BG Kritik:

Crimson Peak


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!



Crimson Peak (USA 2015)
Regisseur: Guillermo del Toro
Cast: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston

Story:
Die junge Autorin Edith Cushing (Wasikowska) folgt ihrem neuen Mann (Hiddleston) auf dessen uraltes und halb-verfallenes Familienanwesen irgendwo im Nirgendwo Englands. Auch die Schwester (Chastain) des Mannes lebt im verwinkelten Bau und Edith glaubt bald darauf Geister zu sehen.

Guillermo del Toro ist der Quentin Tarantino des Horrors. Zumindest scheint er selbst das zu glauben.

Benedict Cumberbatch und Emma Stone waren als Darsteller im Gespräch.


Regisseur Guillermo del Toro ist ein Fanboy. Seit er sich etwa mit „Blade II“ als mehr oder weniger gefestigter Name der Filmbranche etablieren konnte, wuchs auch der Kult um den sympathischen Mexikaner. Obwohl seine Filme trotz Comicgrundlagen („Hellboy“) selten echte Kinokassen-Senkrechtstarter waren, wurde del Toro bekannter als viele Kollegen, die deutlich größere und erfolgreichere Filme drehten. Del Toro positionierte sich als Fan, als Nerd, als Filmemacher, der seine Inspirationen offen zur Schau stellt und zelebriert, der stundenlang über Lovecraft, Poe, Mario Bava und die Universal Monster erzählen könnte, ohne auch nur einziges Mal ernsthaft nachdenken zu müssen. Del Toro lebt, was er liebt. Sein Zweithaus, das so genannte „Bleak House“ in Los Angeles, ist ein proppevolles Museum seiner eigenen Werke, aber vielmehr ein Rundgang durch Jahrhunderte der Horrorpopkultur aus Literatur, Comic und Film.

„Crimson Peak“ zeigt Guillermo del Toro im absoluten Fanboy-Modus. Mehr noch als der Kaiju vs. Roboter Film „Pacific Rim“ lädt „Crimson Peak“ dazu ein, mit del Toro auf Erkundungstour zu gehen. ‚Cushing‘ drängt uns sofort in den Gehörgang; so heißt die von Mia Wasikowska gespielte angehende Horrorautorin Edith mit Familiennamen in zweifelloser Anlehnung an Hammer Horror Ikone Peter Cushing. Und in einem Dialogaustausch mit Personen, die in Kürze keine Rolle mehr spielen werden, positioniert sich Edith Cushing als Horrorautorin der Art von Mary Shelley, in Ablehnung an Jane Austen, mit der ihr bissiges Gegenüber sie vergleicht. Damit positioniert sich auch del Toro selbst, bzw. positioniert seinen Film. Edith möchte einen Geisterroman schreiben, doch Geister seien nur Metaphern, sagt sie. Nur eine Geschichte mit Geistern sei es. Von selbsternannten Lektoren im Familien- und Freundeskreis wird Edith nahegelegt, doch eine Liebesgeschichte mit einzubauen, während ein Anderer ihr vorwirft, nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen zu können. Ediths Buch ist wie der Film, der sich mit ihr und durch sie entwickelt und entfaltet. Nahezu alles an diesem Film ist Referenz und nahezu alles an diesem Film ist Oberfläche. Aber welch betörende Oberfläche es ist!

Das Anwesen wurde zum größten Teil komplett und real im Studio gebaut, nach Drehschluss allerdings abgerissen.


Nach einem etwas hüftsteifen ersten Drittel, welches nur durch eine unfassbare Gewalttat urplötzlich aufgeweckt wird, wechselt die Szenerie aufs karge, winterliche Englische Land, wenn Edith ihrem neuen Mann Thomas Sharpe auf dessen ramponierten Familiensitz folgt. Was nun kommt beinhaltet allerhand Geister, die jedoch letztendlich keine wirkliche Rolle spielen. Zur Aufdeckung eines schrecklichen Geheimnisses und zur Konfrontation, die zum Finale führt, hätte es an keiner Stelle wandelnden Erinnerungen an die Vergangenheit gebraucht. Das irritiert und frustriert doppelt, sind die Geister zwar fraglos in einer originellen Kombination aus echten Schauspielern und Computertricks entstanden, wenn sie als karmesinrote, halb zerfallene Nebelwesen durch die Flure schleichen, doch wirklich glaubwürdig integriert sind die Toten nicht. Zu sehr kleben wir mit den Augen an den überbordend verzierten Details, den schummerigen Fluren, den alten Gemälden, knatternden Fahrstühlen und dunklen Ecken des Anwesens, welches uns als Ausstattungsprotzerei allererster Güteklasse vorgesetzt wird. Allerdale Hall, wie das Gemäuer heißt, ist ein Filmset, an dem man sich nicht sattsehen kann; ein Haus, in dem es durch ein Loch in der Decke des Haupttrakts immerzu schneit und windet, wo der blutrote Ton, mit dem die Familie Sharpe zu längst vergangenem Reichtum kam, durch die Fugen im Boden quillt. Allerdale Hall ist schlichtweg atemberaubend, nicht zuletzt weil es zum größten Teil echt wirkt und echt ist. Und während die betörenden, in ihrer schwülstig primärfarbenen Aggressivität außergewöhnlichen Kostüme einen passenden Kontrast zu Mauern, Dielen und Schatten bieten, sind die Geister immer als das zu erkennen, was sie sind. Ein Mischmasch aus Computer und Realität, den die Geschichte eigentlich nicht gebraucht hat.

So ganz scheint sich del Toro mit seiner Geschichte auch nicht einig zu sein. Zu viel Spaß macht es ihm, den Gruselklassiker „Schloss des Schreckens“ zu zitieren, eine Adaption des Henry James Schauerromans „Das Durchdrehen der Schraube“, und in Allerdale Hall seinen eigenen Mario Bava Technicolor Farbrausch zu veranstalten. Es ist fraglich, ob del Toro sich einen Gefallen damit tut, sehr früh und sehr direkt zu offenbaren, dass die Geschwister Sharpe nichts Gutes im Schilde führen. Doch die Details der zuweilen konfusen und in die Länge gezogenen Auflösung bieten grundsätzlich nur wenige echte Überraschungen, wohl aber ein ganzes Arsenal interessanter Ideen. „Crimson Peak“ hat eine verspielte-überzeichnete Atmosphäre; wenn es so etwas wie Horrorkitsch gibt, nimmt sich dem dieser Film mit Wonne an. Doch wirklich gruselig ist das nicht und will es auch nicht sein. Vielmehr lässt del Toro seine drei exzellenten Hauptdarsteller wie Irrwichte hin und her laufen, lässt sich zu unerwartet drastischer Gewalt hinreißen, bis zum hysterischen und visuell beeindruckenden Finale, welches dem thematisch unfokussierten Hauptteil löblich und irgendwie auch erwartungsgemäß-rund eine metaphorisch leicht zu entschlüsselnde Schleife verpasst. Das macht „Crimson Peak“ zur Quintessenz eines Guillermo del Toro Films: Bildideen zum Niederknien, immer im Gefahrenbereich von „zu viel“, jedoch inhaltlich wahlweise zerfahren oder oberflächlich. Und genau da ist Quentin Tarantino ihm mindestens einen Schritt voraus.

Fazit:

Ein visueller Augenschmaus mit einem Bombast in Ausstattung und Kostümen, den man sich nicht entgehen lassen darf. Die Geschichte kann da nicht immer mithalten, liefert in ihrer bescheiden-ambitionierten Art aber ein passendes Gerüst für die Hauptattraktionen des Films.

7 / 10

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