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Kritik:
Der Geschmack von Apfelkernen


von Manuel Föhl - > Blog besuchen

Der Geschmack von Apfelkernen
(2013)
Regisseur: Vivian Naefe
Cast: Hannah Herzsprung, Marie Bäumer, Florian Stetter, Meret Becker, Paula Beer

Story:
Als Großmutter Bertha (Hildegard Schmahl) stirbt, bringt das ihre insgesamt drei Töchter und ihre einzige Enkelin Iris (Hannah Herzsrpung) wieder zurück in ihr Heimatdorf Bootshaven. Iris bekommt das Haus vererbt, dass für sie und ihre Mutter wie Tanten viele Erinnerungen birgt. Beginnend mit den Geschichten über die Kindheit der Oma Bertha und ihrer Schwester und der Jugend von Iris und ihren Freundinnen. Während sie alleine ein paar Tage im Haus verbringt und langsam immer mehr von der Vergangenheit eingeholt wird und in diese zurückversetzt, trifft sie auch wieder auf Max (Florian Stetter), den kleinen Bruder einer ihrer Freundinnen.

Kritik:
Drei Generationen, mehrere Zeitebenen und eine Fülle an Charakteren. Das ganze in zwei Stunden gequetscht, kann das gut gehen? Kann, muss aber nicht. Regisseurin Vivian Naefe ist bemüht, aber leider, wie auch des öfteren der Film selbst, ist es eben nur bemüht. Der Film basiert auf dem ziemlich erfolgreichen gleichnamigen Bestseller, der in Deutschland bereits über 1,1 Millionen mal verkauft wurde und sogar 2008 mehrere Wochen auf den Bestsellerlisten stand. Auch außerhalb Deutschlands, so zum Beispiel in Frankreich und Italien, erfreute sich das Buch von Katharina Hagena an großer Beliebtheit. Kein Wunder also, dass man die Geschichte nun in einen Film adaptiert hat.

„Der Geschmack von Apfelkernen“ hat sich zuallererst vor allem eine große Stolperfalle selbst gebaut, und das sind die verschiedenen Zeitebenen. Es erfordert vollste Konzentration um nicht die Übersicht zu verlieren, denn bspw. der Prolog des Films verwirrt eigentlich mit seinen ganzen Namen und Gesichtern mehr, als das er einem eine gute Hilfe zum Einstieg in die Geschichte und seiner Figuren ist. Man darf sich zurecht fragen, wieso der auf der einen Seite eigentlich so toll fotografierte Film, sich nicht die Mühe macht und die verschiedenen Zeitebenen zum Beispiel durch Unterschiede im Look besser voneinander trennt. Natürlich ist zeitlich bedingt immer die Ausstattung ein guter Indikator für die Festlegung der Zeitebene, in der man sich gerade befindet, aber da es eigentlich immer der selbe Garten und das selbe Haus ist, verändern sich da nur wirklich Requisiten im Detail.

Mit der Zeit kommt man wohl mit den Zeiten immer besser zurecht und es ist auch nicht schlecht diesen leichten Zwang zur Konzentration zu haben, aber hätte man das hier und da auch einfach eleganter lösen können, um es dem Zuschauer etwas zu erleichtern. Dafür spricht auch, dass man beim Casting keine konsequente Linie gesetzt hat. Mal gibt es mehrere Schauspieler für eine Figur, das andere Mal, bspw. Marie Bäumer, wird die Figur immer von der selben Person gespielt und vereinzelt dann auch zwischen den Zeiten wild hin und her geschnitten um das Verwirrspiel perfekt zu machen.

Neben den vielen Charakteren, hat man auch sehr viele Themen in den Film gepackt, was sich durch die vielen Erzählebenen natürlich ergibt. Hier und da ist das immer ein wenig zu viel und man fragt sich zurecht des öfteren, ob es in der Familie nicht einfach ein Problem mit Verhütungsmitteln gibt. Auch ist Liebesgeschichte in der Gegenwart zwischen Iris und Max fragwürdig. Zum einen ist der Wechsel von netten und teilweise komischen bzw. Fremdschäm-Momenten sehr oft vorhanden und zum anderen ist die Geschichte nicht wirklich relevant für den Großteil der restlichen Handlung, die sich hauptsächlich mit der Vergangenheit beschäftigt, in welcher dann Max auch beispielsweise eine kleine bis gar keine ausschlaggebende Rolle spielt.

Darstellerisch ist der Film ebenfalls eine Medaille mit zwei Seiten. Da haben wir zum einen Hannah Herzsprung, die besonders im ersten Drittel viele Fragezeichen aufwirft, denn ihr Spiel ist da noch sehr eigen. Man fragt sich dabei stellenweise, was sie da eigentlich gerade spielt bzw., ob sie das denn überhaupt gerade selbst weiß. Mit der Zeit bessert sich das bzw. man gewöhnt sich an ihr Spiel bzw. ihren Charakter. Es ist ja nicht so, dass das schlecht von ihr gespielt wäre, es ist eben manchmal nur etwas eigen und unverständlich und wenn man sonst so ihre Arbeiten kennt, ungewohnt unsicher. Wenn einer der vielen Charaktere den Film tragen muss, dann ihrer der Iris, aber das ist dann doch stellenweise am wackeln, ob sie das auch wirklich kann. Marie Bäumer, mit zu Beginn etwas komischem Make-Up, was sich dann aber schnell dadurch erklärt, dass sie sich eben in beiden Ebenen selbst spielt und sie dann eben auch einfach im Jetzt etwas älter aussehen sollte, bekommt relativ wenig zu tun. Der andere „bekannte“ Name, der etwas mehr zu tun bekommt, ist vielleicht noch der von Paula Beer, vielleicht hat sie der ein oder andere in Chris Kraus „Poll“ gesehen. Da noch mit braunem Haar, läuft sie nun mit lockiger, roter Haarpracht über die Leinwand. Sie darf böse und fies sein und ist doch als Charakter nicht wirklich fassbar und Paula Beer auch nicht wirklich immer groß gefordert, wenn man weiß, was sie sonst so kann.

Auf der technischen Seite macht der Film eigentlich vieles richtig. Der Film ist wunderschön fotografiert und ausgeleuchtet und die Locations schön ausgesucht. Auch der Score von Sebastian Pille ist für sich sehr, sehr gelungen und erinnert in seinen besten Momenten sogar stellenweise zum Beispiel an die Kompositionen eines Ludovico Einaudi.   

Fazit:
Ambitioniert, bemüht, aber teilweise auch einfach zu umständlich. Dem Drehbuch fehlt etwas mehr als der letzte Schliff und die darstellerische Leistungen sind teilweise sehr schwankend und haben Ausbrüche nach oben, wie nach unten. Kein reiner Frauenfilm und weit über einem Rosamunde Pilcher-Film, wie es der Film vielleicht suggeriert, nett und schön, aber auch mit kleinen wie großen Makeln und vor allem mit fehlender Konsequenz in der Inszenierung.

5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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