BG Kritik:

Stephen King's Der dunkle Turm


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

The Dark Tower (US 2017)
Regisseur: Nikolaj Arcel
Cast: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick

Story: Der zwölfjährige New Yorker Jake Chambers (Tom Taylor) wird allnächtlich von apokalyptischen Visionen und Träumen gepeinigt, in denen ein völlig in schwarz gekleideten Mann (Matthew McConaughey) versucht, einen hoch in die Wolken hineinragenden Turm zum Einsturz zu bringen, während sich ihm Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba) als letztes Hindernis entgegen stellt. Alles geträumte zu Papier bringend und zeichnend, erkennt Jake alsbald, dass alles was er sieht, auch tatsächlich existiert und dass seine Welt nur eine von vielen ist, verbunden und gehalten durch einen im Zentrum stehenden Dunklen Turm.

Der Versuch, die unverfilmbaren Bücher zu verfilmen.

Fast alle Werke Stephen Kings haben Bezug zum Dunklen Turm


„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ So beginnt Stephen Kings düstere Fantasy-Saga um den titelgebenden Dunklen Turm – welches der Autor oft gar als sein wichtigstes Werk bezeichnet – worin King in acht Bänden vom Kampf des Ka-Tets um den letzten Revolvermann Roland Deschain berichtet, den Dunklen Turm im Zentrum des Multiversums vor dunklen Mächten zu schützen und zu erhalten. Nun und nach Jahren in der Entwicklung, mit mehreren Wechseln in kreativer Leitung, Studio, Besetzung... ist die Verfilmung also da. Taugt der von Sony produzierte und unter Regisseur Nikolaj Arcel (Die Königin und der Leibarzt) entstandene The Dark Tower also?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal und knapp beantworten, denn es kommt wie so oft ganz auf den Blickwinkel und die Erwartungshaltung an eine Verfilmung einer literarischen Vorlage an. Erwartete man mindestens eine sich zwar hier und da ihre Freiheiten nehmende Filmversion, die dabei trotzdem den Geist der Vorlage atmet und dieser größtenteils in Handlung, Zeitablauf... und Story folgt – Peter Jacksons Version von J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe sei hier stellvertretend und lobend erwähnt zu nennen – dann ist Nikolaj Arcels The Dark Tower wohl ein Desaster und so etwas wie nahezu völlig misslungen. Irgendwo zwischen Adaption, Inspiration, Sequel und Teil eines größeren Paketes – schließlich wird gerade an einer Event-TV-Serie gearbeitet, in der mindestens Tom Taylor und Idris Elba ihre Rollen wieder aufnehmen sollen – wird Vorlagentreue hier nicht groß geschrieben. Und so verwundert es nicht, im Abspann ein basierend auf der Dunklen Turm-Reihe von Stephen King vor zu finden. Reihe, wie alle Teile zusammen, von überall was und in 1 Stunde und 35 Minuten Film (inklusive Abspann, nach dem im übrigen nichts mehr folgt) verfrachtet. Denn der Film bedient sich lediglich an einigen der Figuren und Eckdaten der Handlung, und strickt sich überwiegend seine eigene Geschichte daraus. Hat man die Buch-Reihe gelesen, sollte man sich wohl von der Idee, hier einer Verfilmung dessen zu begegnen, befreien. Und genau dafür wird der Film offenkundig aktuell auch von vielen Kritikern abgestraft. Denn so schlecht wie die aktuell 18 Prozent bei den Tomaten vermuten lassen könnten, ist der Film gar nicht. Als Film an sich, und nicht gemessen an der Vorlage.

