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Kritik:
Devil's Pass


von Michael Eßmann (FantasyFilmFest)

DEVIL'S PASS
(2013)
Regisseur: Renny Harlin
Cast: Gemma Atkinson, Matt Stokoe, Holly Goss, Richard Reid

Story:
Renny Harlin, Regisseur von „Stirb Langsam 2“, „Tödliche Weihnachten“ oder auch „Cliffhanger“ nimmt sich in „Devil's Pass“ einem seit mehr als 50 Jahren ungelöstem Mysterium an, bei dem 1959 ein Trupp von 9 Bergsteigern im Ural unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Eine Gruppe amerikanischer Film-Studenten geht dem Vorfall in heutiger Zeit nach, und erfährt dabei vor Ort, genauer als ihnen lieb ist, was damals am Dyatlove Pass „wirklich“ geschah.

Kritik:
Dass es um die Karriere des ehemaligen Hollywood Senkrechtstarters Harlin zuletzt etwas wackelig stand, dürfte keine Übertreibung sein. Drehte er früher mit großem Budget und Stars wie Willis und Stallone, standen in seinen letzten Werken eher weniger große Namen wie Richard Coyle (5 Days of War) oder auch John Cena (Zwölf Runden) unter moderateren Bedingungen vor den Kameras. In seinem zuletzt fertiggestellten Werk geht diese Entwicklung nun soweit, dass vermutlich niemand einen der Darsteller des Films beim Namen nennen könnte. Dies dürfte allerdings kein Zeichen eines weiteren Abstiegs, sondern schlichte Absicht sein, um die „reale“ Wirkung des Found-Footage Films zu steigern.

Harlin bedient sich hier eines tatsächlichen Mysteriums - um welches sich die abenteuerlichsten Theorien ranken - und macht daraus seinen eigenen „The Blair Witch Project“, „Chernobyl Diaries“ und wie sie alle heißen. Der Film beginnt genre-getreu mit der Vorstellung der realen Ereignisse, und verknüpft diese mit dem real zu wirken habenden Team von Protagonisten. Das ist nicht neu, klappt aber gut.

Trotz zu Beginn getreuer Nachbearbeitung des Falles und eines Drehs am realen Schauplatz, pfeift Harlin allerdings auf die in Jahrzehnten zusammengetragen bereits existenten Theorien, und macht stattdessen sein ureigenes Ding. Vor der traumhaft ruhigen Kulisse entdecken die jungen Forscher bald erste, zunächst harmlos erscheinende, große Fußabdrücke und witzeln über Yetis, nur um bald darauf nichts mehr zu Lachen zu haben. Harlin nimmt sich genug Zeit für seine Vorschau, und weiß diese auch mit Leben zu füllen, denn langweilig ist das Miträtseln und in Richtung Gipfel voranschreiten nicht, und hinter dem Geheimnis könnte zu diesem Zeitpunkt wohl aus Zuschauersicht von Aliens bis hin zur russischen Regierung nahezu jeder stecken.   

Die Rätselei hält bis zu ca. knapp über der Hälfte der Spielzeit, denn ab da lässt Harlin mit einem Sprung den Schleier fallen und öffnet die Tür... zu miesem CGI. Ab diesem Zeitpunkt erhöht sich zudem der Horror Anteil merklich, und mit ihm parallel auch der Absurditäten-Anteil. Ob seine Antwort des Geheimnisses und die Umsetzung dieser gefällt dürfte wie immer Geschmackssache sein, aber es hilft vermutlich sich keine allzu detaillierten Gedanken über seine Theorie zu machen, da sie offen gestanden völlig Banane ist. Zugegebenermaßen unterhaltsam, andererseits aber auch völlig am Aufbau der ersten 45 Minuten vorbei, und diese sogar in Teilen entwertend. Und was auch immer damals 1959 passiert ist, was hier präsentiert wurde wird es ganz sicher nicht gewesen sein. Technisch ist Harlins neuer allerdings nah an altbekanntem und nicht mehr und nicht weniger als ein typischer Found-Footage Film. Es gibt die gleichen Mechanismen: viele lange Einstellungen, die scheinbar schnittlos entstanden sind, Nightvision Aufnahmen und Mädchen, die herzzerreißend in die Kamera heulen, wie man sie schon aus vergleichbaren Found-Footage Vorfahren kennt. Die unbekannten Schauspieler machen einen guten Job, das ganze vor einer Natur Kulisse voller beeindruckender Panoramen der schneebedeckten Berge und Nachthimmel gedreht, an denen das Farbenspiel der Aurora borealis bewundert werden kann, kann Devil's Pass als gewöhnlicher Found-Footage Eintrag zufriedenstellen. In Anbetracht Harlins älterer Filme darf man sich aber gut und gern fragen, auf welchem Gipfel Harlin seinen einstigen Stärken zurückgelassen hat.

Fazit:
Harlin ist auch weiterhin nicht auf der Höhe seines früheren Schaffens, aber erschafft immerhin einen durchschnittlich unterhaltsamen Beitrag unter den Found-Footage Horror Streifen, der mit sympathischen Darstellern aufwartet, sich aber leider einen unnötigen und dummen finalen Twist nicht verkneifen kann. Schade ist es am ehesten um die vertane Chance, sich tatsächlich und ernsthaft mit den realen Ereignissen von 1959 zu beschäftigen.

4,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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