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KRITIK:
COP OUT
Geladen und entsichert
von
Christian Mester
COP OUT (2010)
Regie: Kevin Smith
Cast: Bruce Willis, Tracy Morgan
Story:
Die beiden Cops Monroe (Bruce Willis) und Hodges (Tracy Morgan)
gehören nicht gerade zur geschätzten Elite ihrer
Polizei-Abteilung. Bei einer Undercover-Mission
werden sie überfallen und aufgrund ihrer
andauernden Inkompetenz suspendiert. Ein Problem,
denn Monroe braucht sein Monatsgehalt eigentlich für
die anstehende Hochzeit seiner Tochter. Trotzig setzen
sie alles daran, dem Dieb (Seann William Scott)
nachzuspüren.
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Willis und Smith trafen bei STIRB LANGSAM 4
das erste Mal aufeinander; darin spielte Smith einen
Computerexperten |
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Kritik:
„Cop Out“, was so viel wie „den Schwanz einziehen“
bedeutet, stand während seiner Produktion gleich
zweimal in der Presse. Zunächst gab es ein Problem
mit dem Filmtitel. Ursprünglich sollte der Film „A Couple of Dicks“ (wird nicht übersetzt,
selbst die Tagline ist ähnlich Penis fixiert: "Rock
out with your Glock out" - ein offensichtlicher Wink
auf Stiflers Spruch "Rock out with your cock out"
aus "American Pie 3") heißen,
wurde aufgrund der provokanten Namenswahl – Kevin
Smiths letzter, „Zack and Miri make a Porno“ hatte
schon genügend Probleme – einer gezwungenen
Umbenennung unterzogen. Keine bedeutende Sache, doch
die zweite, darauf folgende Nachricht ließ dann doch näher aufhorchen.
In einem Promo-Interview mit einem US-Kritiker wurde
Willis im Spaß gefragt, ob er seinen – im Film
nervigen – Co-Darsteller denn nun hassen würde.
Anstelle einer lustigen Reaktion nahm Willis es mit
beachtlichem Ernst und reagierte verhalten während
Co-Star Morgan zerknirscht zur Seite blickte. Es
bestätigte Insidergerüchte, wonach es hieß,
Willis sei während des Drehs der Komödie mit
schlichtweg allem unzufrieden
gewesen. Zum einen kam er mit seinem überdrehten
Partner nicht klar – ein derzeit beliebter
Fernsehdarsteller, der sich in jeder Szene in den
Vordergrund drängt – zum anderen war er der Meinung,
Kevin Smith sei ein erschreckend amateurhafter
Regisseur, der sich tagtäglich blamieren würde.
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Für die Musik holte man BEVERLY HILLS COP
Komponist
Harold Faltermeyer aus der Frührente |
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Das Traurige ist, dass sich alle Gerüchte auf der
Leinwand bewahrheiten. Dass Willis seinen
Filmpartner nicht mag, ist nicht zu übersehen. Wenn
er nicht gerade resigniert dreinblickt, macht er den
Eindruck, als wolle er jeden Moment hinschmeißen und
gehen. Eine Katastrophe, da es ein
Gute-Laune-Buddy-Film sein soll, in dem die beiden
Darsteller langjährige Partner und Freunde spielen.
Man kauft es ihnen nicht ab, eher könnte man
vermuten, es sei ein Quasi-Prequel zu „Leaving Las
Vegas“ da Willis ein Verlier ist, der durch eigenes
Unvermögen bereits alles verloren hat, nichts auf
die Reihe bekommt und dabei ist, von seinem Kollegen
in Ruin und Wahnsinn getrieben zu werden. Tracy
Morgans Charakter ist derart penetrant und kindlich
albern geraten, dass man kaum glauben mag, dass das
Drehtag für Drehtag abgesegnet wurde. Hodges spielt
schrecklich überzogen Filmszenen nach (inklusive
„Yippiekayee, Schweinebacke"), erzählt minutenlang
über seine fantastischen Kackqualitäten und drängt
sich jedem so laut und überzogen auf, dass man
beinahe Lust bekommt, den Projektorraum zu stürmen
und das Übel persönlich aus der Filmrolle zu
schneiden. Chris Tucker war ja in den „Rush Hour“
Filmen schon quirlig aufgedreht, doch Hodges
erinnert eher an Tuckers Prince-Parodie Ruby Rhod
aus „Das fünfte Element“. Das für 120 Minuten - ist
Folter.
