser reale Look entzieht den Filmen aber in meinen Augen ihre Magie. Es fühlt sich dann irgendwie billig an. Den Hobbit werde ich mir ganz sicher nicht damit antun. Einen Blick werde ich irgendwann aber riskieren, man muss ja allem einmal eine Chance geben.

07) Kommen wir zu deinem Wunschtraum. Wenn du alles Geld der Welt hättest und ein Projekt starten könntest, dass du dir schon immer gewünscht hast. Welches wäre das und welche Schauspieler würden die Rollen übernehmen? 

Ein Projekt, das mir sehr zu Herz liegen würde, wäre eine hochbudgetierte Verfilmung zu Frank Herberts „DUNE“. Im Gegensatz zu vielen anderen gefällt mir David Lynchs Verfilmung sehr gut, und gehört sogar zu meinen Lieblingsfilmen. In meinen Augen hat Lynch die Philosophie des Buches ziemlich gut in den Film rübergebracht. Nur bei den Actionsequenzen hat man deutlich gesehen, dass er dafür einfach kein Gefühl hatte, und die Effekte sind eine ziemliche Enttäuschung, wenn man bedenkt dass das Budget fast 2 mal so hoch war als bei „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Wen ich mir dafür absolut wünschen würde wäre Hiroyuki Sanada, und zwar in der Rolle des Imperators Shaddam IV. Auf dem Regiesessel würde ich gerne jemanden wie Neill Blomkamp sehen.

08) Zum Abschluss noch eine einfache Frage. Auf welche kommenden Filme freust du dich besonders? 

„Pacific Rim“ und das Godzilla Remake / Reboot sind da ganz offensichtliche Kandidaten. Was ich bis jetzt alles über „Pacific Rim“ gelesen habe klingt einfach fantastisch. Erstens sagt mir diese Roboter Vs. Monster Story einfach zu. Zweitens kommt noch dazu, dass sich die Dreharbeiten bislang fantastisch anhören und ich Guillermo del Toro dafür bewundere, dass er hier auch sehr viel Wert auf praktische Effekte legt. In vielen großen Produktionen missfällt mir einfach die inflationäre Art Cgi – Effekte einzusetzen. Bei Godzilla brauche ich nicht näher zu erläutern wieso, oder? Dann wäre noch „47 Ronin“ da, wo ich hoffe, dass wir bald einen Trailer zu sehen bekommen. Das Fantasy-Epos scheint nämlich ganz nach meinem Geschmack zu kommen. Dann kommen aber auch aus dem Asiatischen Raum einige Produktionen denen ich richtig entgegenfiebere. Da wäre zum einen der Animé „Evangelion 3.0“ Teil 2 war richtig großartig und konnte einen (im Gegensatz zum ersten Teil)oft überraschen. Dazu kommt noch, dass der Soundtrack einfach nur genial gewesen ist. Wenn Teil 3 nur ansatzweise so gut ist, bin ich schon zufrieden. Ein weiterer Film wäre Donnie Yens „The Monkey King 3D“. Der Film basiert auf einem chinesischen Märchen, das mir richtig gut gefällt. Es gab zwar schon sehr viele Verfilmungen zum Stoff, doch die wenigsten davon haben sich mit dem Anfang des Buches beschäftigt, also wie genau der Affenkönig entstanden ist und mit seiner Armee einen Krieg gegen die Götter geführt hat.

Vielen Dank Dr. Serizawa für das interessante und informative Interview. Ich habe einiges Neues gelernt und werde demnächst dank deiner Vorschläge versuchen meinen Horizont zu erweitern. Da du jetzt in den Urlaub fährst, wirst du sicherlich bei deiner Rückkehr eine Menge Feedback durch die Community erhalten haben, da es hier Einiges gibt, das eine Diskussion wert ist. Vielen Dank und einen schönen Urlaub wünsche ich dir. Und an alle unsere Leser. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Ausgabe von Bereitsgelesen. 

Euer Wasserspiegel

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