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KRITIK:
Der Untergang
von
Christian Mester
DER UNTERGANG (2004)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Cast: Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara
Story:
1945: das deutsche Reich steht vor dem Ende, denn
sowjetische Truppen haben Berlins Mauern erreicht
und stehen davor, die letzten Bastionen zu stürmen.
Im Bunker des Führers hat dieser (Bruno Ganz) noch
immer nicht realisiert, dass sein Feldzug zuende
ist. Wirr sieht er einen leichten Sieg durch
Unterstützung, die längst vernichtet ist. Seine
junge Sekretärin (Alexandra Maria Lara) schwört ihm
Treue, merkt aber, dass das Zeitalter der Nazis vor
dem Ende steht...

Kritik:
Ist "Der Untergang" der beste deutsche Film der
2000er? Für viele fraglos ja, was wohl in erster
Linie auf Bruno Ganz' hervorragendes Psychokonstrukt
Adolf Hitlers zurückzuführen ist. Ganz greift sich
die Figur, die seit etlichen Jahrzehnten endlos
parodiert wurde und macht sie zu einer Entität, die
real wirkt. Man kauft ihm in der Rolle ab, ein
ganzes Land in seine Gewalt gebracht zu haben und es
trotz menschenverachtender und widersprüchlicher
Ideologien in seinen Bann schlagen zu können. Dafür,
dass es ein alter, angeschlagener Mann ist, strahlt
er eine ständige Gefährlichkeit und Autorität aus,
die auch das späte blinde Folgen seiner Apostel
glaubhaft macht.
Hirschbiegel tut gut darin, die Figur Hitler nicht
bloß als durch und durch niederträchtigen
Filmbösewicht zu zeigen. Er macht ihn zwar nicht zum
sympathischen Missverstandenen ala Oliver Stones
"W.", zeigt ihn jedoch als gebrochenen alten Mann
mit angeknackster Psyche, dessen illusorischen
Ratschläge langsam aber sicher klar machen, dass er
dabei ist, seinen Verstand zu verlieren.

Ebenso gut ist Ulrich Matthes, der als fanatischer
Joseph Goebbels eine gruselige Vorstellung abgibt
und das finsterste Kapitel deutscher Geschichte
regelrecht personifiziert. Auch die anderen letzten
Anhänger Hitlers (u.a. Heino Ferch, Michael Mendl,
Corinna Harfouch) füllen den Bunker hervorragend
gespielt mit interessanten
Figuren. Alexandra Maria Laras Traudl Junge
sticht aus der Menge der verrückten Oberen heraus. Der Film übersieht es zwar darauf
hinzu weisen, dass Laras Figur drei Jahre lang
intime Einblicke in die Führerpläne hatte und somit
von allen Schrecken wusste, doch im Film wird es so
dargestellt, als sei sie eine eigentlich
herzensgute, geblendete Mitläuferin, die von den
Schrecken nichts ahnte und dachte, die Taten des
Führers seien tatsächlich gut. Damit portraitiert
ihre Figur die eigentlich unschuldigen Folger
Hitlers, die ihren Fehlglauben erst zu spät
bermerkten und danach von Reue geplagt wurden.
Das Szenario im Bunker entwickelt sich durch Hitlers
immer größeren Wahnsinn spannend auf das bekannte
Ende zu, doch der Film verbringt zudem einiges an
Zeit außerhalb des Bunkers. Hier geht es um einen
Arzt (Christian Berkel), der durch die beschossenen
Ruinen der Stadt läuft und junge Nazis darauf
aufmerksam macht, dass eine weitere Gegenwehr
sinnlos ist. Hier fällt "Der Untergang" schwächer
aus, da die Realisierung des Irrsinns und der Blick
auf den ungezügelten Fanatismus der Glaubenden ohne
Kraft inszeniert ist. Es wirkt, als wollte man
unbedingt Abwechslung zum reinen Bunkergeschehen,
doch Berkel kann nichts aus seiner Rolle machen,
Hirschbiegels als tragisch gedachten
Randgeschehnisse wirken trotz beeindruckender
Kulisse nicht.
Hinter der Kamera
agiert Hirschbiegel hervorragend und macht das
Geschehen im Bunker zur beklemmenden
Polit-Irrenanstalt; außerhalb ist er ebenfalls
kompetent, vermag es aber nicht, ähnlich emotional
zu fesseln. Insgesamt ein dennoch sehr interessanter
Blick auf die letzten Stunden des NS-Regimes.
Fazit:
Sämtliche Szenen im Führerbunker gehören mit zum
Besten, was es im deutschem Drama der letzten Dekade
zu sehen gab. Bruno Ganz und Ulrich Matthes
faszinieren, fesseln und lassen fürchten, doch
Stippvisiten außerhalb des Bunkers rauben dem Film immer
wieder an Kraft. Ein sehr guter Film mit
Einschnitten.
8 / 10
10 -
Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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