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und Idris Elba folgte ihm. Von seiner Mutter (Katheryn Winnick aus Vikings) aufgrund seiner wiederkehrenden Alpträume und steigender Verhaltensauffälligkeit für ein paar Tage in einer auf Kinderpsychologie spezialisierte Einrichtung angemeldet, erkennt Jake in den Mitarbeitern der Klinik, die Helfer des Mannes in Schwarz aus seinen Alpträumen. Er flieht und macht sich auf, ein Haus aus seinen Träumen und somit den Übergang durch ein Portal in eine andere, verödete Welt - die wie ein Mix aus Western, Mittelalter und Postapokalypse mit Magie und übernatürlichen Fähigkeiten (Shining für die King-Kenner) daher kommt - zu finden. Anders als im Roman, betritt Jake die andere Welt hier also freiwillig - und ganz ähnlich seiner Rückkehr nach Mittwelt in den Büchern - und ohne Gedächtnisverlust. Gestrichen, angepasst und frei interpretiert eben. In Mittwelt angekommen trifft Jake nach gefühlten 20 Minuten der Filmhandlung auf Roland Deschain, den letzten überlebenden Revolvermann und Nachkommen von König Artus. Statt eines Clint Eastwood Lookalikes (wie es die Vorlage verlangt hätte) spielt der harte Charisma-Bolzen Idris Elba (Luther, Beasts of No Nation) den einsamen Wolf und Mann weniger Worte, dem nichts in seinem Dasein geblieben scheint, als Rache an Walter Padick – besser bekannt als der Mann in Schwarz – zu nehmen. Und obwohl äußerlich völlig an der Vorlage vorbei, liefert Elba (wie eigentlich immer) und überzeugt mit einer facettenreichen Darbietung sowohl in den harten Raubein-Szenen – wie wenn er Jake bei der ersten Begegnung schon mal am Kragen packt und über einer Klippe baumeln lässt – wie auch in den ruhigen und später gar in den komischen Momenten.

Gemeinsam mit dem offenkundig talentierten und perfekt als Jake Chambers besetzten Tom Taylor trägt Elba den Film konsequent und sehr ordentlich. Ihnen gegenüber der von Oscar-Gewinner Matthew McConaughey gespielte Mann in Schwarz, dessen Motive hier zwar leider wenig ersichtlich verbleiben, der dafür aber umso intensiver spielt und eine grandiose und geradezu teuflische Präsenz an den Tag legt. Ein geflüstertes Wort im vorbeigehen hier, ein eiskalter Zauberspruch dort, je ruhiger und, ja, passiver er agiert, desto bedrohlicher wirkt er, und in diesen Szenen bleibt nicht nur McConaugheys Opfern, sondern wohl auch den Zuschauern der Atem weg. So gut wie der Mann in Schwarz, so langweilig und austauschbar seine Vasallen, sowie die Szenen, in denen McConaugheys Figur versucht, den Turm zum Einsturz zu animieren. Dazu ein trashiges Finale voller Gehopse und mit der Hand durch die Luft Gewische – was aber nahezu völlig der Vorlage entspricht und hier ebenso albern und trashig aussieht, wie es schon in Kings im Buch niedergeschriebenen Worten klang, womit der The Dark Tower-Film hier erstaunlich vorlagengetreu wirkt – und viel von der vorhergehenden Wirkung der Figur ist dahin.

Die Bücherreihe besteht aus insgesamt 8 Bänden


Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und eigentlich nicht mal das. Denn die legendäre Eröffnung von King kommt im Film nur in Form einer Stimme aus dem Off vor. Vieles ist anders, einiges kommt bekannt vor und doch ist es irgendwie verändert. Wurde der Roman laut King besonders von Sergio Leones Western-Klassiker Zwei glorreiche Halunken beeinflusst, ließ sich Regisseur Nikolaj Arcel offenbar auch andernorts inspirieren. Und ganz wie die Trailer vermuten ließen, waren die Underworld-Filme mit Kate Beckinsale, die Resident Evils mit Milla Jovovich oder auch The Book of Eli mit Denzel Washington offenbar darunter. Dies betrifft allerdings ausschließlich das Finale. Hier wird cool – aber auch sehr kreativ und sich nie redundant anfühlend – nachgeladen, durch die Luft gesprungen und geballert was die aus dem Schwert von König Artus geschmiedeten 45er Colts aushalten, um sich ganz als wäre es noch 1999, wie in Matrix hinter Säulen zu verstecken, während eine Überzahl an gesichtslosen Handlangern diese Säulen langsam wegballert. Auch aus dieser Zeit, könnten einige der Effekte stammen. Fast zumindest, denn so altbacken wirkt hier realistisch betrachte dann noch nichts. Nur eben auch nicht ganz fertig, oder konkurrenzfähig um ganz oben mitzuspielen. Aber dafür war man eben auch längst nicht so teuer wie jene Konkurrenz, und deutlich besser als so manche Effekt-Szene in den Resident Evils, sieht man hier immer und jederzeit aus. Und das wie gesagt auch nur im Finale. Zuvor sieht die nur 60 Millionen Dollar günstige Produktion gar deutlich teurer und wertiger aus. Zum Beispiel wenn Roland und Jake des nächtens in einem unheimlichen Wald auf eine dämonische Kreatur treffen, welche wie die Freddy Krueger Alptraum-Version von David Cronenbergs Die Fliege ausschaut.

