Kritik:
Der Plan
von
Christian Mester
THE ADJUSTMENT BUREAU
(2011)
Regie: George Nolfi
Darsteller: Matt Damon, Emily Blunt
Story:
Der junge, dynamische Politiker David Norris lernt eine
mysteriöse Frau kennen, die ihm neue Inspiration verleiht.
Doch eine Gruppe mysteriöser Männer agiert im
Hintergrund und scheint Norris’ Leben gezielt zu
beeinflussen, denn in den Vorstellungen der Männer spielt die
hübsche Fremde keine Rolle.
Kritik:
Matt Damon mag in seiner Karriere noch keine einzige besonders
herausragende Leistung erbracht zu haben, wertet mit seiner
Anwesehenheit jedoch jeden seiner Filme auf. Ob als nervöser
Dieb, als abgebrühter
Texas Ranger, vergesslicher Elite-Agent
oder übergewichtiger
Industriespion – ist er mit an
Bord, weiß man schon vorab, dass ein Film zumindest zum Teil
sehenswert sein wird. Die junge Emily Blunt konnte sich noch nicht
allzu oft präsentieren, bot in "Der
Teufel trägt
Prada" jedoch einer Hollywood-Legende Meryl Streep gekonnt
die Stirn
und zeigte zuletzt in "The
Wolfman", dass sie zumindest ansehnlich ist.
Als Pärchen agieren sie nun gemeinsam in "Der Plan", einer
Science-Fiction-Geschichte vom Autor von "Blade Runner", "Minority
Report" und "Total Recall: Die totale Erinnerung". Geplant war es, eine
interessante, relativ verwirrende Handlung mit Thriller- und
Romantik-Elementen zu erzählen, in der die allumfassende Frage
gestellt wird, inwiefern eine persönliche Zukunft
vorprogrammiert sein kann und ob man die Möglichkeiten hat,
von seinem vorgefassten Schicksal abzuweichen. Ob der Plan aufgegangen
ist?
Die Vorschau des Films
vermittelt den Eindruck, "Der Plan" sei ein rasanter Action-Thriller,
doch obwohl er vieles ist, trifft das nur geringfügig zu. Es
gibt minimale Spannungsmomente und eine längere
Verfolgungsjagd im Showdown, doch primär ist "Der Plan" eine
ernst gemeinte Romanze mit diversen eingestreuten
Science-Fiction-Elementen. Als Romatiktitel schafft er, was viele
Genre-Vertreter selten glaubwürdig zustande bekommen: die
Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren glaubhaft und nachvollziehbar
zu gestalten. Sie haben eine Vertrautheit, die inständig
empfinden lässt, dass sie als Paar zusammen gehören.
Ein wichtiger Aspekt, da so erst eine Grundspannung entstehen kann und
man mitfiebert, dass sie am Ende zueinander finden.
Unzureichend ist jedoch der Science-Fiction-Aspekt der Handlung, der
kompliziert präsentiert wird und es sehr schwer
fällen lässt, sich in die Geschichte hinein zu
versetzen. Im Film gibt es eine Art Men-in-Black-Einheit von
übernatürlichen Wesen, die in Menschenform auf der
Erde wandeln, sich über magische Türen
überall hin versetzen können und nur in der
Nähe von Wasser machtlos sind. Sie folgen einem speziellen
Konzept und sorgen dafür, dass sich die Schicksale der
Menschen in passenden Bahnen entwickeln. Daraus ergeben sich mehrere
Probleme. Da wäre die Tatsache, dass niemals klar gemacht
wird, wieso eine Zusammenkunft des Paars überhaupt negative
Konsequenzen hätte. Es wird gesagt, dass es für beide
negative berufliche Konsequenzen gäbe, allerdings bleibt das
Resultat schwammig. Interessanter war dies in Stephen Kings "The Dead
Zone", als man Christopher Walken verdeutlichte, dass eine falsche
Entwicklung einen Atomkrieg zurfolge hätte. Hier soll es eine
Katastrophe sein, dass Blunt lediglich Tanz-Lehrerin statt gefeierter Ballett-Star
wird. Ebenfalls bleibt es relativ ungenau, wer die seltsamen
Männer mit den Hüten sind, welche Mächte sie
in Gänze besitzen und wieso sie diese nicht genauer einsetzen.
