BG Kritik:

Planet der Affen: Revolution


von Michael Eßmann

Dawn of the Planet of the Apes (USA, 2014)
Regisseur: Matt Reeves
Cast: Andy Serkis, Jason Clarke, Gary Oldman, Keri Russell

Story:
Zehn Jahre nach der in den letzten Minuten von „Planet der Affen: Prevolution“ über die Menschheit eingebrochenen tödlichen Pandemie kämpfen die letzten Überlebenden Menschen weiter um ihren Fortbestand, und treffen dabei zufällig erneut auf Affenführer Caesar, und seine Gruppe intelligenter Primaten. Ein Krieg scheint unausweichlich, da auf beiden Seiten Kräfte dafür kämpfen.

Die Kino-Reihe um den Planeten der Affen - welcher ja (zumindest sichtbar) eigentlich nie mehr war als eine Stadt der Affen - begann im Jahr 1968 mit einem Sci-Fi-Klassiker, baute aber danach deutlich ab und erforschte mehrheitlich neue Untiefen in Puncto schlecht durchdachte und realisierte Sequels, brachte aber auch ein paar annehmbare neue Ideen hervor. Nach insgesamt vier Fortsetzungen von schwankender Qualität und voller Ungereimtheiten zueinander, und einem bis auf die Affenmasken verunglückten Remake von Tim Burton in 2001, war die Erwartungshaltung an das zehn Jahre später auf die Kinos zusteuernde Prequel zur Original-Reihe/Reihenneustart „Planet der Affen: Prevolution“ (im Original: „Rise of the Planet of the Apes“) gelinde gesagt gering. Das vom bis Dato Unbekannten Rupert Wyatt inszenierte Werk überraschte allerdings, und das Ergebnis war schlussendlich ein über alle Maßen beachtliches Werk, welches u.a. mit ungeheurer Emotionalität, Gänsehautmomenten, erstaunlich guten CGI-Affen und natürlich einem überragend spielenden Andy Serkis punkten konnte. Da auch das Einspiel stimmte, war ein Sequel beschlossene Sache, welches Wyatt allerdings wegen dem Termindruck von Seiten des Studios 20th Century Fox, letztendlich nicht realisieren wollte. Ersatz musste her, weshalb das Sequel „Planet der Affen: Revolution“ nun unter neuer Regieführung nun Matt Reeves („Cloverfield“, „Let Me In“) daher kommt, die Geschichte aber unmittelbar dort wieder aufnimmt, wo Rupert Wyatt den Schlussstrich mit dem Verbreiten des Virus setzte.

Regisseur Matt Reeves soll auch den dritten Teil inszenieren.


Reeves präsentiert zunächst den Beginn der Pandemie, um dann ein gutes Stück vorwärts zu springen. Zehn Jahre ist es her, seit sich die von Menschenhand geschaffenen ALZ-113 Viren als Zweischneidiges Schwert über die Welt gelegt haben. Seither haben sich die intelligenten Menschenaffen unter Caesar (erneut Andy Serkis) eine Heimat in den Wäldern des Redwood-Nationalparks aufgebaut, während die Menschheit in den Städten und Metropolen der Welt von der Pandemie scheinbar vollkommen dahingerafft wurde. Zwei Jahre ist es gar her, seit auch nur ein Mensch durch die Primaten geschichtet wurde. Dies ändert sich, als eine kleine Gruppe Menschen die Wälder betritt, und dort unvorbereitet auf die inzwischen deutlich angewachsene Population der Affen trifft. Trotz der vergangenen zehn Jahre, hat sich der Film inhaltlich nicht zu weit vom letzten Teil entfernt, und präsentiert eine konsequent auf dessen Handlung aufbauende Geschichte, in deren Zentrum abermals Caesar steht. Zu Beginn dieses neuen Kapitels in dessen Leben, präsentiert der neue Affenfilm den Blick in den Alltag innerhalb der Affenkolonie. In dieser sehr intensiven, gut 20 minütigen Einführungsphase der Handlung wird kein Wort gesprochen, und man verlässt sich ganz und gar auf die phantastisch animierten Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, wobei der Zuschauer mit den Primaten an einer Rotwild-Jagd und dem anschließenden, sehr familiär und harmonisch wirkenden Leben im Camp teilnimmt, und dabei den Clan kennen lernt. Ein intensiver Start, der tatsächlich ganz ohne gesprochene Worte funktioniert, und bei dem auch klar wird, dass die Evolution der Affen noch nicht abgeschlossen, ja noch im vollen Gange ist. Denn Sprechen, das können diese Affen der ersten und zweiten Generation nach ALZ-113 noch nicht, bzw. nicht alle, und nicht flüssig oder problemlos. Man wiederholt also nicht den Fehler, welchen einst „Eroberung vom Planet der Affen“ und „Die Schlacht um den Planet der Affen“ in den 70ern machten, als die Fähigkeit zu sprechen, scheinbar einfach so da war. Während sich die Affen weiter die evolutionäre Leiter empor bewegen und dabei zahlenmäßig immer weiter wachsen, kämpfen die ehemaligen Herrscher des blauen Planeten gegen ihre endgültige Vernichtung, und für den Fortbestand der Welt, wie sie vor dem Virus war. Doch die Menschheit scheint fast am Ende. Wer nicht am Virus starb, hatte gute Chancen bei den nachfolgenden Unruhen und Ausschreitungen zu sterben, und so sind aus sieben Milliarden Menschen, inzwischen exorbitant weniger geworden. Mutmaßlich ebenfalls unter den Milliarden Todesopfern, Dr. Will Rodman (James Franco) und Dr. Caroline Aranha (Freida Pinto), welche im Sequel nicht zurückkehren.

