Kritik:
Die glorreichen Sieben
von
Christian Mester
THE MAGNIFICENT
SEVEN
(1960)
Regie: John Sturges
Cast: Yul Brynner, Charles Bronson, Steve McQueen
Story:
Da ein Dorf unschuldiger Bauern von einem bösen
Buben (Eli Wallach) und seinen Jungs malträtiert und
ausgeschröpft wird, heuern sie sieben mutige Cowboys
an, die sie von ihrer Plage befreien sollen.
Kritik:
Sieben schützende Helfer, die ein Dorf von armen
Bauern retten? Wenn das bekannt vorkommt - kein
Wunder, ist es doch ein thematisches Remake von
Akira Kurosawas Samurai-Klassiker "Die sieben Samurai", der
sechs Jahre vor den glorreichen Sieben in die Kinos
kam.
Schon aufgrund des Genre-Wechsels ist die
US-Umsetzung des asiatischen Meisterwerk aber ganz anderes
gesattelt. Statt stoischen, stolzen Samurai sind es
hochnäsige Outlaws, kühne Burschen und wilde
Draufgänger, die sich als zusammengerottete einsame
Wanderer der Herausforderung durch eine reitende und
besser bewaffnete Übermacht stellen. "Die glorreichen
Sieben" mag in seiner Basis-Idee abgekupfert
klingen, bringt aber soviel eigenes hinzu, dass man
nicht mehr von einem Imitat sprechen kann.
Zum
einen ist der Film ein
handelsüblicher Western alter
Schule, in dem genrebedingt
geballert - herrlich: die völlig
theatralischen Verkrümmungen, wird
man von einer Kugel erwischt - und
gekämpft wird, doch auch wenn die
Actionszenen wichtig sind,
beschränkt sich der Film nicht bloß
darauf, den toughen Helden rauchende
Colts in die Hände zu drücken.
Während er sein ganzes Genre durch
tolle Bilder, einer fegenden Besetzung
(Legenden: Steve McQueen, Charles Bronson, Yul Brynner und Eli
Wallach, dazu James Coburn und
Robert Vaughn) und einen
unvergesslichen Soundtrack von Elmer
Bernstein ehrt, versucht es sich
auch als leicht nachdenkliches
Westernwerk, als Abschied.
Bronsons ("Spiel mir das Lied vom
Tod") Figur Bernado
beispielsweise enthemmt das kühle
Bild des Macho-Cowboys, indem
zugänglicher Umgang mit Kindern
gezeigt wird und auch mal Lob für
die ausgesprochen werden, die nicht
mit Dreitagebart durch die Prärie
reiten und täglich fiese
Strolchdiebe umnieten. In Horst
Buchholz's Figur (der Deutsche
spielt einen Mexikander) findet sich sogar
eine deutlichere Aussage, denn hier
wird in Frage gestellt, ob das
romantisierte einsame Herumreiten
als Cowboy einem Bürgerleben mit
Frau und Familie jemals vorzuziehen
ist. McQueen und Brunner, die sich
auch am Set in die Haare kamen
(obwohl Brunner gar keine hatte!),
konfrontieren sich regelmäßig im
gegenseitigen Überposen. Klassisch:
Eli Wallach als Bösewicht, in einer
Rolle, die ihm zwar nicht soviel
Spaß möglich macht wie die des
Hässlichen in "Zwei glorreiche
Halunken", aber mit der er einen
ausgesprochen guten Gegner abgibt. Sturges' Regie ist flott und
kein Vergleich zu der Stille der
Italo-Western; eher gleicht er dem
bekannten Korpus vorheriger
US Action-Western und fängt dessen
Spirit treffend ein.
"Die glorreichen Sieben" liefen
übrigens so glorreich, dass noch
drei Sequels ("Die Rückkehr", "Die
Rache" und "Der Todesritt der
glorreichen Sieben") und eine
Fernsehserie folgten. Horrorfilme?
Nein, obwohl nicht alle Sieben
dieses Films dieses Abenteuer
überleben, kehren oder rächen
sich ihre auferstandenen Leichnamen in den folgenden Filmen nicht.
Es sind weitere Western-Erlebnisse des
glorreichen Chris (Yul Brynner), der
im zweiten wieder von Brynner, im
dritten von George Kennedy und im
vierten von Lee Van Cleef gespielt
wird. Die kann man getrost außen vor
lassen.
Fazit:
"Die glorreichenen Sieben"
lässt sich nicht mit heutigen
Maßstäben messen; man würde die
beinhalteten Aussagen für zu plump
karikiert halten, die Kämpfe für
unrealistisch choreographiert. Da
einiges cartoonhaft wirkt, kommt nie
Intensität auf. Sturges Film ist
jedoch ein Liebesbrief an eine ganz
bestimmte Ära, in dessen Holster er
schlüpft und dem er, wie im angenehm
bitteren Ende, Lebewohl sagt. Als
solcher ist er ein Weltklassiker,
den man kennen muss.
8 /
10
10
- Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel
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