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Kritik:
Die Superbullen


von Christian Mester

DIE SUPERBULLEN (2010)
Regie: Gernot Roll
Cast: Tom Gerhardt, Hilmi Sözer

Story:
Voll die Seuche: Für die beiden Köln-Kalk-Proleten Tommie (Tom Gerhardt) und Mario (Hilmi Sözer) könnte das Leben nicht besser sein. Seitdem sie durch glücklichen Zufall Polizisten geworden sind, können sie endlich Trinken gehen, so lange und so viel sie wollen und lachend ungestört und ungeniert für Chaos und Randale sorgen. Wäre da nicht der spießige Kollege Markus (Axel Stein), der sie eines Tages beim strengen Oberwachtmeister (Thomas Heinze) verpfeift. Weil normal, du sollst ja keinen Unfug treiben.

Zur langweiligen Fahrradeinheit degradiert, finden die beiden Gerstenrächer rasch eine Aufgabe, die ihren beschmutzten Ruf wiederherstellen könnte. Jemand hat den Glücksgeißbock des 1. FC Köln entführt. Da sie ohne das Tier nicht länger gewinnen können, machen sie sich auf den Weg, den vermeintlichen Entführer dingfest zu machen: Kaiser Franz Beckenbauer. Auf ihrem Trip in den Süden geraten sie dabei in einen Porno-Dreh, werden für Außerirdische gehalten und machen Bekanntschaft mit einem SEK-Kommando.

Kritik:
Vorab - der erste Film von 1993 war filmisch gesehen grausiger Zelluloidabfall, über-zeugte aber durch herrlich skurrile Figuren und no-holds-barred alles-geht Schwach-sinnsattacken Gerhardts, der sich so sehr in Szene setzte, dass sein Sprüche mitunter Kultcharakter annahmen. >6/10  Der zweite Teil 1997 übernahm das Konzept und verlagerte die Blödelei ebenfalls lustig nach El Arenal, allerdings war der Pepp bereits ein wenig raus, da es - wie es bei vielen Komödienfortsetzungen leider der Fall ist - bloß mit kleiner Variation erneut durchgekaut wirkte. >4/10

In den letzten Jahren gab es zahlreiche deutsche Komödien in den Kinos, doch die meisten davon konnte man schlichtweg vergessen. Mario Barths "Männersache", Atze Schröders "U-900", "Morgen, ihr Luschen! – Der Ausbilder Schmidt Film" und Hape Kerkelings Politsatire "Horst Schlämmer – Isch kandidiere" offenbarten sich als maue Zotensammlungen, die den jeweiligen Comedy-Star nur selten wirklich glänzen lassen konnten. Auch Otto Waalkes’ aktuelle Rückkehr in seiner "Ocean’s Eleven"-Parodie "Otto’s Eleven" scheint derzeit nur wenig Wind zu machen, Zeit also für einen radikalen Umschwung mit Flatulenz in Orkanstärke?

Comedy-Star Tom Gerhardt konnte seinem dritten Tommie Film mit nur gemischten Gefühlen entgegen sehen. Zum einen waren die ersten beiden Teile "Voll Normaaal!" und "Ballermann 6" und die darauf basierende Fernsehserie "Hausmeister Krause – Ordnung muss sein" damals echte Publikumsrenner, aber bestand 2011 noch immer Bedarf an Pudelmützenabenteuern? Die finalen Quoten der Hausmeister Serie waren tatsächlich nicht mehr allzu berauschend und der letzte Film immerhin 13 Jahre her. Mutig wagte er es dennoch und zeigt jetzt nach mehrmonatiger Verschiebung und stiller Scheu vor Pressevorführungen, was dabei zwischen haarigen Backen heraus gekommen ist.