Eine, oder gar die einzige Überlebenden-Kolonie wird angeführt von Dreyfus (Gary Oldman) und Malcolm (Jason Clarke), welche in den dichten Wäldern die Zukunft der Menschheit, in einem alten Staudamm zur Stromgewinnung suchen. Da dieser Damm allerdings mitten im Gebiet der Affen liegt, kommt es zur Konfrontation, wobei „Planet der Affen: Revolution“ keine Seite in Schutz nimmt oder als die Gute darstellt. Stattdessen gibt es auf beiden Seiten Kräfte, welche mehr oder weniger offensiv versuchen, das Streichholz an der Lunte des Krieges zu entzünden. Aber auch Jene, welche auf Frieden und Koexistenz hoffen. Vorherrschend hierbei, eine Endzeitstimmung und Hoffnungslosigkeit, stärker als bisher in der gesamten Serie zu finden. Noch deutlich düsterer als der Vorläufer phasenweise ebenfalls war, kommt dieses Sequel so derart kompromisslos dunkel rüber, als gäbe es kein Morgen mehr. Und dies könnte natürlich auch so sein, und man merkt es in fast jeder der ca. 127 Minuten Laufzeit, welcher keine Minute Langeweile inne wohnt. Die Spannung reißt nie merklich ab, was auch Michael Giacchino („John Carter - Zwischen zwei Welten“, „Star Trek Into Darkness“) zu verdanken ist, welcher einen an Jerry Goldsmiths Score aus dem 1968er Original „Planet der Affen“ angelehnten Bombast für die Ohren mit Gänsehautgarantie abliefert. Zum Thema Action lässt sich sagen, dass sie diesmal deutlich mehr vorkommt, als noch im Vorgängerfilm, aber wie schon damals nie des Selbstzwecks verkommt. Atempausen kennt man keine, lediglich Zeit für die stillen Momente mit der Familie. Und trotz deutlich erhöhtem Anteil der Affen-Szenen, ist es auch diesmal kein CGI-Overkill oder schlichtes Technikdemo geworden. Stattdessen ist die CGI hier ein sinnvolles und mit Bedacht eingesetztes Mittel eine Geschichte über Missgunst, Hass… und Schuldzuweisung auf beiden Seiten, auf moderne Art zu transportieren. Die Balance aus dramatischen, gefühlvollen und bombastischen Szenen ist äußerst gelungen. Ein dickes Lob an die Regie, denn aus dem aufkeimenden Krieg der Spezies hätte auch stumpfes Effektgewitter ohne Seele vom Schlage eines „Transformers“ werden können. Stattdessen lebt und atmet das Sequel zu Wyatts-Film auch unter der neuen Regie von Reeves ebenso viel Leben, Liebe und Dramatik, wobei ihm aber der Spaß des Vorgängers fast gänzlich abgeht.

