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Kritik:
Das erstaunliche Leben
des Walter Mitty


von Daniel Schmitt

The Secret Life of Walter Mitty
(2014)
Regisseur: Ben Stiller
Cast: Ben Stiller, Kristen Wiig, Adam Scott, Sean Penn

Story:
Walter Mitty (Ben Stiller) ist in seinen Tragträumen der Superheld, ein Frauenschwarm, der große Macker. Allerdings, nur da und nicht im echten Leben. In der Realität konnte er sich noch nie durchsetzen. Er ist noch nirgendwo gewesen und hat noch nie irgendwas besonderes erlebt. Das alles ist allerdings im Begriff sich zu ändern, als er sich auf die Reise seines Leben begibt.

Kritik:
"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beruht auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von James Thurber von 1939 und ist ein Remake des in Deutschland betitelten Films „Das Doppelleben des Herrn Mitty“ von Norman Z. McLeod aus dem Jahre 1947. Eine von vielen Komödien, die nach einem langen und verheerendem Krieg gedreht worden sind, um die amerikanische Bevölkerung wieder etwas aufzuheitern. Dabei sieht man dem Tagträumer Walter Mitty zu, wie er in ein Schlamassel nach dem anderen stolpert. Ähnlich ist es mit Ben Stillers (Zoolander, Tropic Thunder) jetzigen Remake. Die dramatische Komödie trifft den Zahn der Zeit. In den letzten Jahren gingen viele bekannte Firmen und Marken bankrott oder mussten sich neu definieren, und viele Menschen verloren ihre Arbeit. Dem Tagträumer Walter Mitty droht nun dasselbe Schicksal, als die Zeitung, für die er arbeitet, seine Print Ausgabe einstellt. Klingt nicht gerade nach dem perfekten Stoff für eine Komödie und das ist es auch nicht. Es ist sehr viel mehr.

Walter hat es nicht leicht. Unzufrieden mit seinem Leben und unglücklich verliebt, träumt er sich schönere Versionen seines Leben herbei. Aufregende Szenarien, in dem er die Frau seiner Träume Cheryl (Kristen Wiig) erobert oder seinen neuen Chef Ted (Adam Scott) in einer effektgeladenen Jagd durch New York im Zweikampf besiegt. Leider läuft sein reales Leben nebenher weiter, was regelmäßig in peinlichen Situationen endet, da Walter während seiner Vorstellungen einfach regungslos stehen bleibt. Dann droht Walter auch noch seinen Job zu verlieren. Sein Arbeitgeber, das „LIFE“ Magazin, wird zur Onlineplattform und man braucht ein bestimmtes Foto für die letzte Printausgabe. Doch gerade dieses ist verschwunden, worauf Walter um die halbe Welt reist um es zu finden.

„Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist nicht Ben Stillers erste Regiearbeit. Seine bekanntesten wären bisher aber „Cable Guy“ mit Jim Carrey und „Trophic Thunder“ mit Tom Cruise und Robert Downey Jr. oder auch „Zoolander“, welcher 2015 eine Fortsetzung bekommt. Stiller fühlt sich auf dem Regiestuhl also schon lange heimisch und das merkt man auch. Walter Mittys Abenteuerreise ist bildgewaltig, aber nicht übertrieben. Der Soundtrack mal emotionsgeladen komponiert von Theodore Shapiro, dann aber auch locker musiziert von regulären Küstlern wie "Of Monsters and Men" und "Arcade Fire", untermalt Walter Mittys Abenteuerreise, wie auch seine Träume auf gelungene Art und Weise. Hier gibt es nichts zu beanstanden. Eher zu loben. Die Mischung macht's.

Die erstaunlichen Stärken des Walter Mitty sind aber eindeutig die gefühlvollen Momente, in denen die Hauptfigur seine Ängste und Zweifel überwinden muss. Ben Stiller spielt gerade diese Aspekte sehr überzeugend. Zwar fällt es zu Anfang schwer, den Mann, der in "Tropic Thunder" noch den Kopf eines Pandas als Hut getragen hat ernst zu nehmen, aber im Verlauf des Films fällt es immer leichter. Trotzdem ist das kein Vergleich zu Co-Star Sean Penn (21 Gramm, Milk), welcher Stiller in ein paar Minuten Szene gänzlich an die Wand spielen darf und den Film kurzzeitig einnimmt. Neben Stiller sind auch Kristen Wiig (Brautalarm) als Walters Traum-, wie auch reale Frau des Herzens und Adam Scott (Piranha 3D) vertreten, diese haben allerdings keine großen Rollen. Adam Scott als bösartiger Boss, der Walters Leben zur Hölle macht, ist weder was Besonderes, noch besonders kreativ. Kristen Wiig als Cheryl, egal ob im Traum oder echt, hält sich die meiste Zeit vornehm im Hintergrund. "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" ist so gesehen in gewisser Weise eine Ben Stiller Show (nicht zu verwechseln mit der tatsächlichen "Ben Stiller Show" aus dem Jahre 1992), das ist aber keineswegs schlecht, da er sehr gut ist.

Wo die erstaunlichen Schwächen des Walter Mitty liegen, ist fast ironisch. Offensichtlich gewollter Humor reißt den Zuschauer oft heraus aus der eigentlichen Story, darunter fallen insbesondere Mittys Tagträume. Der subtile Humor Mittys "wahren" Lebens funktioniert voll und ganz, während die direkteren, gewollten lustigen Momente oft ein wenig gestellt wirken. Aber nicht nur beim Humor, sondern auch bei den nicht gerade wenigen Actionsequenzen ist Mittys reale Welt unterhaltsamer. Was bleibt ist eine nicht perfekte, aber in sich runde Geschichte über einen Mann der sich wiederentdeckt. Kein "Into the Wild" aber durchaus zufriedenstellend und berührend in seiner Gesamtkomposition. Die Botschaft ist klar, sie klingt zwar wie ein Werbespot für Sportschuhe aber sie trotzdem nicht weniger wichtig. Es ist nichts so spannend wie das echte Leben, also höre auf zu träumen und handle.

Fazit:
"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" ist ein motivierender Gute Laune-Film mit wunderschönen Naturkulissen, schöner Musik und einem erstaunlichen Ben Stiller, der zeigt, dass er mehr kann als nur Witze liefern. Warnung: Fernweh-Garantie.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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