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Kritik:
Das Mädchen Wadjda


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Wadjda
(2013)
Regisseur: Haifaa al-Mansour
Cast: Reem Abdullah, Waad Mohammed, Abdullrahman Al Gohani, Ahd Kame, Sultan Al Assaf

Story:
Wadjda (Waad Mohammed) ist ein zehn Jahre altes Mädchen und lebt in Riad. Seit kurzen träumt sie von einem eigenen Fahrrad, das vor einem Spielzeugladen steht, an dem sie jeden Morgen auf ihrem Weg zu Schule vorbeikommt. Damit will sie endlich ein Rennen gegen ihren besten Freund Abdullah fahren können. Das nötige Geld dafür will sie sich mithilfe des Koran-Rezitations-wettbewerb an ihrer Schule verdienen. Ein großer Haken hat die Sache für sie aber noch, denn eigentlich ist Frauen der Besitz und das Benutzen eines Fahrrades nicht erlaubt.

Kritik:
Saudi-Arabien. Ein Land in dem es keine Kinos gibt, geschweige denn natürlich Filme produziert werden. Doch damit ist nun Schluss. Der erste saudi-arabische Kinofilm ist da. Das Kuriose dabei, er ist von einer Frau und zugleich so kritisch, aber locker und selbstbewusst inszeniert und erzählt, als hätte man jahrelang nichts anderes gemacht.

Es ist Freitagabend und es regnet. Was tun an diesem nasskalten Abend? Auf ins Kino! Diese so einfache Regel greift bei vielen jungen wie alten Menschen auf der ganzen Welt. Auf der ganzen Welt? Nein in dem reichen, kleinen Ländchen Saudi-Arabien zum Beispiel gibt es gar keine Kinos, geschweige wäre der Besuch dieser Frauen erlaubt. Das öffentliche Vorführen, aber auch überhaupt das Drehen von Filmen ist dort verboten! Filmemacherin Haifaa al-Mansour ließ sich von diesen Schikanen nicht ablenken und studierte deshalb einfach in Australien Film und kam, zusammen mit dem Geld der deutschen Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner, die zuletzt u.a. auch den animierten „Waltz with Bashir“ realisiert haben, nach Saudi-Arabien zurück um einen einfach aber so tragisch-wahren Film über den Alltag eines saudi-arabischen Mädchens zu erzählen, das den einfachen Wunsch nach dem Besitz eines Fahrrades hat.

Schon oft wurden durch den Deckmantel der Perspektive von kindlichen Charakteren in Filmen historische oder gesellschaftliche Begebenheiten unter die Lupe genommen und kritisch betrachtet. Man denke dabei zum Beispiel an Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“. So wählte auch Haifaa al-Mansour diesen Weg für ihr Debüt. Nun würde man wahrscheinlich nicht direkt darauf kommen, dass eine Frau als ersten saudi-arabischen Film gleich so ein heikles Thema wie die Stellung der Frau in der saudi-arabischen Gesellschaft aussuchen würde, aber so ist es geschehen und die weitere Überraschung ist, dass sie das Thema wohl voller Respekt angegangen ist, sich aber kaum dazu bewegt, die schlechten Dinge nur anzuprangern. Sehr gut beobachtet und unterhaltsam bringt sie dem Zuschauer das Leben von Mädchen und Frauen allen Alters in der saudi-arabischen Männerwelt näher. Sie verhindert es dabei direkt mit dem Zeigefinger auf Missstände zu zeigen, sondern lässt dies fast schon nebenher einfließen. Es muss nicht minutenlang, mit einem schweren Score unterlegt gezeigt werden, dass die Frauen nur wenige Rechte haben, was für uns europäischen Zuschauer sehr altmodisch und surreal vorkommen muss. So passt sich die Regisseurin fast schon an ihre weiblichen Figuren im Film an. Der Zustand wird akzeptiert, aber deswegen der Spaß und die Lust am Leben nicht verloren.

Darstellerisch wird der Film fast locker von Waad Mohammed getragen. Faszinierend wie sie eigentlich mit kaum schauspielerischer Erfahrung vor der Kamera, den Zuschauer mit ihrer frech-fröhlichen Art durch den Film leitet. Ähnliches gilt für ihren kleinen Filmfreund, gespielt von Abdullrahman Al Gohani, der in wenigen Momenten zeigt, dass die Chemie zwischen ihnen stimmt. Der Score von Max Richter („Perfect Sense“, „Waltz with Bashir“) hält sich eher etwas im Hintergrund und kann so, bis auf ein paar Höhepunkte, kaum langanhaltende Akzente setzen

Fazit:
Überraschend lockeres und fröhliches filmisches Werk über ein großes, gesellschaftliches Problem in der heutigen Zeit bei Nachbarn Europas. Der Film ist nicht nur dazu da, damit die Mütter ihren Kindern zeigen und sagen können, wie gut es ihnen doch im Vergleich geht (und im Gegenzug den Müttern), sondern macht ein Mädchen und ihr Fahrrad zu einem kleinen Symbol der Freiheit. Religion ist noch immer die eigene Sache von jedem, doch greift diese auf das Leben so sehr über, dass man selbst keine Wahl mehr hat, läuft irgendwas schief. Dass das nicht immer in etwas Negativem enden muss, zeigt „Das Mädchen Wadjda“ sehr schön und unterhaltsam.

7,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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