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Kritik:
Der Hobbit #1:
Eine unerwartete Reise


von Christian Mester

THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY
(2012)
Regie: Peter Jackson
Cast: Martin Freeman, Ian McKellen, Cate Blanchett

Story:
Jahre vor den Ereignissen der Herr der Ringe-Trilogie bricht der junge Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) zusammen mit dem Magier Gandalf dem Grauen (Ian McKellen), und zwölf wackeren Zwergenkriegern auf, die ehemalige Heimat der Zwerge, das Land um den Einsamen Berg, von einem grausamen Drachen zu befreien (und, wenn man schon mal dabei ist, einen gewaltigen Schatz abzuklauben). Wen er dabei findet? Gollum und den Einen Ring....  

Kritik:
Zu sagen, Peter Jacksons Herr der Ringe Filmtrilogie sei hervorragend, grenze schon fast an einer stattlichen Beleidigung. Höchst selten ergeben sich Filme, die über drei Stunden Lauflänge aufbringen und damit noch immer zu kurz erscheinen; die so gut sind, dass man schon nach der Hälfte Bestnoten vergeben will und die dann noch besser werden; die so unvergesslich sind, dass man sie immer und immer und immer und immer wieder schauen kann. Dass die Reihe überdies eine der erfolgreichsten aller Zeiten ist, lässt es dann sicherlich nicht völlig verübeln, dass New Line sich mit der Rückkehr des Königs nicht abfinden wollte und nach einer weiteren Rückkehr drängte. Ein neuer Herr der Ringe musste also ran, und da Mister JRR Tolkien neben der Trilogie nur noch die sperrige Weltenerzählung Silmarillion und die kleine Vorgeschichte Der Hobbit hinterlassen hat, sollte der Nachschlag Komplikationen bereiten. Der zunächst gewählte Nachfolge-Regisseur Guillermo del Toro (da Peter Jackson nicht mehr wollte) schien eine grandiose Wahl, eine umso bessere anschließend, dass es Peter Jackson dann doch noch machen sollte (als del Toro nach Monaten Wartezeit ohne grünes Licht vom Studio aufgab)(das dann kurz darauf kommen sollte), sowie dass zahlreiche alte bekannte Gesichter wie Christopher Lee als Saruman zurückkehren würden, doch die mehrfache Betonung, der Hobbit komme im (lukrativen) 3D, gar dafür in experimentellem neuen 3D, und in drei rund drei Stunden langen Filmen, obgleich die Buchvorlage gerade mal ein Fünftel der Länge der Trilogie bot..

selbst als vernarrtester Mittelerdenfan durfte man dementsprechend trotzig an der zweiten Runde, an dem gesamten Unternehmen zweifeln, zumal jeder Leser des Hobbits weiß, dass der Stoff es kaum mit dem atemberaubenden der Trilogie aufnehmen kann. Es ist eine kleine, auf Kinder zugeschnittene Abenteuergeschichte, zwar abenteuerlich, aber kein Vergleich zum Umfang, zu den Bedrohungen und emotionalen Charaktermomenten des späteren Werks. Dem Macher der womöglich besten Filmreihe überhaupt stand trotz unglaublichsten Erfolgen also ein Heer aus Zweiflern gegenüber, die es wieder zu gewinnen galt - und das hat er. Der Hobbit - Eine unerwartete Reise ist ein bemerkenswerter Fantasyfilm geworden, eine fantastische Einleitung der Ringsaga und einer der besten Unterhaltungsfilme der Dekade.

