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Kritik:
Der Teufel trägt Prada


von Christian Westhus

The Devil Wears Prada (2007)
Regie: David Frankel
Darsteller: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt

Story:
Die junge Andrea (Anne Hathaway) wird zufällig zur Assistentin der berüchtigsten Modejournalistin (Meryl Streep) befördert; schon bald jedoch zeigen sich erste Konsequenzen, die ihr Leben gehörig auf den Kopf stellen.

Kritik:
„Frauenfilm“ – „und dann auch noch von einem Regisseur, der diverse ‚Sex & the City’ Folgen inszenierte. Kein Film für die Männerwelt!“ - so schallte es seit den ersten Informationen über dieses Projekt aus den Mäulern übereifriger Kritiker und vorschneller Kinogänger. So ist es auch kaum ein Wunder, dass die Kinosäle hauptsächlich von Frauen bevölkert werden, die höchstens hin und wieder den Ehegatten zwingen, sich Mode, nette Mädchen und nette Witzchen anzutun. Was tut man nicht alles für die Liebe? Vielleicht aufmerksamer Kritiken lesen, die das fertige Produkt beschreiben, denn der Schein trügt.

„Der Teufel trägt Prada“ wird zwar actionorientierte Kinofreunde (Männer?) absolut nicht ansprechen, entpuppt sich aber als erfreulich intelligentes und entlarvendes Stück Film, das eine altbekannte Geschichte nutzt um seinen Charme zu erspielen. Das nette und intelligente Mädchen von Nebenan, das normal geblieben ist, Bier trinkt und das anzieht was sie will, sieht sich mit der knallharten Realität des Modejournalismus konfrontiert und muss erst sich beweisen, dass sie es kann um dann wieder zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Das ist bekannt, wird hier aber wunderbar und unpenetrant umgesetzt.

„Runway“ heißt hier das weltweit größte Magazin für Fashion, Style und Stars, das mit seinen großen, schlanken Lettern nicht nur zufällig an die „Vogue“ erinnert. Männer werden jetzt rasch den Zeitschriftenstapel ihrer Freundin durchwühlen und erleuchtet „Ach das!?“ rufen, während Frauen schon längst wissen, dass der Film die wahre Geschichte einer Assistentin der Vogue-Chefin erzählt. Nicht ohne Grund darf man schmunzeln, wenn plötzlich Madonnas „Vogue“ ertönt. Realer Unterbau tut einem Film häufig gut und deutet schon mal im Voraus Qualität an. Wäre man hier wirklich auf Witzchen und blanke Moral aus, hätte man auch Lindsay Lohan die Rolle der grauen Maus geben können. So zeigt die wunderbare Anne Hathaway erneut, dass sie nicht nur hinreißend niedlich ist, sondern auch durchaus darstellerische Klasse besitzt.

Hathaways Andy Sachs ist die clevere, aber etwas unentschlossene Variante der besagten Maus, die sich hocharbeiten muss und geht diese Rolle mit Witz, aber auch mit Emotionalität und einer schwierigen Version von Selbstvertrauen, die Andy mehrmals im Zwiespalt lässt, denn die hektische Welt von Glamour, Mode und der „Vogue“/dem „Runway“ ist kontraproduktiv zum ehemals so unbekümmerten Privatleben, dass man mit schlabberigen Klamotten und unverkrampften Albernheiten verbringen konnte. Und hier offenbart der Film seine Qualität. Statt die zu oft gehörte „Never forget where you’re coming from“-Moralpredigt aufs Neue runterzuleiern, haben wir es hier mit echten Charakteren zu tun, mit Problemen, die zwar tendenziell Klischees sind, aber geschickt glaubwürdig dargestellt werden und mit einfühlsamen Situationen und Dialogen. Die Moral kommt letztendlich deutlich, doch der Weg dahin ist feiner, als in üblichen (Frauen-) Filmen dieser Sorte.

