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KRITIK:

DER ANDERE


von Christian Mester

THE OTHER MAN (2010)
Regie: Richard Eyre
Cast: Liam Neeson, Antonio Banderas

Story:
Peter (Liam Neeson) ist eigentlich glücklich verheiratet, bis er eines Tages durch Zufall einen Hinweis dafür findet, dass seine Frau (Laura Linney) ihm untreu war. In ihrem Namen nimmt er Kontakt zum vermeintlichen Lover (Antonio Banderas) auf und reist ihm hinterher, ihn umzubringen…

Liam Neeson spielte einen Regisseur in
DIRTY HARRY V: DAS TODESSPIEL

Kritik:
Schaut man sich Liams letzte Filme an, so macht es den Eindruck, als sei „Der Andere“ eine Mischung aus „Chloe“ (Neeson geht fremd) und „96 Hours“ (Neeson rächt sich). Beides fraglos überdurchschnittlich gute Filme, nur leider lässt sich das von seinen neuen nicht gerade behaupten.

Zuerst einmal ist es unabdingbar wichtig zu wissen, dass der Trailer und die Inhaltsangabe des bereits zwei Jahre alten Films einen völlig falschen Eindruck vermitteln. Dass man den Film dreist als fesselnden Rachethriller verkauft, ist marketingtechnisch sicher die klügste Wahl, passt jedoch vorne und hinten nicht. Neesons Charakter hat zwar kurze Eifersuchtsattacken und spricht auch davon, den aalglatten Banderas erledigen zu wollen, doch letzten Endes ist es ein überraschend langatmiges Drama ohne größere Emotionen. Duell wäre eine vollkommen deplatzierte Umschreibung ihres Aufeinandertreffens, da sich hier niemand duelliert, weder körperlich, noch geistig. Allenfalls fehlende Qualitäten mit der Geduld des Zuschauers.

Antonio Banderas hat Interesse geäußert,
einen vierten EL MARIACHI zu drehen

Regisseur Richard Eyre hatte 2006 gezeigt, dass er durchaus was kann. „Tagebuch eines Skandals“ mit Cate Blanchett und Judi Dench ist ein gut gemachter und exzellent gespielter Film über eine heimliche Affäre, dessen Entwicklung anfangs interessant ist, später dann knifflig wird. In „Der Andere“ betrachtet der ehemalige Theaterregisseur des Royal National Theatres in England die heimliche Liebelei nun aus den Augen eines möglichen Opfers. Der Anfang ist dementsprechend noch ähnlich unterhaltsam – interessant: die ersten Zusammentreffen der beiden Kontrahenten – doch neben dem Perspektivwechsel versucht er sich dieses Mal an einem Twist, der die zweite Hälfte des Films zum überraschend traurigen, nachdenklichen Charakterstück machen will.

Dies funktioniert überhaupt nicht, da die Offenbarungen und daraus resultierenden Konsequenzen fürchterlich langweilig sind. Der Film wird zum melodramatischen Tränendrücker, das allerdings vollkommen ohne verwertbare, nachvollziehbare Emotionen und Handlungsweisen. Stattdessen gibt es komische, langweilige Charaktere, mit denen die drei Hauptdarsteller nichts anfangen können. Neeson, der oft nachdenkliche, brodelnde Persönlichkeiten übernimmt, sagte zur Promotion des Films, dass er zunächst dachte, nicht der Richtige für die Rolle zu sein. Eine Vermutung die sich bewahrheitet, nicht weil er nicht gut genug ist, sondern weil die Rolle selbst für einen so talentierten Darsteller wie ihn nichts hergeben kann. Die ewig gute Laura Linney wird ebenso wie Antonio Banderas verschwendet, letzterer schwimmt auf dem niedrigen Fahrwasser seines verblassenden Latin Lover Celebrity-Images, bietet darüber hinaus nichts. Wer sich eine spannende Entwicklung Banderas’ zum kaltblütigen Gegner erwartet, täuscht sich
.

Auch filmerisch vermag es Eyre nicht, an seinen hervorragenden Vorgängerfilm anzuschließen. Neesons Reise nach Italien ist so pulsarm inszeniert, dass man sich fragen darf, wie viele Kannen Kaffee der Cutter wohl hat trinken müssen, um seinen Job machen zu können. Eine vertane Chance, da das Grundgerüst des Films, sieht man von einigen unlogischen und schwer nachvollziehbaren inhaltlichen und regietechnischen Entscheidungen ab, eigentlich immer Material für erstklassiges Kino sein kann. Ein Alfred Hitchcock hätte nötige Änderungen in Angriff genommen und das ganze zugleich spannender und rührender inszeniert. Gegen Ende ist Neesons Charakter abschließend alles gleichgültig – gleiches wird man rückblickend über den Stellenwert des Films in Neesons, Linneys und Banderas’ Filmographie sagen.

Fazit:
„Der Andere“ ist die Antwort auf die Frage, welcher Film eher zu empfehlen ist: dieser hier oder… egal was sonst noch läuft.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel


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