BG Kritik:

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere


von Michael Herbst

The Hobbit - The Battle of the Five Armies (US, 2014)
Regisseur: Peter Jackson
Cast: Ian McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage, Orlando Bloom

Story:
Nachdem die Zwerge den Drachen Smaug erweckt und verärgert haben, fliegt dieser in Richtung Seestadt davon. Dem Thronfolger Thorin ist das Schicksal der ahnungslosen Menschenbürger scheinbar gleichgültig und so versucht Bilbo, rechtzeitig Hilfe zu vermitteln. In der Zwischenzeit bereitet sich Saurons Armee darauf vor, Menschen, Zwergen und Elben den Krieg zu erklären.

Die Rückkehr des neuen Königs?

Tolkiens Kindergeschichte in drei Filmen zu verwursteln war fraglos Studiokalkül. Niemanden ging es um eine treffende Adaptation des Stoffes oder um eine rund abgeschlossene Geschichte. Hätten die Macher bei einer Begrenzung auf nur drei Filme den gleichen Box Office Erfolg wie bei einer Trilogie garantiert bekommen, wäre es vielleicht bei nur einem Film geblieben. Einem guten. Die Zahlen diktierten jedoch eine andere Erwartung und so sind wir schlussendlich beim bereits dritten Hobbit in Überlänge angelangt. Zwei der zwei bisherigen darf man Enttäuschung auf hohem Niveau nennen.

Die Trilogie kostete zusammen über 600 Millionen Dollar


Die Rückkehr des Königs, das finale Kapitel der letzten Trilogie, veranschlagte drei Stunden Sitzfleisch. Vier, zählt man die Extended Edition. Ein monumentaler Film mit einer Riesenschlacht, die alles voran gesehene noch einmal übertroffen musste und dabei drohte, wie Matrix Revolutions in Effekt-Halligalli unterzugehen. Jackson bezwang diese Skepsis allerdings mit der packenden Auflösung des Gollum-/Frodo-Konflikts, mit dem todesbereiten Aragorn und unzählbar vielen kleineren Momenten mit Gandalf, den übrigen Hobbits und Baumbart, Eowyn und Legolas und Gimli.

Die Schlacht der Fünf Heere bleibt, wie schon seine zwei Vorkapitel, im Schatten des Ringes zurück. Es kommt die Rechnung für die Fehler der Vorgänger. Zwergenanführer Thorin wird zum hochnäsigen Trotzkopf gestutzt, der sich nicht mehr vom Erebor entfernen will, während draußen der Krieg anschwillt. Thorin ist ein Charakter, schon seit dem ersten Film schlecht getroffen ist. Abgesehen von seiner Rückblende mit Azog zeichnete ihn Jackson in den fünf Stunden kein einziges Mal als den vorbildlichen Anführer, dessen Engstirnigkeit dramatisch sein würde, oder als von der Vergangenheit vernarbtes Ekel, dessen Hass kulminieren muss. Wegen der schwammigen Auseinandersetzung wirkt sein Rückhalt im neuen Film ungenau, und die noch schlechter aufbereitete Antagonistenfigur des Elben Thranduil führt zu einem unbefriedigendem Disput.

Wird als nächstes das Silmarillion verfilmt?


Eine unverständliche Wahl, sollten die Filme doch besser Der Zwerg heißen. In Peter Jacksons Kameraaugen ist Thorin der tragische Hauptcharakter der Reihe, nur dass er niemals die emotionale Gewichtung bekommt, wie sie Frodo hatte. Dass die wirkungsvolleren Gegner Azog, Bolg und Sauron komplett aus dem Computer stammen, spricht für die moderne Seele der Trilogie. Mit ihnen ist unterhaltsamer Rauch und Radau zu erwarten, auch wenn unpässlich bleibt, dass dieser erste Umsturzversuch Saurons spürbar kleiner und unpersönlicher wirkt als in der alten Trilogie. Gandalf, Saruman und Legolas bekommen ihre banalsten Show-Auftritte und sind nur noch die Superstars in der ungefragten dritten Zugabe.

Der Hobbit selbst spielt die kleinste Rolle. Thorin ist der wahre Hauptcharakter, Bilbo nur ein Bote, den Jackson vergebens zur wichtigen Verknüpfungsfigur machen will, als der Martin Freeman aber nicht emotional wichtig werden kann. Das Rätselspiel mit Gollum im ersten Film definierte den jungen Bilbo, doch schon im zweiten Film bekam er nicht mehr viel zu tun. Im dritten liegt noch weniger an. Jackson richtet seinen Blick gegen Filmende auf ihn, aber der Fokus ist unverdient. Was für die Schlacht der fünf Heere spricht, ist das Tempo des Films. Mehr noch als im trabenden Smaugs Einöde nach der schnarchöden unerwarteten Reise folgen die Schlusskapitel rasch hintereinander. Schnell ist alles abgehakt und verarbeitet. Das zusammen mit der emotionalen Schlichtheit machen den Abschluss der Reihe zu einer Abfolge unterhaltsamer Computereffekte-Szenen mit einem Wiedersehen beliebter Figuren. Erzählen wird man Frodos Geschichte wohl lieber als Bilbos.

Fazit:

Das letzte Kapitel kann die Defizite der Vorgänger nicht wieder gutmachen. Effektgewaltige Schlachten und etliche Herr der Ringe Cameos können nicht ungeschehen machen, dass die Hobbit Trilogie das Herzblut der alten Filme nicht ausreichend respektiert. Es bleiben sehenswerte, aber ebenso vergessenswerte Fantasystreifen.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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