BG Kritik:

Die Bestimmung - Divergent


von Christian Mester

Divergent (USA, 2014)
Regisseur: Neil Burger
Cast: Shailene Woodley, Kate Winslet, Maggie Q

Story:
In einer dystopischen Metropole ist die Gesellschaft in verschiedene Kasten unterteilt, darunter in Wissenschaftler, Politiker und Landwirte. Wer einmal einer Gruppe zugeordnet wird, muss sein Leben dort verbringen. Als die 16jährige Tris auf Zugehörigkeit getestet wird, fällt sie unter den Ausnahmefall Divergent – unbestimmbar. Nachdem sie sich den Stadtwächtern anschließt, zieht ihr Status bald das Interesse der Kanzlerin (Kate Winslet) auf sich…



Da haben wir also den nächsten Hunger Games. Kann Shailene Woodley aus The Descendants und Das Schicksal ist ein mieser Verräter ähnlich unterhalten?

Woodley spielte Mary Jane in The Amazing Spider-Man 2, doch ihre Szenen wurden geschnitten


Die Hunger Games, oder wie sie in Deutschland heißen, Tribute von Panem Bücher waren nach Harry Potter und der Twilight „Saga“ der nächste globale Buch-Hype. Mit großem Interesse wurde verfolgt, wie sich die junge Frau mit dem Kämpferherz in den Greuelwelten der sadistischen Zukunftsgladiatorenspiele schlug, und da der Romanzenaspekt für Teenliteratur relativ gering ausfiel, waren ihr sogar viele männlicher Leser beschert. Veronica Roths Divergent erschien drei Jahre nach Suzanne Collins erstem Hunger Games Buch und scheint ohne Frage schwer davon inspiriert. Eine junge Frau etwa im gleichen Alter wie Katniss, die ebenso in klar von einander getrennten Arm-bis-Reich Bezirken lebt, dann ein Kampftraining mit attraktiven Gleichaltrigen unternimmt und sich ähnlich unfreiwillig als Revolutionsfigur gegen ein totalitäres System entpuppt – das gabs so doch schon mal.

Aber um Divergent in Schutz zu nehmen, waren schon die Hunger Games (Kritik) nicht gerade originelles Brot. Der grundlegende Plot verschleppter Jugendlicher, die dann in einer Arena bis zum letzten einander töten müssen – Battle Royale. Auch ist die Idee einer verdorbenen Zukunft mit jungen, gegen die Regierung rebellierenden Freigeistern gewiss nichts neues. Der Film Divergent hat viele der Reize dieser Ideen, die zurecht immer mal wieder in Filmen thematisiert werden, kann sie aber nicht ganz ausloten.

Divergent bekommt noch drei weitere Filme: Insurgent, Allegiant Teil 1 und 2


Bestimmung – was will man eigentlich im Leben, was möchte man machen, mit wem möchte man was machen und wann geht’s ähnlich aus dem Elternhaus raus? Das sind alles Fragen, die sich junge Leute irgendwann stellen müssen. So auch Tris, die natürlich gespannt ist in welche der Schubladen sie beim großen Test gesteckt werden wird. Woodley spielt sie als leicht trotzige junge Frau, die ganz anders als Katniss ist. Katniss ist eine von der Armut gezeichnete Kämpfernatur, die sich selbstlos für andere einsetzt. Tris hingegen ist forscher und verfolgt klare Ziele. Sie findet schnell heraus, dass zwischen den Fraktionen eine geheime Verschwörung läuft und wird aktiv zur Heldin, die einen niederträchtigen Umsturz aufzuhalten versucht.

Divergent hat einige ansprechende Elemente. Trotz der plump erscheinenden Kastenunterteilung ist das futuristische Chicago mit seinen Fraktionen recht glaubhaft in Szene gesetzt. Woodley durchläuft eine akzeptable Selbstfindungszeit und wie bei den Hunger Games darf es verblüffen, wie gering der Romanzenaspekt bleibt, auch wenn es hier deutlich präsenter ist. Wie sie ihr Training durchläuft und langsam zur Schachfigur einer Verschwörung gemacht wird, ist passable Filmunterhaltung. Schade ist jedoch, dass Tris alleine die einzige sehenswerte Figur bleibt. Mit Miles Teller, Jai Courtney, Ansel Elgort, Maggie Q und Theo James sind die Kontakte Tris‘ potenziell stark besetzt, bekommen aber bloß Plattitüdendialoge. Kate Winslet, sonst immer grandios, langweilt leider als böse Senatorin, die beispielsweise Glenn Close in Guardians of the Galaxy dagegen wie eine tragende Rolle aussehen lässt.

Im Vergleich zum Buch sind einige Qualitäten entfallen. So durchlaufen die Testsubjekte bei der Zuteilung einen Angsttest, der im Buch schon fast Nightmare on Elm Street Ausmaße annimmt – im Film ist es extrem vereinfacht und verharmlost, sodass die Unterbewusstseinsgeschichte uninteressant wird. Die Bedrohung von außen durch die Verschwörung, sowie von innen durch neidische, sadistische Kollegen wurde ebenfalls geglättet, sodass im Film leider recht wenig Dramatik aufkommen will. Leider war das Buch schon nicht sehr actionreich, so ist das nächtliche Erklettern eines Riesenrads schon das aufregendste, was sich hier findet. Neil Burger hat zuvor den Wissensdrogen-Film Ohne Limit mit Bradley Cooper gedreht, der sehr beschwingt daherkam. Divergent ist leider echt zäh inszeniert und verschätzt sich in seinem Versuch, atmosphärisch und ernst zu sein. Mit der fehlenden Spannung, der minimalen Action und dem Verzicht auf allzu viel Teenherzschmerz bleibt somit eine revolutionsarme Young Adult Dystopie.

Fazit:

Divergent wird es wie The Hunger Games auf vier Filme schaffen, muss aber beim nächsten einiges drauflegen um sehenswerter zu werden. Neil Burgers Verfilmung des Bestsellers ist leider in vielerlei Hinsicht ein wenig wirklich empfehlenswerter Film, der immerhin eins schaffen kann – dass man sich auf die Bücher stürzt, die besser sind.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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