hauptseite  |  kritiken |  news |  trailer showroom |  jetzt im kino  |  community  |  impressum



 

 

Kritik:
Die Unfassbaren
- Now you see me


von Christian Mester

NOW YOU SEE ME
(2013)
Regisseur: Louis Leterrier
Cast: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Morgan Freeman, Mark Ruffalo

Story:
Ein Illusionist, eine Entfesslungskünstlerin, ein Mentalist und ein Trickbetrüger erhalten eine mysteriöse Einladung, die sie alle vier zusammenführt. Ein Jahr später starten sie eine groß beworbene Auftrittsreihe mit einem unglaublichen Coup, bei dem eine französische Bank um zahlreiche Millionen Dollar erleichtert wird. Cop Rhodes (Mark Ruffalo) wird auf den Plan gerufen, den "Vier Reitern", wie sie sich von nun an nennen, das Handwerk zu legen. Leichter gesagt als getan...

Kritik:
Mit Schweiß und Schweißbrenner: Bereits Thema in unzähligen Filmen gewesen, präsentiert Now you see me einen reichlich originellen Ansatz des vielgenutzten Motivs Bankraub. Wer wäre auch befähigter, Sicherheitssysteme und Wachpersonal zu überlisten, als hauptberufliche Schlossknacker, Ablenkungsspezialisten und Täuscher? Womit auch schon direkt die Charakterfrage geklärt ist, denn bei jedem Diebesfilm sollten die Beteiligten charismatisch, bestmöglich sogar unberechenbar ausfallen, um zu gefallen, um das ganze amüsanter und spannender zu machen. Das galt schon auf den Dächern von Nizza, und kam zuletzt auch bei Dom Torrettos Leuten vorbildlich vor. Bei exzentrischen, zum Teil sehr von sich selbst überzeugten Magiern, zum Teil dazu konkurrierenden Kollegen eine leichte Sache, und so macht es auch viel Spaß, Jesse Eisenberg (The Social Network) als eingebildeten Showstar zuzusehen, wie er mit dem verschmitzten, aber mächtigen Hypnotiseur Woody Harrelson konspiriert, oder wie das ehemalige Assistenzmädchen im kurzen Fummel Isla Fisher mal selbst groß mitmischt.

Umso merkwürdiger (und irgendwo unbefriedigender) die Wahl, die vier Magier bis auf ihre spektakulären Auftritte fast gänzlich hinter den Vorhang verschwinden zu lassen und sich stattdessen auf die Ermittlerseite zu schlagen. Die wirkliche Hauptrolle spielt demnach Mark Ruffalo (witzig: Louis Leterrier hat zuvor Der unglaubliche Hulk gedreht; mit Ruffalo hat er nun den nächsten Hulk-Darsteller in einer Hauptrolle), der als genervter, unsympathischer Cop hartnäckig alles versucht, den Reitern auf die Schliche zu kommen. Komplex wird das Blatt, da ihm eine geheimnisvolle Interpol-Agentin (Melanie Laurent) zur Seite gestellt wird, ihm sein Chef (Rapper Common) Druck macht, der Sponsor der vier Reiter (Michael Caine) für Probleme sorgt und dann auch noch ein ehemaliger Magier und verhasster Profi-Entlarver (Morgan Freeman) mitmischen will.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt selbstredend auf den elaborierten Show-Acts, die generell aufregend und unterhaltsam ausfallen. Man sollte allerdings nicht erwarten, die beeindruckendsten Acts aller Zeiten zu sehen. Wer moderne Setups eines Criss Angel kennt oder mal etwas von Siegfried & Roy, David Copperfield oder Hans Klok gesehen hat, wird diesbezüglich nicht ungeahnt verblüfft werden.

Glücklicherweise geht es Leterrier auch nicht hauptsächlich darum, sondern nutzt er Ausgangslage und die Figuren um ein unterhaltsames Ratespiel ala dem Formate Hitchcock aufzuführen. Wer steckt hinter allem? Gibt es einen fünften Reiter? Wer ist auf wessen Seite und wer ist letztendlich das eigentliche Ziel? Man darf also weniger bei den Zaubertricks, als bei der Gesamthandlung mitraten. Aufgrund der illustren Figuren und einer schicken, schnellen Erzählweise, einer überraschend brauchbaren plötzlichen Kampfszene mit einem Zauberkünstler und immer neuen Variablen weiß das als Vorstellung zu gefallen.

Dass Leterrier seine beste Karten, die vier Zauberer, lange nicht zeigt, anstatt sie im Dialog zu nutzen, nervt schon ein wenig, da die angestrengte Verfolgungsjagd Ruffalos relativ einsilbig bleibt. Immer wenn er meint, den anderen einmal gewieft voraus zu sein, schaut er wieder und wieder blöd aus der Wäsche. Das ist nie langweilig, wiederholt sich als Vorgang aber recht oft und lässt ihn als Reaktion immer nur Schimpfe und mitleidige Blicke seiner Kollegen (in erster Linie niedlich: Melanie Laurent) ernten. Platz für tiefergehende Charaktisierungen gibt es nicht. Keiner der Beteiligten erhält brauchbare Momente, meistens darf man die Hintergründe der Figuren aus Andeutungen erahnen. Ein Beispiel wäre, dass die Crew unausgesprochen weiß, dass Eisenbergs Figur ein unausstehlicher Selbstdarsteller ist, oder, dass der junge Dave Franco keine Lust hat, länger mittellos zu bleiben. Doch auch Ruffalo, Laurent, Freeman oder Caine bleiben blass, wohl in Leterriers Versuch, ohne größere Beleuchtung möglichst alle Karten verdeckt und spannend zu halten. Es führt nur leider dazu, dass der Film mit seinem locker-flockigen Ton und ebenso oberflächlichen Charakteren und kaum zu verstehenden Beweggründen der Drahtzieher Fast-Food von Film bleibt. Bei Soderberghs Oceans Trilogie sah das vom Nährwert nicht anders aus, nur tischte der noch zehn Pfund Stil und Klasse, pointiertere Charkatermomente, echtere Umgebungen und sich weniger überschlagende Twists auf.

Wie bei jedem Film dieser Art läuft alles auf eine oder mehrere Enthüllungen hinaus, die am Ende nach einem Tusch und Tada verraten, was wirklich gelaufen ist. Hier kann der Film leider nicht sauber abschließen, denn die große Offenbarung ist zum einen absehbar, trotzdem schwer nachzuvollziehen und lässt das gesamte Gesehene schwer ins Wanken bringen. Wenig zauberhaft auch der Einsatz von diversen auffälligen, unnötigen CGI-Effekten, etwa, wenn Isla Fisher einen CGI-Vorhang über eine Bühne wirft und man sich fragen darf, fragen muss, wieso, wieso, wieso.

Fazit:
Ocean's 11 mit Illusionisten? Leterriers neuer jongliert gekonnt viele Elemente und macht einen unterhaltsamen, oberflächlichen Film draus, Menschen, Tiere, Sensationen gab es allerdings auch schon mal aufregender.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

> Deine Meinung zum Film?

 

Copyright © 2004-2050 bereitsgesehen.de, alle Rechte vorbehalten
bereitsgesehen.de ist nicht für die Inhalte verlinkter Websites verantwortlich