Kritik:
Der gestiefelte Kater
von
Christian Mester
PUSS IN BOOTS
(2011)
Regie: Chris Miller
Darsteller: Antonio Banderas, Salma
Hayek
Story:
Vor dem Zusammentreffen mit Shrek in
dessen Teil 2: Der gestiefelte Kater
ist ein berüchtigter Strauchdieb und
legendärer Katzenherzensbrecher.
Eines Tages trifft der verwegene
Rabauke auf eine maskierte Katze,
die ihm im Tanzduell ebenbürtig ist.
Neugierig steigt er ihr nach und
trifft auf einen alten
Kindheitsfreund, das sprechende Ei
Humpty Dumpty. Zusammen machen sie
sich auf die Suche nach einer Gans
in Godzilla-Größe, die goldene Eier
bewacht...
Kritik:
Klein, orange und von sich selbst
überzeugt - im zweiten Shrek aus dem
Jahre 2004 war er damals der
beliebteste Neuzugang: der
gestiefelte Kater. Zwischen all den
schrägen Märchenkollegen des grünen
Ogers war er es, der allen anderen
die Show stahl. Als ebenso
niedlicher wie vorlauter kleiner
Haudegen kam er gar so gut an, dass
DreamWorks einen Solofilm in Angriff
nahm. Rund sieben Jahre sollte diese
Umsetzung dauern, jetzt ist der
flauschige Duke Nukem Forever der
Animationsfilme endlich im Kino.
In der US-Vorlage werden die beiden
prominentesten Figuren von Antonio
Banderas und Zach Galifianakis
gesprochen. Während der ehemalige ‚Zorro‘
und ‚Desperado‘ Banderas den Kater
schon in den Shreks sprach, kam
Galifianakis, der Verrückte aus den
Hangover-Filmen, als lebendes Ei
Humpty Dumpty hinzu. In der
deutschen Variante übernehmen
hingegen Benno Fürmann und Elton die
Sprechrollen. Fragt sich letzten
Endes, ob die Stiefel des Katers in
die großen Erfolgs-Fußspuren des
Ogers passen, der bisher rund 3
Milliarden Dollar Einspiel schaffte.
Zwei Katzen und ein sprechendes Ei,
die sich mit einer gigantischen Gans
anlegen? Der erste wirre Eindruck
ist bereits der richtige, denn wie
schon die vier Shreks ist auch
dieser erste Kino-Ableger eine
äußerst schräge Actionkomödie
geworden. Ein Film, der sich selbst
nicht besonders ernst nimmt und
zuweilen an Parodie grenzt.
Abwechslungsreich geht es erneut
durch viele verschiedene
Märchenszenarien, wobei die Stoffe
außen vor bleiben, die bereits in
den Shreks behandelt wurden. Als
Prequel distanziert sich der Film
jedoch bewusst von den
Shrek-Streifen und spart sich sogar
einen Cameo des Esels. Pausen gibt
es nur wenige, stattdessen wird der
Kater regelmäßig in Actionmomente
verwickelt. Diese fallen nicht ganz
so spektakulär aus wie
beispielsweise in Cars 2 oder Kung
Fu Panda 2, sind aber dennoch sehr
gelungen. Zu verdanken ist es dem
amüsanten Kater selbst, der stets
versucht, abgebrüht und herb zu
klingen, meistens aber shrek-lich
schusselig – und niedlich ist.
Katzenfans werden sich sogar
ungemein freuen, denn die
Niedlichkeit des Katers wird
gnadenlos bis auf die Spitze
getrieben. Spätestens wenn der 3D
Kater als kleines Kätzchen zu sehen
ist und schnurrend mit seinen
Kittenkulleraugen rollt, kommt man
wohl nicht drum herum, laut
aufzuseufzen.
Der verlauste Zorro-Verschnitt ist
unentwegt lustig und erhält einen
Oneliner nach dem anderen, doch
leider ist des Katers Kollegschaft
weit weniger gelungen. Dumpty,
Katers Freundin Kitty und auch die
anderen Gefährten und Feinde wirken
uninspiriert. Es sind einfallslose
Charaktere, die nichts Eigenes für
sich haben und nur abgedroschene
Phrasen bekommen. Da der
orangenfarbene Held fast nonstop im
Mittelpunkt steht, ist das aber
nicht allzu schlimm. Es ist nur
schade, dass sich mit den anderen
Charakteren merklich weniger Mühe
gegeben wurde. Klar ist auch, dass
es kein Film vom Formate Pixars ist.
Emotionale, nachdenkliche Momente
gibt es keine. Auch richtet sich der
allgemeine Ton stärker noch als die
Shreks an ein jüngeres Publikum.
Zynische Verweise auf Themen, die
nur ältere kennen, gibt es im
Vergleich zu den Oger-Filmen nur
wenige. Auch in Sachen Regie ist der
gestiefelte Kater gesundes
Mittelmaß. Der Film ist kompetent
gemachte, kurzweilige Kost, hat aber
wie seine Nebenfiguren keine
besonderen Highlights. Action und
Schnitt sind flott, viele Späße
sorgen für Unterhaltung. Der
Soundtrack ist hinsichtlich des
Figurenidols Zorro an spanische
Western angelehnt. Flottes
Mariachi-Gedudel, das das Tempo des
Films stets hoch hält. Wie die
meisten animierten Filme bietet auch
dieser hervorragendes 3D. Der Effekt
ist stark und kommt in zweierlei
Hinsicht zur Geltung. Zum einen gibt
es sehr viele Szenen, in denen die
Figuren an tiefen Abgründen stehen.
Etwa, wenn es zum Gold in den Himmel
hinauf geht oder sie versuchen, der
Gans auf einer einstürzenden Brücke
zu entkommen. Zum anderen gibt es
jede Menge Gegenstände, Pfoten und
Degen, die in Richtung der Kamera
fliegen und somit förmlich aus der
Leinwand herausragen. Verglichen mit
anderen Animationsfilmen des Jahres
reiht sich der Kater etwa qualitativ
in der Mitte ein. Der Film ist nicht
einmal ansatzweise so ungewöhnlich
wie Rango mit Johnny Depp, dafür
aber interessanter als Gnomeo &
Julia. In Sachen Action hat er keine
Chance gegen die spektakulären Cars
2 und Kung Fu Panda 2, übertrumpft
aber den schwachen Milo und Mars.
Auch die Action in Tim & Struppi:
Das Geheimnis der Einhorn ist
besser, doch dafür lässt der Kater
den matt blickenden Tim stramm
stehen.
Fazit:
Voila - der beliebte Kater aus den
Shrek Filmen glänzt in seinem ersten
eigenen Film. Als tierischer
Zorro-Verschnitt erfüllt er alle
Erwartungen, ist er doch ebenso
lustig wie niedlich. Die übrigen
Figuren seiner Geschichte sind
leider schwach, doch die Überpräsenz
des Katers lässt darüber hinweg
sehen. Will man nur ihn sehen, und
das dürfte ohnehin der Hauptgrund
sein, den Film sehen zu wollen, ist
es ein angenehm kurzweiliger
Animationsspaß.
6 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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