BG Kritik:

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand


von Michael Herbst

Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann (Schweden, 2014)
Regisseur: Felix Herngren
Cast: Robert Gustafsson, David Wiberg

Story:
An seinem 100. Geburtstag beschließt der Sprengstoffexperte Allan Karlsson, aus seinem trostlosen Altersheim zu fliehen. Unterwegs in der Freiheit wird er rasch in neues Abenteuer verwickelt. Zwischendurch wird zurückgeblickt auf sein Leben, in dem er unter anderem auf Stalin und Oppenheimer traf...



Ein Forrest Gump aus dem Norden? Jonas Jonasson hat sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Tom Hanks Film aus den 90ern inspirieren lassen.

Basierend auf dem Weltbestseller


Man muss nicht erst selbst Senior sein um zu erahnen, dass das Leben in einem Altersheim mitunter sehr ereignislos und stimmungsdrückend sein kann. Windeln, Demenz und regelmäßige Tode klingen nicht gerade nach Abenteuer und da ist es ein leichtes, sich einen Mann mit gebrochenem Körper aber wachem Geist vorzustellen, der sich nach neuen Erfahrungen sehnt. Widerspenstig, grantig und einsatzbereit wie Sylvester Stallone und Robert de Niro in Zwei vom alten Schlag, nur halt sehr, sehr, sehr viel älter, stürzt sich Karlsson in ein urkomisches Roadmovie.

Karlsson ist eine cartoonhafter alter Mann, der überdurchschnittlich dreist ausfällt. Verschmitzt klaut er und legt sich mit jedermann an. Ein besonderer Spaß, wenn ein geklauter Koffer - wem sonst? - Gangstern gehört und der diebische Hundertjährige nicht im geringsten daran denkt, nachzugeben. Pfiffige Einfälle, Glück und ein Zirkuselefant sorgen dafür, dass der senile Strolch unterhaltsam lange mit allem davon kommt.

Karlsson kennt kein Pardon


So skurril die liebenswürdige Geschichte des alten Schelms ist, so schwarzhumorig ist sie auch. Über Leichen und versehentliche Morde wird gewitzelt und Tiere werden in die Luft gejagt, und da rennt Regisseur Herngren in ein Problem. Nicht der fragwürdige Humor, aber bei all dem Klamauk bleibt der Film dann zuweilen sehr ernst, was an wohldosiert gelungenem trockenen Humor manches Mal vorbeischießt.

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" ist ein sehr vielsagender Titel, beschreibt aber nur die eine Hälfte der Handlung. In der anderen erinnert sich Karlsson an Geschehnisse aus seiner Lebenszeit, die es an Irrwitzigkeit mit seinem großen Coup mit 100 aufnehmen können. Karlsson trifft Stalin, hilf dem Entwickler der Atombombe, trifft US Präsidenten und weitere Personen der Menschheitsgeschichte, deren Profil er, wie man erfährt, beeinflusste. Das lockert die wendungsreiche Geschichte noch weiter auf, schmückt aber oft zu gestellt aus. Karlssons Gegenwartsszenen sind so schon häufig nah an der Grenze zum Übertriebenen, die Rückblicke mit den Zufallsbekanntschaften sollen seinen Legendenstatus wohl noch weiter unterstützen, untergraben sie aber mit ihrer Spektaktelnot. Die Bemühung, Karlsson immer noch unglaublicher zu machen lässt keinen Raum, dem Film Gefühl zu verleihen. Unter dem Strich bleibt es so eine Aneinanderkettung von Skurrilitäten mit einem krassen Hundertjährigen.

Lob gebürt dem Make-Up Team, das den Comedian Robert Gustafsson gelungen durch die verschiedenen Zeiten Karlssons zeitlich anpasst. Die Regie selbst ist passabel, holt sich die meisten der Stärken aber aus dem Stoff und kriegt immer dann wackelige Knie, wenn die Rückblicke eigentlich imposantere Sets verlangen.

Fazit:

Im Norden ist das Leben kein Pralinen-, sondern ein Schnapskasten. Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand ist eine schwarzhumorige Gaunerklamotte mit Vorbild Forrest Gump, die Lust auf die Buchvorlage macht.

5,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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