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Kritik:
Cowboys & Aliens


von Christian Mester

COWBOYS AND ALIENS
Regie: Jon Favreau
Cast: Daniel Craig, Olivia Wilde, Harrison Ford

Story:
Arizona 1873. Jake Lonergan (Craig) wacht mit Gedächtnisverlust und einer mysteriösen Metallanschette am Handgelenk in der Steppe auf. In dem kleinen Städtchen Absolution ist der Fremde nicht willkommen, denn Rinderzüchter Colonel Dolarhyde (Ford) regiert den Ort mit strenger Hand. Als urplötzlich Aliens in Raumschiffen auftauchen und einige Dorfbewohner entführen, werden die Karten neu gemischt. Ein Trupp, angeführt von Lonergan und Dolarhyde, versucht die Basis der Außerirdischen zu finden und die Menschen zu befreien.

Kritik:
Was haben sie nicht schon alles auf der Erde getan. Aliens haben unsere Hauptstädte in Schutt und Asche verwandelt, sie haben uns besucht, infiltriert, sie ließen unsere Fahrräder fliegen, waren im Schulschwimmbad, auf Hawaii, sie waren Kim Basinger, sie waren ALF. Dieses Mal sind sie im Wilden Westen angelangt, um unser Gold und um unsere Olivia Wildes zu stehlen. Es müssen also gleich zwei unserer größten Filmhelden an die Arbeit, um sie davon aufzuhalten: Bond und Han Solo, inszeniert vom Regisseur von Iron Man 1 und 2 - was könnte schief gehen?

So aufregend es klingen mag, Outlaw Daniel Craig und Rindhirte Harrison Ford im Kampf gegen gemeingefährliche außerirdische Goldschürfer zu sehen, verfehlt Regisseur Jon Favreau gleich beide denkbaren Ansätze, aus dem Konzept Sehenswertes zu machen. Anstatt selbstironische Action ala G.I. Joe: Geheimauftrag Cobra zu wählen, die Spaß machen und mit bester Popcorn-Effektaction daher käme (es fällt schwer zu meinen, irgendein Cowboys & Aliens Besucher wolle irgendetwas anderes als das sehen), versucht sich Favreau leider am anderen Ende des Colts - an tatsächlich ernst gemeintem Film. Selbst das hätte noch halbwegs funktionieren können, etwa als selbstironische Parabel darauf, eine technisch schwächere Kultur von Stärkeren kolonisiert zu sehen, doch Cowboys & Aliens will als solche nur simpelst sein. Er will Für eine handvoll Dollar mit Aliens sein.

Dass das nicht fruchtet, darf der Regie gedankt werden. Keine Frage: einen guten Western zu inszenieren verlangt akribisches Feingefühl, ein Feeling für Panorama und Profile. In falschen Händen werden wortkarge Unterhaltungen am Lagerfeuer schnell langweilig, werden stoische Helden einsilbig und ihre Abenteuer in der Prairie belanglos. So auch in diesem Fall, der alle Beteiligten vor der Kamera ihres Wertes beraubt. Von Ford bis Dano ist kein einziger wirklich schlecht, doch sie alle sind verschwendet, da ihre Unterhaltungen leer klingen, keiner von ihnen je einen tollen Moment bekommt, sie alle unfreiwillig oberflächlich erscheinen. Sie sind da und spielen den Text mit Elan herunter, erfreulich im Falle Fords, der dem eigentlichen Film jedoch nicht gerecht wird.

Umgeben werden sie von technisch solider, aber designtechnisch uninspirierter Action. Die Aliens und ihre Gadgets und Einrichtungen fallen fürchterlich generisch aus, die Kämpfe mit ihnen tempo- und höhepunktslos. Im gesamten Film gibt es zudem keinen einzigen wirklich nennenswerten visuellen Moment. Keine Gegenüberstellung um 12 vor dem Saloon, keine nie dagewesene Verfolgungsjagd mit Pferden, keine echten Überraschungen. Den einzigen Wehmutstropfen gibt ein kurzer Blick auf einen schicken, umgeworfenen Mississippi-Dampfer, doch wer auch immer diesen kurzen Moment als Second Unit umgesetzt haben mag, war für den Rest des Films offensichtlich nicht mehr zu haben. Äußerst schwach ist der Score, eigentlich elementarster Aspekt eines jeden guten Westernaspiranten, hier lediglich charakterloses Gedudel.

Den Hut ins Gesicht ziehen darf man sich entrüstet, recherchiert man kurz, wie die eigentliche Geschichte der Vorlage aussah - denn was nach einem einfallslosen Geniestreich aus der Quatsch-Schublade Ninjas vs. Nazis, Zebras vs. Werwölfe und Astronauten vs. Ritter klingt, sah in der Graphic Novel Comic-Vorlage von Scott Mitchell Rosenberg, Fred Van Lente und Andrew Foley noch weitaus interessanter aus. Dort hatten die Cowboys später dank Alien-Technologie Energie-Peitschen, fliegende Pferde und nicht nur vor, den Klondyke-Reibach zu machen, sondern gleich, den ganzen Planeten für eine Invasion vorzubereiten. Außerdem ab es dort, was hier völlig fehlt: eine Persönlichkeit für die Aliens. Hier sind sie nur geifernde Bruten, während es nach Art des Comics eigentlich fiese Strategen gewesen wären. Bleibt zu Fragen übrig, wer von den Verantwortliche diese angepasste Fassung besser als die der Vorlage fand. Was bleibt ist ein
keineswegs schlechter, aber belangloser Sci-Fi-Snack, den man nicht bereuen, an den man sich aber auch nicht lange erinnern wird.

Fazit:
Dieser Gaul lahmt. Cowboys & Aliens nimmt sich zu ernst und verpasst es dadurch, Spaß zu machen. Was ein anspruchsvoller Todeszug nach Yuma mit Aliens sein will, ist rostige Draisine nach Duisburg. Wenn schon ernst, dann besser True Grit, Seraphim Falls, Open Range, Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford und The Proposition sehen, und wenn es unbedingt lustiger sein muss, lieber zum hundertsten Mal Vier Fäuste für ein Hallelujah.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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