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Kritik:
Devil
Night Chronicles #1


von Christian Mester
BG Chefredakteur, schrieb für Gamestar und Gameswelt, war Projektleiter für Kinofilm-Marketing, hat offensichtlich längst zu viele, aber noch immer viel zu wenige Filme gesehen...

DEVIL (2010)
Regie: John Erick Dowdle
Cast: Bokeem Woodbine, Chris Messina

Story:
Was macht man, wenn man mit dem Fahrstuhl stecken bleibt? Die Ruhe bewahren und darauf warten, dass die technische Wartung das Problem schnellstens löst. Was aber, wenn einer der Mitfahrer der Teufel persönlich ist und sich einen Spaß daraus macht, jeden umzubringen?

Kritik:
Auf engstem Raum mit völligen Fremden eingeschlossen sein und erfahren müssen, dass einer der anderen kein menschliches Wesen ist? Ein schauerlicher Gedanke. Mit fortlaufender Zeit mischt sich Hitzeschweiß mit perlendem Angstschweiß und man weiß, dass auch die Artgenossen mit ihrer aufsteigendem Panik langsam aber sicher zur Gefahr werden. Fällt dann auch noch das Licht aus und man hört unmenschliches Grollen, dann Reißen von Haut und Fleisch neben sich, darf man sich bibbernd verkriechen und beten, dass es möglichst schnell vorbei ist.

"Devils" Idee ist Paradestoff für wirkungsvollen Horror, doch so atmosphärisch und spannend der obrige Absatz auch klingen mag - besagten Film beschreibt er leider nicht, auch wenn das mit Änderungen sicherlich möglich gewesen wäre. "Devil" macht sich seine eigenen Möglichkeiten zunichte und bleibt qualitativ im Erdgeschoss hängen.

Eine der größten Schwächen der M. Night Shyamalan Handlung (er schrieb und drehte "The Sixth Sense", "Unbreakable", "The Village", aber auch "Das Mädchen aus dem Wasser", "The Happening" und "Die Legende von Aang") ist sicherlich die Tatsache, dass er die offensichtliche Klaustrophobie des Fahrstuhls gänzlich unbenutzt lässt. Anstatt wie "Buried - Lebend begraben" mit der bedrohlichen Enge des Raumes zu arbeiten, springt "Devil" regelmäßig ins umliegende Bürogebäude, um die dort laufende, dynamische Ermittlung eines fleißigen Polizisten zu zeigen. Die jedoch keine eigene ist, da sich der Mann nahezu alles von einem tief gläubigen Wachmann erklären lässt, dessen Mutti ihm zuvor praktischerweise genauestens erklärt hat, wie der Film-Teufel auftritt, vorgeht und zu besiegen ist. Daraus resultiert eine komplette Demystifizierung des gesamten Gruselaspekts und zudem dick aufgetragener, predigender Religionskitsch, der erwarten lässt, dass Dowdle den Abspann seines Films mit einem ökumenischen Gottesdienst abwickelt. Was erst im letzten Jahr im passablen "Der letzte Exorzismus" als sehenswerter Altar für guten Horror herhielt, verpufft hier mit albernem Glaubensgeheuchel und pseudophilosophischen Fantasy-Regelwerken.

Wäre das Geschehen im Fahrstuhl nicht ständig von Unterbrechungen und Erklärungsversuchen gestört, wäre es für sich stehend jedoch auch selbst nichts Besonderes. Die fünf Insassen (darunter Bookem Woodbine, Mel Gibsons Tochter aus "Auftrag Rache" und jemand der aussieht, als wäre er Jeremy Renners Zwillingsbruder) offenbaren sich als schlecht geschriebene und wenig charismatisch gespielte Figuren, die trotz der paranormalen Ereignisse auf ihrem kleinsten Raum seltsam gefasst bleiben. Es wird zwar viel gegeneinander diskutiert, allerdings bekommt man Schwierigkeiten, ihnen abzunehmen, dass sie sich wirklich in besagter Lage befinden. Die eigentlich spannend gedachte Suche nach dem heimlichen Teufel hat noch ein weiteres Frust-As im Ärmel: es ist unmöglich, durch simples Mitraten auf die verdeckte Lösung zu kommen. Nicht, weil Satan besonders geschickt inmitten der Fünf versteckt ist, sondern weil die Offenbarung des Teufels mit einer als überraschend gedachten, aber recht idiotischen Wende daher kommt, die als Abschluss einer relativ unspektakulären Mordesserie fungiert. Wer sich bereits Gedanken darüber gemacht hat, wie man denn in einem Fahrstuhl unbemerkt morden will, oder wie es der Leibhaftige auf Erden tut - man sieht es schlichtweg nicht. Das Licht geht aus, ein Laut ertönt, das Licht geht wieder an und jemand Neues liegt tot auf dem Boden. Schaurige Bilder oder Albtraummaterial nach Maß von "Der Exorzist" oder "A Nightmare on Elm Street" bleiben ebenso aus wie echte Gruselatmosphäre. Filmisch ist "Devil" auf professionellem Niveau umgesetzt und wird zumindest nie langweilig, allerdings ist das auch schon das einzige höhere Lob, das man dem gesamten Film geben kann. Soundtrack, Kamera und Schnitt sind höchstens Durchschnitt, dazu sind einige der digitalen Kamerafahrten durch CGI-Fahrstuhlschächte, die wohl Hommage an David Finchers "Panic Room" sein wollen, flott, aber unfertig.

Fazit:
Es fällt nicht leicht, Shyamalan schon wieder durch den Kakao ziehen zu müssen, aber dort scheint es ihm in letzter Zeit zu gefallen. Sein erstes Kapitel der dreiteiligen Horrorfilmreihe Night Chronicles, "Devil", kann gefallen, wenn man geringe bis keine Ansprüche an Horror setzt und primär nicht gelangweilt werden will; stimmigen Grusel, gute Einfälle oder interessante Figuren gibt es hier jedoch nicht. Besser die Treppe nehmen.

3,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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