Das ist mitunter herrlich witzig und wunderbar amüsant, auf die ansprechende, clevere Weise, wenn einem gepflegte Kommentare der wirklich fiesen Sorte um die Ohren gehauen werden, wenn die Unmenschlichkeit dieser glitzernden Welt hart und ehrlich das liebe Mädchen aufs Neue zurückwerfen. Das liegt vor allem an Meryl Streep, die wahrhaftig ein satanisches Biest gibt und das in einer Art und Weise, die überrascht und gleichermaßen begeistert. Nicht wild, hysterisch als Furie sondern fies, tückisch und einfach nur kalt. Warum Streep gerade in solch bösen Rollen überzeugen kann, bleibt ungeklärt, aber es ist für eine lange Zeit eine fiese Freude, ihre menschenverachtende Mimik und ätzend zynischen Kommentare zu bewundern und mehrfach heimtückisch aufzulachen, wohl wissend, dass man selbst aufs tiefste verletzt wäre. Es ist herrlich, wie Miranda Priestly den Werdegang eines grauenhaften blauen Pullis vom Wühltisch erklärt und mit feinen, zynischen Spitzen dem törichten und uninteressierten „dicken Mädchen“ zeigt, warum Miranda für die Modewelt eine Göttin ist.

Ihr gegenüber steht ein Stanley Tucci, der brillant aufspielt und den nüchternen, doch humorvollen aber letztendlich realistischen zweiten Mann von „Runway“ gibt. Er ist das Hoffnungsvolle Zentrum des Films, den man noch mehr ins Herz schließt, als er seine große Chance bekommt um dann Priestlys Eiseskälte und nuancierte Arroganz zu spüren. In der letzten halben Stunde versucht uns der Film dann mehrfach in die Falle zu locken. Während unser liebes Mädchen Freund, Freunde und ihren Stolz langsam zu verlieren scheint, bricht beim Teufel kurzzeitig das Eis, nur um wenig später wieder auf beachtliche Dichte anzuwachsen. Und bei all der Bosheit ist es gelungen, Miranda Priestly nicht als abgrundtief bösen Menschen darzustellen, sondern als vielschichtige Figur, die für ihren Job lebt.

Dass der Film selbst letztendlich nicht so böse ist, unser liebes Mädchen zur linken Hand des Teufels zu machen und am Ende das Meiste doch wieder gut wird, war abzusehen und darf kritisiert werden, doch es wurde vermieden, ein blankes Happy End zu inszenieren. Es bleiben fade Erinnerungen, nicht bewältigte Probleme und das Ganze darf als überaus entlarvende Satire gesehen werden, welche die Selbstfindung ihrer Protagonistin in den Fokus rückt und darum ein überaus interessantes Panoptikum der Modewelt entwickelt. Eben diese wird auch nicht einfach verspottet und auf den bloßen Witz hin zerrupft, sondern wird als durchaus verlockend, aber gefährlich dargestellt. Modedesigner Valentino und Heidi Klum tauchen auch in Gastrollen auf, Gisele Bündchen hat sogar eine kleinere Nebenrolle.

Regisseur David Frinkel reißt bei der Inszenierung keine Bäume aus, doch ein paar Finessen sind durchaus wirksam. Mehrfach kommen wir in den Genuss geschickt geschnittener Szenen der selben Situation an verschiedenen Orten, an verschiedenen Tagen. Da darf Anne Hathaway optisch aufreizend mehrere neue Kleidungsvariationen durch die Stadt tragen und Meryl Streep unzählige Male ihre Mäntel auf den Tisch knallen. Da wird tatsächlich der Eindruck erweckt, man blättere durch ein Modemagazin. Das Geschehen erstrahlt immer perfekt ausgeleuchtet und farblich abgestimmt, mitunter sogar leicht verwaschen in Pastell und zu schön, um real zu sein, das gefällt und wird mit einem sympathischen Soundtrack unterlegt, der neben Madonna auch U2 und Azure Ray beinhaltet.

Fazit:
„Der Teufel trägt Prada“ ist kein Frauenfilm und wenn er doch so gesehen werden möchte, ist er ein wirklich intelligenter und hochwertiger Beitrag dieses „Genres“. Es ist keine brillante oder gar geniale Satire, aber eine entlarvende Studie über die Modewelt, ein Selbstfindungstrip mit allem was dazu gehört und ein überaus amüsanter Film obendrein. Da ist nicht alles Gold was glänzt, aber der reale Unterbau der Geschichte verleiht ihr den nötigen Ernst und tolle Darsteller, besonders die herrliche Meryl Streep, sorgen für einige genussvolle Momente. Das dürfen sich auch Männer angucken, ohne gleich Angst um ihren Ruf zu bekommen.

7,5 / 10 

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