Kritik:
Der Mandant
von
Christian Mester
DER MANDANT
(The Lincoln Lawyer 2011)
Regie: Brad Furman
Cast: Matthew McConaughey, Ryan Philippe, Marisa Tomei
Story:
Als der smoothe Anwalt Mick Haller (Matthew McConaughey) eines Tages
den Fall des schüchternen Millionärssohns Roulet
(Ryan Philippe) übernimmt, erhofft er sich leicht verdientes
Geld. Aus dem vermeintlich schnell abgefertigten Prozess wird ein
tödlicher, denn bei Recherchen zur Verteidigung des Jungen
kommt Haller einem Serienkiller auf die Schliche.
Kritik:
„Die Firma“, „Die Kammer“,
„Der Regenmacher“, „Der
Klient“, „Betty Anne Waters“,
„Zwielicht“, „Das Leben des David
Gale“, „Gesetz der Rache“,
„Erin Brokovich“ oder auch „Dead Man
Walking“ – Justizfilme gibt es mitunter einige,
doch ganz gleichgültig, ob sich Julia Roberts darin den BH
ausstopft, Gerard Butler die Kettensäge schwingt oder Kevin
Spacey Hometapes vorführen mag, finden sie alle auf dieselben
drei Nenner zurück: dass sie alle ähnliche Muster
spannender Spurensuche betreiben, gerne an der Nase herum
führen - und erfreulicherweise alle recht sehenswert
sind.
„Der
Mandant“ erfüllt die Anforderungen, um dazu zu
gehören, gehört aber insgesamt leider zu den
schwächeren auf der Richterskala. Prinzipiell liegt dies an
einem völlig austauschbaren und uninspirierten Hauptfall, der
von der Machart her bloß an eine Fillerfolge eines
generischen CSI-Ablegers erinnert. Es gibt zwar einige dosierte
Überraschungsmomente, doch im Sumpfe besserer Konkurrenz watet
„Der Mandant“ den meisten Kollegen
mühevoll hinter her. Ungünstig ist die Wahl, schon
früh aufzulösen, wer welche Maskerade trägt.
Der Film versucht zwar noch mit einem unerwartet späten
Nierenhaken Präsenz zu erzielen, doch was einfach nie
aufkommen will, ist das Gefühl, dass es der eine
große wichtige Fall Hallers ist, den es sich hier zu
erzählen lohnt.
Besonders morastig ist Ryan
Philippe, der als Muttersöhnchen aus goldenem Käfig
eine der schlechtesten Darbietungen seiner ohnehin schon wenig
betuchten Karriere (s. „Ich weiß, was du letzten
Sommer getan hast“ / „War“ /
„Chaos“ / „The I Inside“)
abliefert. Er bestätigt, dass seine beachtlichen Momente in
„The Way of the Gun“ und „Eiskalte
Engel“ nur vergänglich glückliche
Zufälle waren. Der Rest der Besetzung ist da höher
anzutreffen. In stattlichen Nebenrollen glänzen Marisa Tomei
als Hallers Ex-Frau, William H. Macy (mit genialer Frisur) als
verschrobener Schnüffler-Partner und Michael Pena als
herzerweichend unschuldig Inhaftierter, der schwere
Klöße in Halse packt. Drei Darsteller, die man zwar
nie zur Topriege Hollywoods zählen würde, auf die man
aber immer zählen kann und die auch hier mit echten Elan dabei
sind, damit ein zumindest mittelmäßiger Grad
erreicht wird.
Das Beste am Film ist
letztendlich der Star-Anwalt selbst, denn Goldlöckchen Matthew
McConaughey lässt endlich mal vergessen, dass er nicht
bloß ein bronzener Adonis, sondern auch ein durchaus
fähiger Schauspieler sein kann (s.
„Dämonisch“, oder ist man Geek, auch
„The Texas Chainsaw Massacre 4: The Next
Generation“). Als Haller hat er zwar vereinzelte
Sunnyboy-Strahlemomente, diese dann aber eher aus Berechnung. Der
„Zum Ausziehen verführt“-Star spielt
seinen gegelten Anwalt als gerissenen, doch nachdenklichen
Schachspieler, der sich im Netz der Intrigen zurecht findet. Keine
Oscar-Rolle und auch keine, die man in etwaigen Fortsetzungen ein
zweites Mal sehen müsste (zum Film sind in der Tat bereits
Sequels geplant), doch es ist eine, die einen interessanteren Fall und
einen besseren Film verdient hätte.
Regietechnisch ist
„Der Mandant“ gehobene Durchschnittskost.
Handwerklich gut gestrickt, aber in keinster Weise je
auffällig gut, mit merklichen Schwächen in den
dramatischeren Momenten. Gerade wenn Hallers Leben in Gefahr
gerät, es hart auf hart kommt und der Serienkiller
zuzuschlagen droht, siecht der Film recht antriebslos daher,
unfähig, deutlicher zu fesseln. Demzufolge ist der Film trotz
der Serienkiller-Thematik kein Thriller und bleibt ein Drama.
Fazit:
Der Angeklagte möge sich erheben. Die Beweislast ist uneindeutig;
Handlung und zweiter Hauptdarsteller sind belastendes Material. Eine
stattliche Umsetzung, ein vertrauenswerter Rest-Cast mit Rückrat
und ein souveräner McConaughey im Zeugenstand sprechen jedoch im
Zweifel für diesen Mandanten. Ein knapper Freispruch auf
Bewährung.
6 /
10
> Deine Meinung
zum Film?
|