An diesen und weiteren Stellen ist das Abenteuer recht gut gelungen, stimmungsvoll und gar erstaunlich düster eingefangen, dabei reduziert und effekttechnisch völlig ausreichend, um nicht aus der Illusion gerissen zu werden. Das geschieht erst im angesprochene Finale, welches darüber hinaus auch nicht so recht zum restlichen Film passen mag, und diesen sogar abwertet. Wäre dies ruhiger, weniger überzogen und geerdeter, so stünde unter dieser Kritik wohl eine um ca. einen Punkt höhere Zahlenwertung, da das überladende, gehetzt wirkende Finale mit den nicht ganz zeitgemäß wirkenden Effekten und dem erwähnten Gehopse und mit der Hand durch die Luft Gewische mehr schadet, als nützt. Interessanterweise beschränken sich die Resistent Evil trifft Underworld-Szenen gar so ca. auf das, was bereits aus den Trailern und sonstigem Promotion-Material bekannt war, und noch dazu entstammen diese allesamt dem Finale. Trailer eben. Davor ist es wie angesprochen fast ein gänzlich anderer Film, eher ruhig und geerdet, zwar hier und da vom Voranschreiten der Geschichte etwas gehetzt wirkend, aber dadurch auch nie wirklich langweilig oder mit Längen. Dabei was die Action angeht angenehm ruhig und realistisch - im Setting von durch Portale schreitenden Reisenden zwischen Welten - und mit ziemlich genau zwei als Action-Szenen durchgehenden Einschüben, in den gut 70 Minuten vor dem erwähnten finalen Geballer. Musikalisch gibt es über den Score von Tom Holkenborg weder besonders viel zu meckern, noch zu loben. Er ist fast immer einfach da, funktioniert, dabei aber unauffällig.

Insgesamt ist The Dark Tower ein sich mittelmäßig originell anfühlender Mix aus Fantasy und Science-Fiction, mit einem Hauch Western in einem apokalyptischen Setting, in dem das Palavern der Bücher durchaus noch seinen Platz hat, und für die Fans der Vorlage zumindest noch Anspielung auf Kings erweitertes Schaffen zu finden sind. Nicht grandios, vermutlich nicht lang nachhallend bleiben, aber wirklich grundsolide Kost für zwischendurch, die auch für Nicht-Buchkenner völlig verständlich daher kommt. Dazu ein bisschen Fish-Out-Of-Water Humor-Momente und immer wieder das legendäre Mantra der Revolvermänner:

"Ich ziele nicht mit der Hand; wer mit der Hand zielt, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich ziele mit dem Auge.
Ich schieße nicht mit der Hand; wer mit der Hand schießt, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich schieße mit dem Verstand.
Ich töte nicht mit meiner Waffe; wer mit seiner Waffe tötet, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich töte mit dem Herzen."

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und das Buch ist immer besser als der Film!? Geschmackssache, denn nachweislich gibt und gab es auch Leser, denen Kings Magnum Opus zu zäh, langatmig und schlicht überlang erschien. Für die, ja, da könnten sich die verdichteten, gut eineinhalb Stunden ganz solides und angenehm düster eingefangenes Genre-Kino von The Dark Tower durchaus als die bessere Wahl oder mindestens Alternative und erneuter Kontaktpunkt mit Der Dunkle Turm erweisen.

Fazit:

Nikolaj Arcels The Dark Tower ist ein durchaus kompetent, aber wenig kreativ, visuell eigenständig oder gar innovativ inszenierter, ganz gut brauchbarer Effekt, Fantasy und Abenteuer-Film. Hierbei losgelöst von der Vorlage, überwiegend sein eigenes Ding machend - und damit sicherlich diverse Fans vor den Kopf stoßend - lebt der Streifen hauptsächlich von seinem grandiosem Hauptdarsteller-Trio aus Matthew McConaughey, Idris Elba und Tom Taylor. Dabei völlig in sich geschlossen, und doch die Tür zu mehr aufstoßend und folgen lassen könnend.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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