BG Kritik:

Die Unfassbaren - Now You See Me 2


Hat BG vor 10 Jahren gegründet und seither eine Menge neuer Filme gesehen. War als Redakteur für GameStar und Gameswelt tätig.

Now You See Me 2 (US 2016)
Regisseur: Jon M. Chu
Cast: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Lizzy Caplan, Dave Franco

Story: Ein Jahr ist vergangen, seit das berühmteste Magierquartett der Welt, die "vier Reiter" bestehend aus Illusionist Danny (Jesse Eisenberg), Trickbetrüger Jack (Dave Franco), Mentalist Merritt (Woody Harrelson) und Schauspieler Dylan (Mark Ruffalo) einen einflussreichen Industriemagnaten (Michael Caine) aufs Kreuz legen konnte. Im zweiten Showact der geplanten Trilogie formiert sich das Team erneut, um eine zwielichtige Handytechnologie zu stehlen.

Now you don't.

Teil 3 ist bereits in Planung


Der überraschend beliebte erste Teil der Oceans-11-Variante mit Zauberkünstlern war flott und spaßig, legte seinen deutschen Filmtitel aber ungenau aus. Zwar bezog sich die Bezeichnung der "Unfassbaren" durchaus auf ihre Kunst, Verfolgern trickreich entkommen zu können, doch das Versprechen einer wirklich unfassbaren Show blieb aus. Sichtlich CGI-unterstützte Tricks, zu wenig Szenen mit den Reitern selbst und ein zu konfuses, sinnloses Ende störten einen Film, der vom Konzept her eine galante Variete-Variante der Danny Ocean Trilogie hätte sein können.

Für das neue Event übernahm Jon M. Chu für Hulk Regisseur Louis Leterrier. Chu ist in erster Linie Tanzexperte, hat er doch Step Up 2 und 3 gedreht, 4 und 5 produziert und weitere Musikprojekte entwickelt. Dynamik, Energie und Performance sind fraglos Elemente, die Illusionisten für eine gute Show benötigen, und so findet sich Chu in seinem Bühnenwechsel erst einmal anständig zurecht. Sein Film hat ein ähnliches Tempo wie der erste, und dass er die drei Zauberer im zweiten Anlauf endlich von Neben- zu Hauptfiguren befördert, korrigert immerhin eine Sache. Teil Eins hatte seine Probleme damit, die vier durch Abwesenheit mysteriös erscheinen zu lassen, und strafte mit einer höchst langweiligen Rolle für Mark Ruffalo (der kürzer vorkommt, aber weiter langweilt). Schade aber, dass man aus dem neuen Mehr an Darstellerzeit wenig macht. Eisenberg, Harrelson und Franco mögen alle attestierbares Charisma haben, doch wieder bleiben ihre gespielten Figuren unbeschriebene Blätter. Auch nach vier Stunden haben die vier Reiter (der Apokalypse, daher der Spitzname) keine klaren Persönlichkeiten, fehlt es an interessanten Gesprächen, hat man nie das Gefühl, dass die vier ein eingespieltes Team sind und sich untereinander schätzen. Dabei gibt es Ansätze für eine interessante Gruppendynamik.

Eisenbergs Danny ist ein arroganter Zausel, der Ruffalos Führerrolle in Frage stellt, der es noch immer nicht lassen kann, beim FBI Cop zu spielen. Dave Francos Jack überlegt auszusteigen, und dann ist da noch Harrelsons Hypnotiseur Merritt, der ständig geheimnisvoll und mit seiner übernatürlichen Kraft (Anmerk.d.R.: Hypnose kann das nicht) beängstigend sein kann. Drehbuchautor Ed Solomon (Bill und Ted 1+2, Men in Black, der Super Mario Bros Film) liefert also akzeptable Figuren, die Besetzung kann was, doch Chu versemmelt es ebenso wie zuvor Leterrier.