Relativ früh wird Damons Figur damit bedroht, dass man ihm ala
Jason Bourne das Gedächtnis nehmen könnte, doch als
dieser von sämtlichen Androhungen unbeeindruckt bleibt und
Elise uneinsichtig weiter verfolgt, hält man sich
seltsamerweise zurück. Es wird gezeigt, dass sie die Zeit
einfrieren und Menschen nahezu steuern können, doch sie nutzen
nichts dergleichen, um den widerspenstigen Norris aufzuhalten. Ein
Problem, da man sich allzu bald kopfkratzend fragt, ob
überhaupt irgendeine echte Bedrohung existiert;
später kommt noch eine spezielle Enthüllung hinzu,
die die Kompetenz der Institution gar gänzlich in Frage
stellt.
All das kulminiert in einem
wendungsreichen dritten Akt, der die Karten neu mischt und die Rollen
neu verteilt. Norris infiltriert die geheime Organisation und
hält an seiner Idee fest, Elise, wenn nötig auch bis
zum Ende seiner Tage zu verfolgen. Was in einer starken Konfrontation
zwischen ihm und seinen mächtigen Gegnern münden
könnte, endet jedoch auf recht schwacher Note. Abgesehen von
einer längeren Fußhatz durch New York bleibt "Der
Plan" konfliktfrei – es gibt keine Waffen, keine
Kämpfe, keine trickreichen Manöver, keine
körperlichen Auseinandersetzungen. Nahezu verblüffend
ist die finale Auflösung auf einem Dach, die den Sinn, die
Brisanz und die Logik des gesamten Films noch einmal
abschließend anzweifeln lässt. Die
mysteriösen Männer in ihren Hüten bleiben
eine übersehbare Gefahr, doch die weit
größere Bedrohung geht vom Regisseur aus. George
Nolfi, der zuvor als Drehbuchautor gearbeitet hat, inszeniert seine
Philip K. Dick Verfilmung professionell, aber langatmig. Mit gut 110
Minuten hat der Film keine Überlänge, fühlt
sich aufgrund schleppender Inszenierung jedoch gleich eine halbe Stunde
länger an. Optisch bleibt "Der Plan" trist und bis auf eine
kleine Ballett-Aufführung, in der Blunt für diese
bemerkenswertes Talent vorweisen darf, uninteressant. Untermalt wird
das Geschehen von einer zwar stimmigen, aber zu leisen und
zurückhaltenden Komposition, mit der Komponist Thomas Newton
keineswegs an seine vorherigen hervorragenden Scores wie denen zu
"Jarhead – Willkommen im Dreck" und "Road to Perdition"
heranreichen kann.
Schade ist, dass das Gesamtpaket keine Atmosphäre aufweist.
Norris scheint einsilbig, interessiert sich nicht dafür, dass
er schier Übernatürliches, Unverständliches
erlebt und obwohl es drei markante Männer in Schwarz gibt
(Terence Stamp, John Slattery, Anthony Mackie), hinterlässt
keiner von ihnen bleibenden Eindruck. Sie bellen Kommandos und drohen
Konsequenzen an, die nie kommen. Damon selbst ist gut, kann aus dem
Stoff jedoch selbst nicht viel machen; Blunt hingegen wird darauf
beschränkt, ihren Partner anzulächeln und
später im luftigen Kleid ungläubig durch New York zu
hetzen. Ein besserer Job als ihre letzte Rolle in "Gullivers
Reisen – Da kommt was Großes auf uns zu",
aber eine uninteressante, in der sie nicht wirken kann.
Der philosophische Aspekt bleibt indes unbesetzt - es gibt keine
nähere Beschäftigung mit der interessanten Frage des
Schicksals, der Vorbestimmung und Wahlmöglichkeiten im Leben. Was
in den Matrix-Filmen interessant angestimmt wurde und hier interessiert
hätte vertieft werden können, bleibt oberflächlich. Das
wäre akzeptabel, würde der Film stattdessen anderes bieten,
doch insgesamt bleibt der Atem knapp.
Fazit:
Was
ein mysteriöser Thriller mit faszinierenden Hintergrundelementen
hätte werden können, ist ein nur durchschnittlicher Film
geworden, der an die letzten beiden Filme von Richard Kelly ("The Box",
"Southland Tales") erinnert. Der romantiklastige Plan ist sympathisch
besetzt, bleibt jedoch konfus und frei von Spannung und orientiert
sich eher an Romantik- statt Science-Fiction- Interessierte. Der
einzige positive Aspekt des Films ist Hauptdarsteller Damon, der viele
Mängel des Films mit seinem mitreißendem Ehrgeiz
übersehen lässt.
4,5 /
10
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