Erneut hat Peter Jackson Mittelerde als glaubhafte, äußerst lebendige Fantasywelt zum Schwelgen geschaffen. Ausstattung, Kostüme, Sets, Soundtrack, Effekte, Rollenbesetzung - alles ist wie zuvor mit größer Liebe zum Detail inszeniert, und der gesamte Respekt, der der Reihe zuletzt beim dritten Teil entgegnet wurde, wird mit Stolz getragen und mit größten Mühen zu behalten versucht - demnach keineswegs der befürchtete hastige Versuch, die Ringekasse faulst wiederholt klingeln zu lassen. Einige bekannte alte Gesichter und Wesen kehren zurück und sind unterhaltsam wie eh und je (dabei sind die Wiedersehen stets mit neuen Szenen gespickt; wer meint, doch sicher auf Gollums Treffen mit Bilbo verzichten zu können, weil man das schon mal in kurz gesehen hat - nein), doch auch sämtliche neuen Figuren, darunter die 12 Zwerge, ein garstiger Orkanführer und drei Bergtrolle, sowie diverse Fantasyelemente wie sich prügelnde Berge reihen sich brauchbar neu mit ein. Zwar gibt es (noch) keine Massenschlachten ala Helm's Klamm, doch Jackson scheut nicht davor, dennoch spektakuläre Actionszenen aus dem Ärmel zu schütteln - eine gesamte Sequenz im Goblinbau dürfte zu den Highlights des Jahres gehören, was auch der Tatsache zu verdanken ist, dass Jackson, Philippa Boyens und Jacksons Frau Fran Walsh wieder grandios mit ihren Figuren umzugehen wissen, mit tollen Dialogen und Oneliner aufwarten und, hier prägnanter denn je, superbe Schmunzelszenen einstreuen. Wer schätzt, dass der Hobbit 1 aufgrund der Vorlage kindischer ausfalle - weit gefehlt. Auch wenn es an dunklem Rot etwas mangelt , wird weiterhin nach Strich und Faden gemetzelt und gehackt, dass niemand Verweichlichung zu fürchten hat.

Jetzt kommt das Aber: Der Hobbit ist bei aller Liebe nicht so gut wie Die Gefährten, Die zwei Türme oder Die Rückkehr des Königs. Das mag bei dem erreichten Niveau schlichtweg egal sein, aber es ist nicht abzustreiten, dass es zwischen diesem und den alten Filmen einen merklich klaffenden Spalt gibt. Keinen tiefen, aber einen merklichen, der so womöglich auch sein muss. Es war klar, dass die Bedrohung im Hobbit nicht größer werden könnte als die in der späteren Geschichte; es war ebenso klar, dass der gesamte Ton etwas anders ausfallen müsste, allein schon, weil Gandalf bei Frodos freiwilliger Meldung den Ring zu tragen, weitab davon ist, zu erwarten, was ihm dort tatsächlich bevorsteht - sprich, Bilbos Abenteuer konnte nicht vergleichbar kalt und fordernd ausfallen. Kleinere Bedrohung, weniger Tragik - der Hobbit nimmt es in Kauf, und macht schulterzuckend und unbekümmert das Beste daraus. Das heißt gewisis nicht, dass es keine emotionalen oder spannenden Momente gäbe, es sie in den nächsten beiden Teilen nicht sogar im gleichen Maß geben wird, aber die unerwartete Reise verhält sich bewusst als Einstiegs-geschichte. Als eine, die ab der Filmmitte mehrere Gänge hochschaltet, zuvor aber erst einmal klein und unschuldig beginnt. Dass Dramatik und Tragik leider recht kurz kommen, ist dann auch daran verschuldet, dass es kaum "vernünftige" Dialogpartner, oder erwachsene Motive gibt. Faramirs kompliziertes Vaterverhältnis, Eowyns Rolle als zerrissene Frau, die zarte Romantik zwischen Aragorn und Arwen - dergleichen gibt es im neuen Film nicht, maximal in Ansätzen. Stattdessen ist es viel mehr, als dominierten Merry, Pippin, Legolas und Gimli das Geschehen - äußerst unterhaltsame, spaßige, aber auch relativ einsilbige Charaktere. Der Film ist dabei glücklicherweise nicht völlig auf plumpe Unterhaltung zugeschnitten und hat mit Thorin Eichenschilds Erbgeschichte, einem sich dezent erhebenden neuen Bösen und Blibos Wahl, doch noch Held zu werden interessante Ansätze - die womöglich erst rückblickend aus den nächsten beiden Kapiteln stärker erscheinen werden - doch hier ist Gefühl jenseits wohliger Unterhaltung ganz stark das, was gegenüber dem Vorgängererlebnis zu knapp kommt. Sprich, man darf sich nicht wundern, findet man den Einstieg zunächst zu schleppend, das Ergebnis nicht so ergreifend wie erhofft (wobei eine spätere Szene auf einem Berg arge erste Halskloßerscheinungen hervorrufen mag). Die ansonsten einzige wirklich schwache Figur ist ein Zauberer namens Radaghast, der immer dann enttäuscht, rast er nicht gerade mit seinem Kaninchenschlitten vor Orks davon - der aber zum Glück nur kurz dabei ist.

Fazit:
Peter Jacksons Rückkehr nach Mittelerde überzeugt fast auf der ganzen Linie: nicht ganz die Perfektion der alten Trilogie erreichend, ist sein viertes Kapitel der Reihe "nur" sehr unterhaltsam geworden.

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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