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Kritik:
Django Unchained


Kritik von Christian Mester

DJANGO UNCHAINED
(2012)
Regie: Quentin Tarantino
Cast: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio

Story:
Der wilde Westen: als ihn der sonderbare, aber liebenswerte Kopfgeldjäger King Schultz (Christoph Waltz) bei Gelegenheit freilässt und zum Partner macht, sieht Sklave Django (Jamie Foxx) seine große Chance gekommen, seine noch immer gefangene Frau zu finden. Diese (Kerry Washington) gilt es von der Plantagenfarm des miesen Hausherren Candie (Leonardo DiCaprio) und seiner Armada von dreckigen Söldnern zu retten...

Kritik:
Nachdem Quentin Tarantino bereits verschiedenste seiner favorisierten Filmuntergenres, wie den käsigen Eastern oder den trashigen Grindhouse Actioner mit modernen Tributen (Kill Bill, Death Proof) bezollt hatte, bedurfte es eigentlich nur Zeit, bis der exzentrische Filmgeek sich einmal eines Western annehmen würde. Das ist nun Django Unchained geworden, sein ganz eigener Eintrag in die rund 30 Filme umfassende Liste der Django-Reihe, mit der Franco Nero 1966 zum Kult wurde (aber keine Bange, Unchained ist eine eigenständige Sache, die Genrekenntnis schätzen mag, nicht aber voraussetzt). Im Grunde ist es demnach ein weitestgehend "typischer" Western mit Cowboys auf Pferden, langen Ritten durch die Wildnis, mit Duellen, Saloons, Kopfgeldjägern, nur halt im unverkennbaren Tarantino-Stil, und hierbei... mit besonderem Fokus auf ein im Genre selten behandeltes Thema: Sklaverei.

Waltz befreit Jamie Foxx' Django aus einer mit Ketten grausam aneinander gefesselten Zwangsarbeitergruppe und macht ihn zum Partner. Das ungleiche Duo ballert sich fortan, sehr zum Ergebnis unterhaltsamer Erlebnisse, durch eine Schar unglücklicher Wanted: Dead or Alive Kandidaten, allgegenwärtigem Rassismus inklusive KKK trotzend, bis die ominöse Mission aufkommt, Djangos Freundin zu befreien, die, wie soll es anders sein, ausgerechnet in einer Rassistenhochburg wartet: auf einer Baumwollplantage samt Herrenhaus. Wie man es sich denken mag, ist es dank Tarantinos Einfluss kein völlig absehbarer Western, sondern einer, der sich ein grobes Grundkonzept (Frau befreien und zum Helden aufsteigen) nimmt, schaut, wie es in seinen Lieblingsfilmen angegangen wurde und dem er dann seine individuelle Note verpasst. Wie immer (4 Rooms nicht mitgezählt) hat das zu einem guten Film geführt, allerdings muss man parlieren, dass er bei diesem Ritt an seine drei besten (Reservoir Dogs, Pulp Fiction und Inglorious Basterds) nicht heranreichen kann.

Das wäre dann auch maximal Kritik auf hohem Niveau, denn wie zu verlangen war, wartet Quentin wieder mit zahlreichen urkomischen Szenen auf, mit leicht absurdem Humor (den vor allem Waltz zu inspirieren scheint), mit immer frischen, vereinzelt großartigen Dialogen, einer rundum bemerkenswerten Regie und holt dazu Performances aus dem Sattel, die man 2013 gesehen haben sollte: Christoph Waltz ist dieses Jahr verdienterweise erneut Oscar nominiert worden, doch auch DiCaprio als empathieloser, stets schwer einzuschätzender Lebemann-Unmensch, sowie Samuel L. Jackson als dessen treuer Hauslakai sind kommandierend denkwürdig. Foxx selbst muss mit weniger arbeiten, da er als Django wenig expressiv sein darf und nur einsilbig vom Grünschnabel zum übercoolen Player-Cowboy stilisiert werden soll - und das macht er; ist der Film vorüber, ist es nach vielen herrischen Leistungen dann letztendlich doch noch seiner (ähnliches lässt sich auf der Gegenseite mehr oder weniger über die Combo DiCaprio/Jackson sagen, da letzterer dem Jungsporn behände die Show abgräbt). Wie bei den Basterds wechselt Quentin erneut gekonnt zwischen gewollt (oftmals schwarzhumorig) lustigen und spannenden Momenten, wobei ihm dieses Mal etwas gelingt, was ihm noch nie derart gelang.