Immerhin ist Lizzy Caplan mit ihrer flachsigen Ungezwungenheit eine angenehme Komplizin, und kann als "die Frau im Team" mehr einbringen als Isla Fisher zuvor. Morgan Freeman und Michael Caine haben kurze und bessere Rollen, schnarchen sich aber unmotiviert durch Pflichtauftritte. Gaststar Daniel Radcliffe darf als exzentrischer Millionär Fun haben, was nach seinem unrasierten Aggro-Auftritt in Horns aber nichts Neues mehr ist. Schlusslicht der Besetzung stellt Woody Harrelson dar, der neben dem Hynpotiseur Merritt auch noch dessen Zwillingsbruder spielt, einen nervtötenden Halunken. Eigentlich sollte sich eine solche Doppelrolle für amüsante Täuschungs- und Verwechslungsmanöver anbieten, doch der Film macht nichts damit, sieht lediglich den Gag in dem doppelten Erscheinen Harrelsons. Völlig arbiträr ist der Einsatz all der besonderen Fähigkeiten der Künstler; gerade Harrelson will uns glauben lassen, er könne jeden innerhalb von Sekunden und unter Einsatz kleinster Gesten Dinge vergessen und willenlos machen lassen. Stecken sie jedoch in der Klemme, bringen sie ihre Fertigkeiten kaum ein.

Diese Kritik enthält Spoiler für den ersten Teil


Für die Bühne gestalten die Reiter Tricks, die entweder keinen Sinn ergeben (Stichwort Flugzeug, Stichwort Hypnose) oder so offensichtlich mit schlechten Computereffekten realisiert sind, dass das erhoffte Verblüffen ausbleibt. Bis auf eine Ausnahme: In einer verrückten, minutenlangen Finchercam-Sequenz schleust das Team eine Spielkarte mit einem integrierten Computerchip an einer Armee von Wachleuten vorbei, indem sie sich die Karte heimlich zuwerfen, sie sie durch ihre Kleidung wandern lassen oder Caplan sie in ihren Ausschnitt packt. Erst in diesem Moment scheint deutlich zu werden, was den Machern eigentlich vorschwebte. Schade, dass die Mischung aus amüsanter und technischer Dreistigkeit, Augenzwinkern und Contenancebewahrung nur einmal klappte.

Kurioserweise lässt sich sagen, dass Chu bereits bessere Filme gedreht hat - darunter die Step Ups. Es mögen einfache, einfältige Romanzen nach immer gleicher Struktur sein, aber es sind homogenere Beziehungen ohne bewusst nervende Nebenfiguren, die aus weniger charismatischen Darstellern mehr zaubern als dieser mit einer ganzen Bank namhafter Stars. Hinzu kommt, dass die Tanzszenen der Reihe oft eleganter und spektakulärer sind als die Illusionstricks der Unfassbaren und dafür nicht einmal Spezialeffekte benötigen.

Fazit:

Wer den ersten mochte, wird auch den zweiten als taugliche Unterhaltung empfinden. Fassbar an Die Unfassbaren 2 ist allerdings der heimliche M Night Shyamalan Twist - dass es trotz gefühlten Spaßes eigentlich kein guter Film ist. Eisenberg ist ein sympathischer Schauspieler, aber was macht seine Rolle in diesem Film aus? Was macht sie interessantes? Was erlebt sie anderes als im ersten Teil? Mal den angesprochenen Kartentausch aussen vorgelassen: was ist seine beste Szene aus beiden Filmen? Was ist der spektakulärste Zaubertrick der Reiter? Gäbe es die Reiter wirklich, würde man sich ihre Show ansehen wollen? Leute erinnern sich auch heut noch an Siegfried und Roy, an David Copperfields Trick mit der Freiheitsstatue und an Houdinis spektakulären Unterwasserentfesslungsakt, doch die Unfassbaren, die die besten Zauberkünstler der Filmwelt sein wollen, haben bei näherer Überlegung überraschend viele Nieten im Ärmel.

4 / 10
10 - Meisterwerk // 8-9 - sehr gut // 6-7 - gut // 5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend // 0-2 - gar nicht mal so gut

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