Willis ist episch gelangweilt, Morgan unerträglich
nervig. Das Grauen hört noch längst nicht auf. Kevin
Smith hat bereits acht Spielfilme gedreht (darunter
„Dogma“ mit Matt Damon und „Jay und Silent Bob
schlagen zurück“ mit Matt Damon), aber „Cop Out:
Geladen und entsichert“ (ohne Matt Damon) sieht
nicht danach aus, als habe der Mann hinter der
Kamera überhaupt irgendeine Ahnung von seiner
Tätigkeit. Starre Kameraaufnahmen, leblose Bilder,
fehlende Bildsprache, unfähige Kompositionen,
keinerlei Dynamik. Smiths Regie bei „Cop Out“ ist so
schwach und austauschbar, dass das Ergebnis nach
liebloser DVD-VÖ aussieht. Unvorstellbar, hat er
doch erst 2008 mit „Zack and Miri make a Porno“
einen seiner besten Filme realisiert: nett gespielt,
witzig eingefangen, mit tollem Gespür für Gags und
eigener Note. „Cop Out“ hat nichts davon.
Vielleicht lag es daran, dass Smith erstmals eine
fremde Geschichte verfilmt (bislang schrieb er stets
sein eigenes Drehbuch und galt stets als besserer
Autor als Filmemacher), fragt sich aber, wieso er
dann überhaupt erst eingewilligte, ausgerechnet
diese umzusetzen. Da ist gar nichts. Die
wahrscheinlich schlechteste Genre-Handlung seit
Jahren. Zwei unsympathische Vollblutloser – der eine
engstirnig gelangweilt, der andere quälend nervig –
foltern und drohen sich durch die Gegend, weil einer
von beiden kein Geld für die Hochzeit seiner Tochter
hat? Sieht man näher hin, macht die eigentliche
Story erst gar keinen Sinn. Im Film ist Willis
verzweifelt (nein, das würde ja Emotionen
benötigen... eher, leicht entnervt) darüber, seiner
lieblichen Tochter (Michelle Trachtenberg) die
Hochzeit nicht bezahlen zu können, weil er für einen
Monat unbezahlt vom Dienst suspendiert ist. Verdient
ein US-Polizist im Monat 50.000 Dollar? Denn das
kostet die töchterliche Hochzeit, die Monroe sich
aufgrund eines fehlenden Monatsgehalt nicht mehr
leisten kann.
Es ist nicht einmal so, dass die beiden sympathische
"against all" Antihelden oder liebenswerte Loser
wären. Es sind langweilige und störende Volltrottel,
denen man zwei Stunden lang bei inkompetenter
Recherche folgt. Recherche, die dazu führt, dass sie
Seann William Scott (spielt im Grunde seine
Paraderolle Stifler, bekommt jedoch keine einzige
gute Szene) beim Klogang zusehen, im Handykostüm
Dreirad fahren („Hollywood Cops“?) und einem Kind in
die Hoden hauen.
Was vielleicht unterhaltsamer Comedy-Kram hätte
werden können, ist schlecht gespielter, unfähig
inszenierter, witzloser, störender Vollschrott, der
eine Blamage für sein Genre und für diesjährigen
Kinoveröffentlichungen ist. Action? Gibt es bis auf
minimale Ausnahmen nicht, dafür stottert sich ein
grausig schlechter Gangsterplot durch die
Haupthandlung, die es selbst in den einundzwanzig
Steven Seagal DVD-Streifen schon stattlicher zu
sehen gab. Es ist Smith zu loben, dass er für seinen
Film den seit 16 Jahren inaktiven deutschen, für den
Oscar nominierten Filmkomponisten Harold Faltermeyer
wiederbeleben konnte (seine "Beverly Hills Cop"
Theme Axel F. verkaufte sich millionenfach).
Faltermeyers Score und diverse andere 80er und 90er
Songs stimmen auch groovy auf ordentliche
Buddy-Komödie ein, doch Handlung, Action und Witze
halten mit der Musik nicht mit. Smiths und Willis'
mit Abstand bislang schlechtester Film.
Fazit:
Buddy-Filme gibt es zahlreiche: geniale („Lethal
Weapon“), starke („Nur noch 48 Stunden“), gute („Rush
Hour“), mittelprächtige („Scott und Huutch“),
akzeptable („Metro“), schwache („Showtime“) und dann
irgendwo noch „Cop Out: Geladen und entsichert“, den
Regisseur Kevin Smith per Twitter selbst offenherzig
als „behindert“ bezeichnet. Sollte man
zufälligerweise genau auf Tracy Morgans
anstrengenden Humor stehen, ist der Film womöglich
sehenswert da es fast eine One-Man-Show des Mannes
ist, doch im großen und ganzen ist „Cop Out“ eine
Blamage.
2 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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