Der Film ist zwar eine leicht karikaturhafte Behandlung des ganzen Themas und im Herzen eine gebremst überzogene Actionkomödie (jeder Pistolentreffer endet übertrieben in cartoonhaftem Blutschwall, als sei jede noch so kleinkalibrige Waffe ein Elefantentöter, dazu sieht Blut hier wie Tomatenmark aus), doch das darin behandelte Thema der Sklaverei und des Rassismus wird so offensichtlich kritisch und mit Ernsthaftigkeit gefasst, dass es schwerfällt, von der authentischen Grausamkeit, der Nachstellung der Absurdität dieses Tiefpunkts menschlicher Geschichte nicht unberührt zu bleiben. So eine schwierige Mischung gelingt nur selten, einen lustigen Film über ein ernstes Thema zu machen, der bestens unterhält und schmunzeln lässt, aber dennoch respektvoll bleibt und wichtiges mitteilt und darstellt; Bravo.

Leider stehen dieser unverhofften Stärke einige Schwächen gegenüber, die ggfs. mit etwas Überarbeitung noch hätten rausfliegen können. So wird der Film zweimal von Längen geprägt; nach einem furiosen ersten Drittel mit kongenialen Dialogen wird lange die Handbremse gezogen, in dessen Zwischenzeit die Dialoge weniger stark ausfallen und seltener Highlights aufkommen, bis es endlich auf DiCaprios Farm geht und ein langer, exzellenter Showdown beginnt. Leider schließt es danach dann nicht schnell genug ab, und es folgt ein ebenfalls unnötig zäher Epilog, der mit einem gnädigen Schnitt auch inhaltlich nichts missen ließe; es gibt nicht genügend Gründe, wieso der Film 180 Minuten gehen muss - 130-140 hätten es auch getan, da mehrzahlig genutzte Szenen auch noch ruhig als geschnittene auf der BD/DVD gelangt hätten. Zweifellos enttäuschend ist die musikalische Untermalung, und das, obwohl Tarantino extra die 84jährige Genre-Legende Ennio Morricone (Zwei glorreiche Halunken etc.) engagierte. Der sonst so versierte Musikexperte Tarantino untermalt seinen Film mit relativ fadem Gedudel ohne erkennbare Themen, und die wenigen anachronistischen Songs (z.B. HipHop Nummern von 2Pac, Rick Ross und RZA) wirken bei weitem nicht so wuchtig und fett wie bspw. die Stücke in RZA's kürzlichem The Man with the Iron Fists. Dass der Film mit durchaus bekannten Gesichtern nebenbesetzt ist, mit Jonah Hill, Don Johnson, James Remar (Dexters Vater aus Dexter), Bruce Dern, Amber Tamblyn, MC Gainey (Con Air), Zoe Bell (Death Proof), Tom Savini, Walton Goggins (aus SHIELD), Franco Nero (dem Ur-Django), und Quentin selbst, weckt besser keine Erwartungen: bis auf Johnson und Tarantino bleiben alle Rollen kaum merkliche Cameos, Johnsons ist nett, doch Tarantinos eigener (eine Ode an eine bestimmte Figur aus den ersten Staffeln Lost ^^) schon fast zu ablenkend.

Fazit:
Tarantino+DiCaprio+Waltz = was soll da auch schon schief gehen, richtig: wenig, weswegen sein Django Unchained natürlich, was auch sonst, einen oder mehrere Abstecher wert ist.

8 / 10

10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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