Eines muss man Tom Gerhardt lassen - "Die Superbullen" ist in erster Linie ein Film für treue Fans geworden. Zahlreiche Verweise erinnern an die beiden Vorgängerfilme und wer sogar noch sein altes Bühnenprogramm kennt, der muss beim gefährlichen tasmanischen Teufel im Film glatt an seine Wer-Dackel Geschichte denken. Verweise sind sein A und O, so treffen die zwei unter anderem auf Kalk-König Jupp, für den sie im ersten Teil einen Kasten Bier besorgen mussten, reden über ihren geliebten Erotikstar Gianna S. und trinken das legendäre Ramsdorfer Kölsch. Selbst Katja Flint, mittlerweile eigentlich angesehene deutsche Aktrice kehrt zurück, um als hochnäsige Geschäftsfrau erneut Pech mit ihrem kleinen Pudel zu haben.

Trotz erhöhten Alters sind Tommie und Mario (Hilmi Sözer) indes selbst noch immer dieselben geblieben. Äußerlich haben sie sich kaum verändert und benehmen sich noch immer so unreif und blamabel, als wäre ihr Trip zum Ballermann 6 erst gestern gewesen. Inhaltlich versucht Regisseur Gernot Roll, der schon den letzten Teil der Reihe inszeniert hat und zu den fleißigsten deutschen Regisseuren gehört, an dieselben alten Muster anzuschließen. Es wird sich also fleißig übergeben, es werden Hintern schamlos in die Kamera gehalten und immerzu Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen. Das funktioniert zum Teil hervorragend, zum Teil jedoch auch überhaupt nicht. So schießt ein Furzkonzert mit offenen Patienten in einem Krankenhaus gegen Filmmitte zu weit über das Ziel hinaus, während ein Nebenplot mit einer Bäuerin, die meint, Tommie und Mario seien Außerirdische, unterirdisch unlustig bleibt. Dass der Hauptplot, ein entführtes Maskottchen zurück zu holen, dreist von Jim Carreys US-Klassiker "Ace Ventura" übernommen wurde, könnte dabei nicht offensichtlicher sein, stört aber auch nicht, da er ohnehin nur Aufhänger für zahllose Gagszenen sind. Schade ist jedoch, dass viele dieser Szenen relativ zusammenhangslos wirken und Sketch an Sketch aneinander gereiht wird, bis Zufälle alles zusammen führen. Schade ist ebenso, dass Gerhardt nicht wieder in seiner Dreifachrolle als Tommie, Vater Dieter Krause und Heinz zu sehen ist.

Da er sich in seinem Filmuniversum bestens auskennt, ist es kein Wunder, dass Gerhardt vor der Kamera wieder einmal in Höchstform ist. Er und sein alter Kollege Hilmi Sözer blödeln mit höchstem Ehrgeiz und geben energisch ihr Bestes, dem oftmals gagschwachen Drehbuch anarcho-charismatisch entgegen zu wirken. Die Nebenrollen sind im Vergleich wesentlich schwächer, selbst Axel Stein, der die Rolle des Tommie in der Hausmeister Krause Serie spielte, bleibt zurück und darf wie die Gast-Stars Götz Otto, Katja Flint, Thomas Heinze und Holger Speckhahn selbst nicht viel machen. Im Großen und Ganzen bleibt es auch schwierig zu sagen, was "Die Superbullen" letztendlich sein will. Sieht es sich relativ ernst als Abfeier allen Unsinns ala "Jackass", oder kann man schon fast von einer gezielten Parodie der Pott-Proletenkultur sprechen, in der unechte Brüste, die eigene Stammkneipe und altbackene Traditionen alles sind? Was es auch sein mag, Gerhardt macht es mit einem Grinsen und schreckt nicht davor zurück, sich immer und immer wieder selbst zu blamieren. Muss ihm der Film selbst denn auch peinlich sein? Nein, denn Poster und Trailer zeigten bereits perfekt, worauf man sich da einlässt. Mehr ist es nicht, weniger aber auch nicht.

Fazit:
Ich sag immer: hauptsache gesund. Gerhardts neuer ist besser als viele andere Comedy-Versuche der letzten Monate, wirkt aber nur, wenn man den speziellen Anarcho-Humor mag und die Vorgänger kennt. Als Fortsetzung ist er in Ordnung und in etwa auf einem Sangria-Level mit "Ballermann 6", schwächelt aber an manch verunglückten Gags und hätte auch wesentlich lustiger sein können.

4 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel

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