Neu hinter der "Affenmaske": Toby Kebbell (Koba) und Judy Greer (Cornelia).


Gollum, King Kong, Caesar, wo Andy Serkis drauf steht, ist Seele drin. Der nicht ohne Grund bekannteste Motion Capture-Darsteller setzt hier erneut Maßstäbe, und sollte nun endlich die längst überfällige Anerkennung in Form einer Oscar-Nominierung erhalten. Denn er spielt wieder ungemein großartig, und zeigt erneut eine emotionale Bandbreite, welche ihresgleichen sucht und endlich vergoldet gehört. Aber nicht nur Serkis, auch dessen Affenkollege Toby Kebbell (als vernarbter Versuchsaffe Koba) und die menschlichen Darsteller um Jason Clarke, Gary Oldman und Keri Russell wissen zu überzeugen, und machen den Verlust von James Franco und Freida Pinto schnell vergessen. Der Oscar im Bereich der Effekte müsste indes eigentlich gesichert sein, denn was die neuseeländischen Jungs von Weta Digital diesmal abliefern, übertrumpft die guten Affen-Animationen des Vorgängers um Längen. Wüsste man es nicht, man könnte meinen, es mit echten, lebenden, atmenden und blutenden Wesen zu tun zu haben. Hier stimmt tatsächlich alles, von der Felldarstellung, Bewegung, individuellen Wiedererkennungsmerkmalen…, ja selbst lebendige Augen. Der Sprung in der Qualität der Affen, mutet fast wie ein neuerlicher Quantensprung an, und erreicht gefühlten Fotorealismus.

Nichts zu meckern? Kein Schimpansen-Haar in der Suppe? Doch, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, und kann nur zu marginalen Abzügen in der B-Note führen. Denn die Geschichte ist packend, aber ab und an etwas zu vorhersehbar, wobei auch einige Szenen zu offensichtlich konstruiert ins Drehbuch getippt erscheinen. Ebenso gibt es ein paar logische Ungereimtheiten, und Dinge die zu kurz kommen oder zu oberflächlich wirken. Ganz oben hierbei, die Beziehung zwischen Caesar und seiner Königin (Judy Greer), deren Figur blass bleibt und deren Beziehung zueinander auf der Leinwand ungemein flach daherkommt, zumal die Herzensdame des Herrn der Affen, im Film anscheinend nicht einmal mit einem Namen bedacht wird. Laut Pressetext heißt die Affendame Cornelia. Flach ist auch das 3D, denn es besitzt zwar Tiefen und gelegentliche Pop-ups, setzt aber nicht nur keine neuen Standards, es scheint gar ab und an überhaupt nicht vorhanden. Zum Filmgenuss trägt es subjektiv jedenfalls nichts bei. Da der Film selber aber hochkarätig ist, sind die alles nur Randnotizen, geschrieben an ein Statement der Menschlichkeit und einen Anti-Kriegsfilm in einer postapokalyptischen Welt, welcher sich als Action mit Affen getarnt in die Kinos schwingt. Bildgewaltig, emotional vielschichtig, voller toller Szenen und nicht nur für ein 170 Millionen Dollar Blockbuster-Projekt verdammt düster, ja beinahe hoffnungslos dunkel. Das Licht am Ende des Tunnels, es ist nicht mehr als eine Kerze, welche dem Sturm des Krieges trotzt, aber jeden Moment und dann endgültig zu verlöschen droht.

Fazit:

Die Fortsetzung eines der besten Blockbuster 2011 macht sich daran, zum besten Blockbuster des Jahres 2014 zu werden. Ein gelungener Mix aus emotionalen und Action-Momenten, ausgestattet mit einer an Perfektion kratzenden Affen-Effektarbeit und einer emotionalen und packenden Geschichte. Matt Reeves präsentiert ein filmisches Meisterwerk und ein ungemein kraftvolles humanistisches Statement, vorgetragen von Schimpansen, Orang-Utans, Gorillas und Menschen. Das Kino-Jahr 2016, und damit der dritte Teil dieser neuen Affen-Saga kann gar nicht schnell genug kommen.

9,5/ 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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